Hawaii, Bali und Co. Künstliche Flusswelle: Surfin’ Wolfratshausen

Autorenprofil Ruth Schormann
Marcus und Stefanie Kastner wollen die perfekte Surfwelle in ihre Heimat holen. Foto: Jens Schumann

Am Loisach-Kanal könnte es bald die bayernweit erste künstliche Flusswelle geben. Seit Mai 2013 setzt sich eine private Initiative dafür ein. Nun hat sie den Stadtrat überzeugt. Doch es fehlt noch Geld.

Wolfratshausen - Hawaii, Bali, Wolfratshausen – bald könnte die oberbayerische Stadt zu den beliebtesten Surf-Spots zählen. Denn mit der ersten künstlich geschaffenen Flusswelle entsteht dort eine in Bayern einzigartige Attraktion. Dahinter stecken der 46-jährige Marcus Kastner und seine Frau Stefanie.

Stadt und Verwaltung unterstützen das Projekt von Anfang an

Surfen als Wassersportart passt ideal zur Flößerstadt Wolfratshausen“, schreiben die beiden auf ihrer Homepage surfing-wolfratshausen.de. Dort wirbt das Ehepaar für seine Idee für die Heimat: eine künstlich betriebene Welle. Durch den Einbau einer verstellbaren Stahlkonstruktion könnte sie für Anfänger und Fortgeschrittene angepasst werden und auch Kajakfahrer sollen irgendwann über das Gefälle in der Loisach paddeln können.

Die Welle könnte variabel eingestellt werden, je nach vorhandener Wassermenge. Acht Meter breit soll sie werden. Seit 2013 setzt sich das Surfer-Ehepaar dafür ein. „Stadt und Verwaltung haben uns von Anfang an unterstützt und sehr eng mit uns zusammengearbeitet“, sagt Stefanie Kastner im Gespräch mit der AZ.

Nun hat sich die Welle über eine weitere große Stufe ihren Weg gebahnt: Der Stadtrat hat zugestimmt. Mit 22 zu zwei Stimmen haben sich die Räte für das Projekt ausgesprochen und zugesagt, dass 100 000 Euro im Wolfratshauser Haushalt für die Surfer-Einrichtung bereitgestellt werden. „Es gibt noch viel zu tun  .  .  . Aber dieses Statement ist Motivation pur!!!“ teilen die Initiatoren hocherfreut auf ihrer Facebook-Seite „Surfen in Wolfratshausen“ mit, die über 1600 Fans hat.

Geschäftsleute und Promis machen Werbung für die Welle

Auch prominente Unterstützer hat die Welle: Im sozialen Netzwerk posieren unter anderem die Fernsehpolizisten „Hubert und Staller“ alias Christian Tramitz und Helmfried von Lüttichau mit dem blauen Brett von „Surfing Wolfratshausen“.

Nun gehe es im nächsten Schritt daran, einen Verein zu gründen und Crowdfunding zu betreiben, erklärt Stefanie Kastner. Auch die Baumaßnahme muss geplant werden, dazu braucht es weitere Gutachten und Genehmigungen, sodass der nächste Sommer wohl noch ohne die Wolfratshauser Welle auskommen muss. „Übernächstes Jahr ist realistisch und wäre schön“, meint Stefanie Kastner zum Start des Surf-Spots an der Loisach.

Eisbach und Floßlände sind noch die einzigen Wellen in der Region

Mit einer Förderung von etwa 160 000 Euro durch das europäische Leader-Förderprogramm ist der Traum vom Wellenreiten auch verknüpft. Die Tourismus-Beauftragte der Stadt, Gisela Gneißl, gibt sich zuversichtlich. Etwa 60 000 Euro müssen die Surfer selbst auftreiben. Dazu wollen sie einen Verein gründen und Spenden sammeln. „Das ist jetzt eines der wichtigsten Themen“, sagt die begeisterte Surferin. Es bestehe eine große Nachfrage nach Flusswellen, sind sich Marcus und Stefanie Kastner sicher, es gibt immer mehr begeisterte Surfer – auch im Binnenland, weit weg vom nächsten Meer.

Bekannte Hotspots für solche Sportler sind in München seit Jahren die Floßlände und der Eisbach. Doch der ist nur für geübte Surfer geeignet und die Floßlände läuft nur begrenzt. Dabei gilt die Floßlände als Geburtsort des Riversurfings. Seit den 70er Jahren wagen sich dort Wellenreiter aufs Wasser.  

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