Handwerkerhäuschen abgerissen Obere Grasstraße: Alle sind für den Neuaufbau

Der Skandal um den Abriss zieht weiter seine Kreise. Foto: Petra Schramek

Nach dem Skandal-Abriss in der Oberen Grasstraße 1 wollen Politiker und Bürger eine Kopie des Handwerkerhäusls.

Giesing - Zerborstene Balken und Schutt sind nur übrig– von dem besonders netten, denkmalgeschützen Handwerkerhäusl in der Oberen Grasstraße 1 in Giesing. "An einem Mauerfragment steht noch der Safe des Uhrmachers, der früher hier wohnte", sagt Nachbarin Angelika Luible (57) bewegt. Sie ist Augenzeugin des illegalen Skandal-Abrisses vor zwei Wochen. Und sagt: "Das war ein Dolchstoß. Es fehlt die Idylle, die jeder hier sucht."

Mit 23 bestützten und verärgerten Giesingern, ist sie gestern als Bürgerin auf der Bezirksausschuss-Sitzung Obergiesing-Fasangarten. Mit im Kulturzentrum Giesinger Bahnhof: Münchner Polit-Prominenz, wie Stadtrat Christian Vorländer (SPD). "Es hat uns hellauf empört, dass ein Herzstück von Giesing zerstört worden ist. Wir haben einen Antrag auf kompletten Wiederaufbau gestellt, um das historische Ensemble in der Feldmüllersiedlung zu heilen. Wir wollen, dass die Sanktionsmöglichkeiten voll und hart ausgeschöpft werden, damit das Beispiel keine Schule macht".

Für diese Worte bekommt Vorländer viel Applaus. Landtagsabgeordnete Claudia Stamm, Vorsitzende der neuen mut-Partei und frühere Giesingerin, sagt am Rande der Sitzung: "Dieser Fall schlägt dem Fass den Boden aus. Der dies verursacht hat, sollte das Haus Stein für Stein wiederaufbauen!"

Lokalbaukommission findet: "Krasse Geschichte"

Von der Lokalbaukommission der Stadt steht Baudirektor Thomas Rehn Bürgern und BA Rede und Antwort. Er bezeichnet den Skandal-Abriss als "krasse Geschichte": "Wir finden es ja selber ganz furchtbar", so Rehn. Er ordnet den Fall in seiner Dimension als "einzigartig" ein: "Mir ist so etwas nicht bekannt".

Rehn erklärt, dass für den illegalen Abriss im Ordnungswidrigkeits-Verfahren ein Bußgeld von 750.000 Euro erhoben werden kann. Sein zweiter wichtiger Punkt ist die Wiedergutmachung und der dritte, dass so ein dreister Abriss nicht wieder passiert: "Wer Gesetze verletzt, darf am Ende nicht mit einem Vorteil davonkommen und letzendendes einen ganz guten Profit einsacken."

Stadtviertel-Parlamentarier aus dem BA 17, wie Birgit Knoblach (SPD) und der ehemalige Münchner Umweltreferent Joachim Lorenz (Grüne) äußern ihre Sorge, dass der Eigentümer das Problemgrundstück einfach verkauft – und der neue Eigentümer sagt, er habe mit dem kriminellen Abriss nichts zu tun. "Wenn ein abweichender Bauantrag gestellt wird, wie geht die Stadt damit um?", fragt Lorenz. Eine Antwort gibt es gestern nicht. Allerdings eine kreative Idee: Die Stadt solle sich das Vorkaufsrecht für die Obere Grasstraße 1 sichern – und so den Wiederaufbau mit nur 70 qm Wohnfläche garantieren.

Nachbarin Angelika Luible bleibt skeptisch: "Den Worten müssen Taten folgen. Diese kriminelle Handlung darf nicht belohnt werden".


Wer hat den Abriss beobachtet? Zeugen mailen bitte an die Stadt: plan.ha4-bussgeldstelle@muenchen.de Die Bürgerinitiative "Heimat Giesing" ruft zur Demo gegen Luxusneubauten auf: Samstag, 16. September, 11 Uhr, Tegernseer Platz.

Lesen Sie hier: Droht in Giesing der nächste Skandalabriss?

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