Haftpflicht für Geburtshelferinnen Bayerische Hebammen fürchten um ihre Zukunft

Eine Hebamme führt am 14.10.2009 in der Frauenklinik in Erlangen (Bayern) an einer schwangeren Patientin eine Ultraschall-Untersuchung durch. Eine Hebamme, die Geburtshilfe anbietet, muss ab Juli 2014 jährlich 5091 Euro für ihre Versicherung aufbringen, da die Prämien für die Haftpflichtsversichung wieder stark angehoben werden. Foto: Daniel Karmann/dpa

Mehrere tausend Euro für die Versicherung: Das können sich viele freiberufliche Hebammen nicht mehr leisten. Und 2015 wird die Lage noch schlimmer: Der wichtigste Versicherer steigt dann ganz aus. Auch in Bayern fürchten viele Geburtshelferinnen um ihren Job.

Nürnberg - In Bayern fürchten zahlreiche freiberufliche Hebammen um ihre Existenz, weil die Versicherungstarife immer teurer werden. Zudem will im Jahr 2015 die Nürnberger Versicherung aus dem Geschäft ganz aussteigen. Dann ist nach Angaben des Deutschen Hebammenverbands und des Bundes freiberuflicher Hebammen Deutschlands (BfHD) offen, wer die Hebammen noch versichert. „Das bedeutet Berufsverbot für alle freiberuflichen Hebammen, denn ohne Haftpflichtversicherung dürfen wir weder Geburten zu Hause, im Geburtshaus oder in der Klinik betreuen“, sagt die BfHD-Vorsitzende Ruth Pinno der Nachrichtenagentur dpa.

Deutschlandweit gibt es etwa 3500 freiberufliche Hebammen. Im Freistaat ist der Anteil freiberuflicher Geburtshelferinnen mit etwa 80 Prozent besonders hoch.

„Natürlich fragen sich viele freiberufliche Hebammen, wovon sie ab Mitte des nächsten Jahres leben sollen“, sagte Maria Jacobi vom Bayerischen Hebammen Landesverband. Von diesem Sommer an müsse eine Hebamme, die Geburtshilfe anbietet, rund 5000 Euro im Jahr für ihre Versicherung aufbringen. Grund dafür sei eine Zunahme von Gerichtsprozessen um Schadenersatz für geschädigte Kinder.

In den ländlichen Regionen in Süddeutschland sei die Situation noch weitaus schlimmer als in Städten, sagt Ruth Pinno. „Gerade in Bayern sind weite Landstriche ausschließlich durch freiberufliche Hebammen sowohl in den Kliniken als auch außerklinisch versorgt. Es droht da ein Zusammenbruch der Geburtshilfe und der Versorgung der Schwangeren.“ 97 Prozent der Kinder kämen zwar im Krankenhaus zur Welt, doch in vielen kleinen Geburtskliniken seien die Hebammen nicht fest angestellt.

Im Hebammenhaus Nürnberg, das 1990 als erstes seiner Art in Bayern eröffnet wurde, arbeiten sieben freiberufliche Hebammen. Sie bieten aber schon seit längerem keine Geburtshilfe mehr an, sondern beschränken sich auf die Betreuung der Mütter vor und nach der Niederkunft. „Wir bieten jetzt schon keine Geburtshilfe an, weil die Haftpflicht sonst nicht mehr tragbar ist. Für einen Stundenlohn von 1,50 Euro würde ja niemand mehr arbeiten“, sagt Hebamme Petra Lieser. Noch sei die Lage einigermaßen entspannt. „Aber nächstes Jahr wird es dramatisch. Das ist wie beim Autofahren, das kann man ja auch nicht ohne Versicherung.“

 

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