Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit LMU-Studie: 9 von 10 Münchnern haben was gegen Muslime

"Es gibt zu viele Muslime in Deutschland": Dieser Aussage stimmten viele der repräsentativ befragten Münchner zu. Foto: Caroline Seidel/dpa

Eine Studie der Ludwig-Maximilians-Universität über gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in München bringt Ergebnisse, die teilweise erschreckend wirken. Nur jeder Zehnte hat kein Problem mit dem Islam.

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist nach wie vor auch in München ein verbreitetes Phänomen. Eine Studie der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) hat deutliche Werte dazu hervorgebracht, insbesonders zur Abwertung von Menschen muslimischen Glaubens, Langzeitarbeitslosen, Flüchtlingen und Sinti und Roma.

Fast die Hälfte der über 18-jährigen, deutschsprachigen, repräsentativ befragten Münchner hat Muslimen gegenüber eine mittlere (31 Prozent) oder starke Feindschaft (18). 38 Prozent bescheinigt die Studie noch eine "schwache gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" in Bezug auf Muslime.

Das bedeutet: Lediglich 12 Prozent der Befragten haben keinerlei Vorbehalte gegenüber Menschen dieses Glaubens – nur knapp jeder Zehnte.

Hass, so die Forscher, hat seinen Weg in die Gesellschaft gefunden

Die LMU-Wissenschaftler hatten für die Befragung drei Behauptungen aufgestellt: "Die muslimische Kultur passt gut nach Deutschland", "Die Sitten und Bräuche des Islam sind mir nicht geheuer" oder "Es gibt zu viele Muslime in Deutschland". Darauf sollten die Befragten in Abstufungen der Zustimmung oder Ablehnung reagieren.

Ebenfalls eine negative Haltung ergab sich zu Arbeitslosen: Mehr als 30 Prozent gaben an, sie abzuwerten (28 Prozent mittel; 3 Prozent stark). Der Antiziganismus – Abneigung gegen Sinti und Roma – lag bei mehr als 30 Prozent, der Antisemitismus bei 18 und die Abwertung von Flüchtlingen bei 28 Prozent.

Eine feindliche Einstellung gegenüber Ausländern allgemein sowie klassischer Rassismus finden allerdings kaum Zustimmung.

Der Hass auf Fremde, Minderheiten, anders Lebende hat seinen Weg in die Mitte der Gesellschaft gefunden, folgern die Forscher. Maßnahmen dagegen sollten sich daher an ein breites Bevölkerungsspektrum richten.


Die Studie: Um drei Aspekte erweitert

Die Befragung wurde im Frühjahr 2016 unter 645 Münchner Haushalten gemacht. Die Studie führt eine im Jahr 2013 durchgeführte Untersuchung zu diesem Thema fort. Antisemitismus und die Abwertung von Homosexuellen, Langzeitarbeitslosen, Ausländerinnen und Ausländern und Menschen muslimischen Glaubens waren auch schon 2013 abgefragt worden.

Neu sind die Themenbereiche Antiziganismus, "klassischer" Rassismus und aufgrund der aktuellen Situation die Einstellung gegenüber Flüchtlingen. Die ganze Studie kann hier heruntergeladen werden:


AZ-Umfrage: Und wie denken Sie persönlich über Muslime?

"Auch Grenzen aufzeigen"


Althanassious Papaevangelou (Maler und Lackierer, 56)

"Ich habe Freunde, die Moslems sind, aber das Thema ist schwierig. Ich kann verstehen, wenn Vorbehalte da sind. Es müssen auch Grenzen aufgezeigt werden, Europa muss christlich bleiben. Wir sind aber durch Beteiligung am Krieg mitverantwortlich, wenn muslimische Menschen radikaler werden."

"Für mich kein Problem"


Benjamin Neuhaus (Maschinenbau-Ingenieur, 26)

"Muslime haben eine andere Kultur, doch das darf kein Grund sein, Vorbehalte zu haben. Für mich sind Menschen mit dem Glauben zum Islam kein Problem. Wenn alle gut miteinander umgehen, findet sich für alles eine Lösung. Es ist nicht in Ordnung, andere wegen ihrer Religion schlechter zu behandeln."

"99 Prozent sind friedlich"


Uwe Pohl (Betreuer, 64)

"Ich habe keinerlei Vorbehalte gegen jedwede Religion. Ich finde schlimm, dass viele die Zugehörigkeit zum Islam verwechseln mit Islamismus. 99 Prozent aller Moslems sind friedliche Menschen wie alle anderen auch. Leider wird von der politischen Rechten unter Bezug auf Islam die Fremdenfeindlichkeit geschürt."

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