Hallenbad in Neutraubling Nach Beschwerden: Stadt verhängt Burkini-Verbot

, aktualisiert am 09.06.2016 - 16:47 Uhr
Ab sofort dürfen im Neutraublinger Hallenbad keine Burkinis mehr getragen werden. (Archivbild) Foto: dpa/AZ

Weil sich die weiblichen Badegäste im Neutraublinger Hallenbad von einer muslimischen Frau im Burkini gestört gefühlt haben, hat die Stadt nun ein Verbot der arabischen Badekleidung verhängt.

Neutraubling - Sie bedecken den ganzen Körper einer Frau, sind meist schwarz und erinnern im ersten Moment an den Neopren-Anzug eines Tauchers: Burkinis – eine spezielle Badebekleidung für streng gläubige muslimische Frauen.

Frauen, die ihn tragen, dürften in jedem deutsche Bad verwunderte Blicke auf sich ziehen. Doch im Hallenbad Neutraubling (Kreis Regensburg) ist es dabei nicht geblieben. Badegäste fühlten sich von einer Burkini-Trägerin massiv bestört und beschwerten sich. Die Folge: Ab sofort gilt in dem Bad absolutes Burkini-Verbot.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte eine Muslimin, die mit einem Burkini bekleidet am Frauenbadetag des städtischen Hallenbades teilgenommen hat. Diese Art des Badeanzuges, die auch muslimischen Frauen ihrem Glauben gemäß den Zugang zum Schwimmsport ermöglicht, stieß bei einigen anderen Badegästen nicht auf Begeisterung.

Auch Sporthosen, Taucheranzüge und Jeans sind verboten

"Andere weibliche Badegäste befanden den Burkini offensichtlich vor allem als unhygienisch", heißt es dazu in der Pressemittleilung des Bürgermeisters Heinz Kiechle. Dies sei durch Aussagen des Personals sowie durch E-Mails bestätigt worden.

Heinz Kiechle sagt auch: "Ein Burkini-Verbotsschild gibt es nicht!" Wahr sei aber, dass laut Benutzungssatzung das Schwimmen nur in allgemein üblicher Badekleidung gestattet ist. Das schließt Sporthosen, Taucheranzüge, T-Shirts kurze Jeans oder eben auch Burkinis aus.

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Die Grüne Jugend Ostbayern kritisiert die Entscheidung der Stadt, Burkinis nicht länger als Badekleidung zu dulden. Eine offene und inklusive Gesellschaft werde durch den Ausschluss von Neutraublingerinnen muslimischen Glaubens untergraben, so Mirjam Körner, Sprecherin der Grünen Jugend Ostbayern. "Artikel vier des Grundgesetzes gewährleistet in Deutschland Religionsfreiheit und schützt die Ausübung eines Glaubens, wozu auch das Tragen vorgeschriebener Kleidung zählt."

Darauf hat Bürgermeister Kiechle eine Antwort: "Man darf infrage stellen, was der Burkini als eine Erfindung jüngster Zeit mit freier Religionsausübung zu tun hat." Der Burkini wurde erst 2003 erfunden.

Erstes Burkini-Verbot in Bayern

Burcu Sargin, eine praktizierende Muslimin, die jedoch kein Kopftuch trägt, versteht die Aufregung um den Burkini nicht. "Ich verstehe, dass der Burkini ein ungewöhnlicher Anblick ist", sagt Sargin, die in Regensburg studiert. "Doch ich finde, dass es viel wichtiger ist, jedem selber zu überlassen, wie er mit dem Auftreten seines Körpers in öffentlichen Räumen wie Schwimmbädern umgeht." Und solange der Stoff des Burkinis aus demselben Stoff bestehe, wie Badeanzüge und Bikinis, könne sie den Hygiene-Aspekt nicht nachvollziehen.

Der Integrationsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Martin Neumeyer (CSU), betonte am Donnerstag, dass es seines Erachtens der erste Fall eines Burkini-Verbotes im Freistaat sei. "Eine Entscheidung über die Zulassung eines Burkinis sollte aber den Kommunen überlassen werde. Der Landtag wird nicht darüber befinden", erläuterte Neumeyer.

Die Neutraublinger Stadtverwaltung ist bundesweit nicht die erste, die sich mit dem Thema Burkini kritisch auseinandersetzt. So wurde beispielsweise in Konstanz bereits vor zwei Jahren eine ähnliche Diskussion geführt. Auch dort empfand man die Ganzkörperbadeanzüge als unhygienisch.

Die Bädergesellschaft Konstanz hat daraufhin zusammen mit der Universität Konstanz und der Stadt Konstanz im Jahr 2014 ein Gutachten herausgegeben. Darin wurde der Burkini als "übliche Badebekleidung" eingestuft und in den Konstanzer Bädern schließlich erlaubt.

Das ist die Burkini-Situation in München

Machen Burkinis auch in München Hallen- und Freibädern Probleme? Nein, sagt Michael Solic, Pressesprecher bei den Münchner Stadtwerken. "Burkinis sind bei uns erlaubt und genauso gerne gesehen wie Bikinis, Badeanzüge oder Badehosen", erklärt er der AZ. Allerdings muss der Stoff aus schwimmtauglichem Material sein. "Die Kleidung darf sich nicht mit Wasser vollsaugen, sonst besteht Gefahr für die Badenden", betont Solic.

In der größten Therme der Welt, in Erding, sind Burkinis ebenfalls erlaubt. "Direkte Beschwerden von unseren Badegästen gab es bislang nicht", sagt Bereichsleiter Stefan Holetz. Es hätten lediglich vereinzelt Besucher nachgefragt, warum Musliminnen einen Burkini tragen. Auch Holetz macht deutlich, dass es sich um "geeignete Badebekleidun" handeln muss.

Grafik: dpa/Ahiida Burqini Swimwear

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