Das Internetportal Groupon verkauft für 17,90 Euro ein All-you-can-eat-Menü im Restaurant „à la Gréce“. Der Haken an der Sache: Das Lokal ist längst pleite und steht leer.

München - Die Atmosphäre soll „unverfälscht griechisch“ sein, heißt es in dem Internet-Angebot. Nun ja, in gewisser Weise stimmt das auch. Das Lokal ist nämlich pleite.

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Nur ein paar kitschige Säulen erinnern noch an das „wunderbare mediterrane Ambiente“, das im Restaurant „à la Gréce“ in der Luisenstraße 75 angeblich einmal herrschte.

Der Inhaber, der Grieche Michail K., ist getürmt. Angeblich fluchtartig, weil er der Brauerei Geld geschuldet haben soll. An sein Mobiltelefon geht er nicht ran.

Trotzdem soll hier ein All-you-can-eat-Menü stattfinden – mit „Köstlichkeiten vom Grill, Vorspeisen und Desserts“. Zumindest laut der Internetseite Groupon (3,5 Millionen Mitglieder in Deutschland), die gestern Gutscheine fürs „à la Gréce“ (komischerweise mit französischem Namen – und falschem Accent) verkaufte. Für 17,90 Euro. Bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe waren bereits Coupons für über 1000 Euro bestellt.

Am Nachmittag ruft die AZ den kostenpflichtigen Kundenservice von Groupon an, um sich über die Gültigkeit des so genannten „Deals“ zu erkundigen – und landet erstmal in einer langen Warteschleife mit verträumter Musik und der Ansage „Nur mit Ihrer Hilfe können wir unser Angebot verbessern“.

Nach fünf Minuten meldet sich eine Frau. Wir machen sie auf das Pleite-Lokal aufmerksam. „Woher wissen Sie das?“, fragt die Mitarbeiterin. „Ich bin vorbeigegangen. Alles leer.“ – „Ah, gut zu wissen, ich werde das weiterreichen.“

Online bleibt das Angebot trotzdem erstmal stehen. Im Internet berichtet ein User, dass er seiner Freundin mit dem Essen eine Überraschung bereiten wollte – die ging nach hinten los. Erst nach der AZ-Anfrage stoppt Groupon den Deal.

Das Restaurant in der Maxvorstadt – 2011 eröffnet – kassierte bereits vor der Pleite vernichtende Kritiken. Hunderte. Sogar auf der eigenen Internetseite äußern die Kunden ihr Missfallen. „Totaler Reinfall!“, „Warnung!“, „Das schlechteste Essen meines Lebens!“, „Ekelhaft!“, „Eine Frechheit!“, lauten einige Kommentare in Gastro-Foren wie "qype".

Am Dienstagabend meldet sich das Unternehmen bei der AZ. „Wir prüfen intern, wie es zu diesem Vorfall kommen konnte. Als wir vor einer Woche dort waren, gab's das Lokal noch! Von einer Schließung war nichts zu ahnen. Der Außendienst-Mitarbeiter hat im Restaurant gegessen.“

Warum arbeitet Groupon überhaupt mit einem Partner zusammen, der derart verheerende Bewertungen im Internet erhalten hat? „Normalerweise achten wir darauf“, sagt eine Mitarbeiterin der Pressestelle. „Bei uns gibt es ein strenges Qualitätsmanagement.“

Im Fall des „à la Gréce“ war die Redaktion von Groupon zum Urteil gekommen: „Feinste Kost – modern interpretiert“.

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