Schlechte Nachricht für die ehemaligen Pächter der Großbäckerei: Sie erhalten ihr Geld höchstwahrscheinlich nicht zurück. Sie verloren rund zwei Millionen Euro.

München - Oliver Deringer hat Müller-Brot abgehakt. Der 42-Jährige hatte mal in Solln eine Filiale, da flog der Hygiene-Skandal bei der Traditionsbäckerei auf. Sie wurde insolvent, und Deringer verlor neben seinen Kunden auch 10.000 Euro Kaution für die Filiale. So wie ihm erging es 160 anderen Pächtern. Sie alle verloren insgesamt rund zwei Millionen Euro.

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Deringer lässt sich jetzt umschulen. Von Müller-Brot will er nichts mehr wissen. Nur auf die Kaution hoffte er noch insgeheim. Pächter hatten geklagt, die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen Untreue
Jetzt ist klar: Das Geld werden sie wohl nie wieder sehen – sagt Landshuts Oberstaatsanwalt Markus Kring. Man ermitttle zwar noch, „bisher haben wir aber keine Einzelfälle gefunden, die in Richtung Anklageerhebung gehen.“

Die Pächter behaupten: Man habe ihnen damals versichert, die Kautionen auf Extra-Konten zu horten. Laut Kring war die Firma aber nicht dazu verpflichtet – außer, es gab individuelle Absprachen oder Vertragsklauseln. Die habe man bislang aber nicht gefunden.

Viel Hoffnung macht er den Klägern nicht: Das Verfahren werde „nach derzeitigem Sachstand wohl eingestellt“.

Die Staatsanwälte ermitteln auch wegen Insolvenzverschleppung und Inverkehrbringen von Lebensmitteln, die für den Verzehr von Menschen ungeeignet sind. Doch auch hier hakt’s: Um den Ex-Geschäftsführern Insolvenzverschleppung nachzuweisen, müssen die Ermittler die Buchhaltung durchforsten.

Die kümmert sich aber nicht nur um Müller-Brot, sondern um mehrere Firmen des Ex-Chefs Klaus-Dieter Ostendorf. „Das sind irre Datenmengen“, sagt Markus Kring. „Hunderte von Gigabyte, wenn nicht Terabytes.“ Auch die Software sei eine Katastrophe. „Die ist von SAP – der Worst Case“, sagt Kring. Schon einzelne Suchen dauerten wegen der komplexen Struktur des Programms ganze Tage – eine „Sysiphus-Arbeit“.

Genauso schwer zu finden seien Spuren des Inverkehrbringen verdreckter Backwaren. Auch hier „suchen wir die Nadel im Heuhaufen“, sagt Kring. Viele unreine Produkte wurden zwar von den Behörden im Werk vernichtet – um von „Inverkehrbringen“ zu sprechen, müssten sie aber im Auslieferungsbereich gestanden sein. Ob das so war, wurde aber nicht notiert. „Das ist ja auch nicht die Aufgabe der Behörden“, sagt Kring – seine Arbeit macht das aber nicht leichter.
 

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