Unserem Kolumnisten graut vor dem weihnachtlichen Kinobesuch

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Geschenke verpackt? Kühlschrank gefüllt? Schreibtisch leergeräumt? Die letzten Tage vor Weihnachten sind für mich die schlimmsten. Um der Großstadt-Hektik zu entkommen, suche ich in diesen Tagen gerne Entspannung. Im Kino zum Beispiel. Ich war ewig nicht mehr im Kino. Seit gestern weiß ich wieder, warum: wegen meiner Mitmenschen. Ich weiß, was Sie jetzt denken, und Sie haben recht: so ein Snob! Aber sehen Sie’s mir nach. Je älter ich werde, umso ungeduldiger werde ich mit meiner Umwelt. Und gerade im Kino kann man seiner Umwelt einfach nicht entfliehen.

Über die Jahre habe ich angefangen, Kinobesucher einzelnen Gattungen zuzuordnen. Da sind zum Beispiel die Sitzplatz-Besteher. Die Vorstellung kann leer sein wie sie will, der Sitzplatz-Besteher verlangt, dass man aufsteht, wenn man auf „seinem“ Platz sitzt. Dann wären da die Hochsteckfrisur-Trager. Setzen sich just in dem Augenblick direkt vor einen, wenn der Film beginnt. Etwa zehn Minuten später betreten die Zuspätkommer die Szene. Natürlich haben sie die Plätze ganz in der Mitte, so dass erst mal alle anderen aufstehen müssen.

Gerade, als es auf der Leinwand so richtig zur Sache geht und die ersten Köpfe rollen, dämmert es der Mutter mit den Zwillingen schräg hinter mir: „Das ist ja gar nicht ,König der Löwen’!“ Fluchtartig verlassen sie den Saal. Leider nicht der Typ mit den spitzen Kniescheiben hinter mir. Gegen die Sitzreihen in Kinos ist die Holzklasse bei Billig-Airlines das reinste Upgrade.

Achtung! Eine Dialogszene, die für den gesamten Verlauf des Films entscheidend sein wird. Jetzt schlägt die Stunde der Popcorn-Schmatzer und der Tüten-Raschler! Dazu der Geruch von dampfender Käsesauce. Warum werden ausgerechnet im Kino die am übel riechendsten und lautesten Snacks verkauft, die man sich nur vorstellen kann? Popcorn, Nacho-Chips. Warum nichts Geruch- und Geräusch-neutrales, sagen wir... Kartoffel-Püree! Wie gut, dass es die Film-Erklärer gibt, die von der ersten Minute an jede, aber wirklich jede Szene kommentieren: „Du, der ist gar nicht tot, der steht gleich wieder auf!“

Im Kampf um die Sitzlehne zeigt sich mein Nachbar als unnachgiebig. Dann aber macht er einen taktischen Fehler: Er greift nach seinem Smartphone, um mitten im Film auf eine SMS zu antworten. Zack! – fahre ich den Ellbogen aus und lege ihn auf der Armlehne ab. Nimm das, du Anfänger! Als der Abspann läuft, dröhnt mein Schädel und die Augen tränen. Nicht schlecht, der Film, aber wieso nur war der die ganze Zeit so unscharf? „Fand ich gar nicht“, findet meine Begleitung. „Und wieso haben die mir gleich zwei 3-D-Brillen gegeben?“