Haching-Präsident im AZ-Interview Manfred Schwabl: "Der Plan ist: Aufstieg in den nächsten drei Jahren"

Sportlich läuft es für Alexander Winkler (Mitte) und Unterhaching, aber die gesperrte Gegengerade macht Manfred Schwabl Sorgen. Foto: GES/Augenklick

Haching-Präsident Manfred Schwabl spricht in der AZ über die starke Hinrunde, Träume von der Zweiten Liga - und die Furcht vor möglichen Abgängen. "Bei Hain und Bigalke kann sich jeder den Anruf sparen."

Unterhaching - Der 51-Jährige Schwabl spielte früher für den FC Bayern und den TSV 1860. Seit 2012 ist er Präsident der SpVgg Unterhaching, die derzeit auf Rang fünf in der 3. Liga steht.

AZ: Herr Schwabl, 34 Punkte, Tabellenplatz fünf, zwei Punkte Rückstand auf den Aufstiegsplatz: Da kann man schon mal gemütlich die Winterpause begehen, oder?
MANFRED SCHWABL: Ja, das mache ich aber nicht wegen zwei Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz, sondern wegen 17 Punkten Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz.

Sie haben also das Understatement des Aufsteigers noch nicht abgelegt?
Bis jetzt nicht! Null Komma null.

Aber Sie dürften doch zumindest überrascht sein, wie gut die SpVgg in der 3. Liga zurechtkommt.
Das bin ich tatsächlich. Denn wir haben vor der Saison ja am Kader fast nichts geändert. Ich glaube, wir sind der Verein, der die wenigsten Änderungen vorgenommen hat - und das, obwohl wir aus der Regionalliga gekommen sind. Aber das zeigt auch, dass wir in der Einschätzung unseres Kaders richtig gelegen sind.

Warum läuft es denn so hervorragend?
Wir hatten natürlich eine eingespielte Mannschaft, das kam uns sehr zugute. Dazu muss man auch das gesamte Trainerteam nennen, das ist ein großer Faktor. Claus Schromm, Steffen Galm, Sebastian Friedl und Schorsch Wallner leisten tolle Arbeit. Sie stehen in ständigem Austausch und es gelingt ihnen, auf Schwachstellen zu reagieren. Anfangs hatten wir zum Beispiel große Probleme bei Standardsituationen, die konnten wir größtenteils abstellen, die Anfälligkeit bei Kontertoren leider noch nicht.

Dazu kommt Ihr Erfolgsduo.
Neben der Eingespieltheit und der Harmonie im Team spielt das Duo Stephan Hain/Sascha Bigalke natürlich eine große Rolle. Dass sie nicht nur in der Regionalliga, sondern jetzt auch eine Stufe höher so dominant auftreten, das hat mich schon ein klein wenig überrascht. Nicht von der Qualität her, sondern von der Konstanz, wie beide es durchziehen.

Bekommt man da nicht ein wenig Panik, dass beide Begehrlichkeiten wecken? Auch das Talent Orestis Kiomourtzoglou war ja zuletzt schon bei anderen Vereinen im Gespräch.
Orestis hat seinen Vertrag bis 2020 verlängert, obwohl er nach der Saison ablösefrei gewesen wäre. Es spricht für Haching, dass auch ablösefreie Spieler gerne hierbleiben. Und was Hain und Bigalke betrifft, sag ich es immer wieder: Da kann sich jeder den Anruf sparen. Da gibt es keine Diskussionsgrundlage, um über einen Transfer zu sprechen. Nicht 0,1, sondern 0 Prozent.

Warum sprechen Trainer und Spieler immer wieder von der "Wohlfühloase" Haching, was machen Sie anders als andere Vereine?
Da müssen Sie den Trainer und die Spieler fragen. Ich versuche nur, kontinuierlich und nachhaltig den Verein nach vorne zu bringen. Zum einen von der Art her, wie man miteinander umgeht, natürlich auch vom Sportlichen her und in der Struktur sowieso. Da kommt jetzt dazu, dass wir im Februar/März die Profi-Ausgliederung anpacken müssen und die Stadionübernahme im Gespräch ist. Das sind Dinge, die dazu beitragen, dass sich der Verein weiterentwickelt. Vielleicht merken das die Jungs.

Wie steht es in Sachen Stadion?
Da sind wir momentan in Verhandlungen. Wir versuchen, dass wir im ersten Quartal 2018 mit der Gemeinde Unterhaching einen Konsens finden. Wir wollen das Stadion grundsätzlich schon übernehmen, die Voraussetzungen dafür müssen aber natürlich für beide Seiten passen. Aber ich denke, wir haben eine gute Diskussionskultur und -Grundlage.

Derzeit ist das Stadion auch nur teilweise benutzbar, Tribünen sind gesperrt.
Ja mei, das packen wir halt dann an. Wenn ich jetzt hinschaue, werden die Schweißausbrüche schon weniger.

Dann reden wir doch noch mal über einen möglichen Aufstieg in die Zweite Liga. Dem würden Sie sich ja nicht verweigern, oder?
Da braucht mich niemand mehr drauf anreden. Es interessiert mich nicht! Mein Ziel ist die sportliche Weiterentwicklung. Und im Falle eines Aufstiegs will ich auch aufstiegsfähig sein. Momentan haben wir im Stadion ja nicht mal eine Gegengerade. Wie sollen wir denn da aufsteigen? Der Plan ist, im Zeitraum von drei Jahren fundiert und nachhaltig aufzusteigen - mit einem geilen Stadion. Ob man das dann auch erreicht, ist wieder etwas anderes. Alles andere sind doch Schnellschüsse, die im Chaos enden können. Natürlich sag' ich zur Mannschaft jetzt aber nicht, "bitte verliert zum Fleiß", das mache ich ja schon aus sportlichem Ehrgeiz nicht.

Ein Aufstieg macht also gar keinen Sinn?
Moment, nicht dass jetzt alle denken, der Schwabl tickt nicht richtig: Finanziell macht es natürlich Sinn, wenn man plötzlich das Zehnfache an Fernsehgeldern bekommt. Nur: Wir müssten dazu auch von der Struktur her weiter sein. Nochmal: Wenn ein Aufstieg gar nicht zu verhindern ist, dann werde ich ihn auch nicht verhindern.

Werden Sie im Winter auf dem Transfermarkt tätig?
Man muss immer die Augen offen halten, aber wir werden jetzt nicht irgendwas tun, nur um den Kader zu verbreitern. Da müsste schon ein Glücksfall kommen. Und ein Glücksfall wäre ein Dominik Stahl, ein Stephan Hain oder ein Sascha Bigalke. Vielleicht gibt es ja solche Glücksfälle, aber das ist alles kein Wunschkonzert, selbst um die Weihnachtszeit herum...

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