Margarita Broich (57) ist am Sonntag zum sechsten Mal als Frankfurter Ermittlerin zu sehen. Wie es ist, plötzlich im Mittelpunkt zu stehen – und auch noch einen Ex-Kommissar als Mann zu haben, erzählt sie im AZ-Gespräch.

München - Der Frankfurter "Tatort" läuft am Sonntag um 20:15 Uhr in der ARD. Der Titel "Fürchte dich" ist Programm. Es wird sehr gruselig.

AZ: Frau Broich, Sie kommen aus Rheinland-Pfalz, wohnen in Berlin und stellen in München Ihren neuen Frankfurter "Tatort" vor. Das zeigt den hohen "Tatort"-Stellenwert, oder nicht?
MARGARITA BROICH: Oh, ja, und wie. Ich freu mich total, in München zu sein. Berlin ist mit den ganzen Clubs irgendwie cooler, aber hier ist man gleich bezaubert von der Schönheit der Stadt. Man hat das Gefühl, in Italien zu sein. Alles ist in München leichter, die Grundstimmung fröhlicher. Das gefällt mir.

Nur bei Ihrem "Tatort" geht es düster zu. Der Titel "Fürchte dich" ist Programm.
Ja, ein richtiger Horrorfilm. Ich bin gespannt. Ach, was: nervös! Ich habe richtig Angst.

Weil wieder so viele Millionen Menschen wie sonst nirgendwo zuschauen?
Ich hab das total unterschätzt. Du kannst 100 Theater-Vorstellungen gehabt haben, dann ermittelst du in einem "Tatort" – und plötzlich kennen dich alle. Jeder hat eine Meinung. Das Phänomen ist, dass ich nicht auf einer Bühne stehe, sondern beim Publikum im Wohnzimmer bin. Als Kommissar gehört man zu den Zuschauern dazu, wird Teil von ihnen.

Ist das schön oder beängstigend?
Beides. Ich wohne in Berlin in einer Straße mit vielen kleinen Geschäften: Apotheke, Obstladen, Weinhandel, Metzger. Wenn ich dort am Montag, nachdem ich am Sonntag im "Tatort" war, herumlaufe – ist das mein persönlicher "Tatort"-Spiegel. Ich sehe das wahre Gesicht des Zuschauers. Wenn mir der Metzger kein Fleisch verkaufen will, weiß ich, dass ihm der Fall nicht gefallen hat. Die Leute sind wirklich sehr kritisch, schauen genau hin.

Aber es allen Recht machen – das können Sie auch nicht.
Das Problem ist: Der "Tatort" soll am besten überraschend und abwechslungsreich sein, aber nicht anders.

Wird Ihr Metzger Ihnen am Montag Fleisch verkaufen?
Es könnte ihm zu viel sein. Dann werde ich wieder paar Tage vegetarisch leben müssen.

Was kann man machen, wenn man merkt: Dieser Fall ist nicht gut geworden?
Eigentlich nur eines: Zum Zeitpunkt der Ausstrahlung für einige Wochen verreisen.

Das Tollste am "Tatort"?
Ich liebe die lange Tradition. Ich bin vorm Fernseher, nicht vorm Handy oder Computer, groß geworden. Also auch mit dem "Tatort". Heute wird viel gestreamt, aber sogar meine Söhne schauen noch "Tatort", er verbindet alle Generationen und Berufsgruppen. Das ist toll.

Ihr Mann Martin Wuttke war auch "Tatort"-Ermittler – in Leipzig. Welche "Tatorte" kamen bei Ihren Söhnen denn besser an?
Mal so, mal so. Die sind auch knallhart, sagen dann: "Das war scheiße."

Dass sich der "Tatort" von Martin Wuttke und Simone Thomalla, trotz guter Quoten und Bücher, trennte, überraschte viele. Sie auch?
Ja, sehr.

Verstehen Sie es?
Nö. Ich war anfangs etwas skeptisch, fand die Kombi Martin-Simone dann aber sehr, sehr gut und komisch und originell. Es ist schade, dass es für ihn vorbei ist. Aber ich kann Entwarnung geben: Es geht ihm gut.

Stimmt es, dass in Ihrem Haus noch ein dritter "Tatort"-Star wohnt?
Ja, über uns. Das ist wirklich witzig. Dietmar Bär, der Kölner. Ihn und Klaus J. Behrendt schaue ich auch gerne.

Sehen Sie sonntags immer "Tatort"?
Nein. Wenn es sich ergibt, gerne mal, sonst nicht.

Ihr Lieblingsteam?
Ich mag die Österreicher besonders. Die Bibi, also die Adele Neuhauser, und der Krassnitzer, die haben freche Dialoge, spannende Fälle, gute Unterhaltung.

Was stört am "Tatort"?
Viele Fälle sind leider fad. Langweilig, langsam, zu sehr vorhersehbar oder am Schluss ist der dritte von Rechts vom Anfang der Mörder, der einmal kurz gezeigt wurde.

Was ist am wichtigsten für einen guten "Tatort"?
Das Drehbuch, ganz klar. Die Drehbuchautoren sollten auf goldenen Tabletts durch unser Land getragen werden. Ich verstehe nicht, warum das nicht passiert. Ihr Job ist absolut essenziell.

Nach einem Drehbuch klingt auch die Geschichte zwischen Ihnen und Martin Wuttke.
Stimmt. Bei uns hat es damals in einem Frankfurter Aufzug gefunkt.

Das ist nun 22 Jahre her, warum klappt’s bei Ihnen so gut?
Oft hört man ja, es sei der Alltag, der irgendwann anstrengend wird. Ich muss sagen: Der Alltag ist bei uns das Lustigste, denn wir haben beide viel Humor. In der heutigen Zeit herrscht oft so eine Unfreundlichkeit, viele Menschen verbreiten schlechte Stimmung. Dafür ist mir meine Lebenszeit jedenfalls zu kostbar.