Graffiti, Sticker, Stencil Streetart: Das sind die irrsten Münchner Graffitis

 Foto: Street-Art-Buche (Hirschkäfer Verlag, 204 Seiten, 19,90 Euro, www.hirschkaefer-verlag.de)

Ob Graffiti, Sticker oder Stencils: Die Münchner Straßenkunstszene ist äußerst aktiv – und in den meisten Fällen auch kreativ. Ein Buch verschafft jetzt einen Überblick über das bunte Spektakel.

München - Sie ist überall – man muss nur mit offenen Augen durch die Stadt gehen. München hat eine höchst aktive Straßenkunst-Szene, ob legal oder illegal, ob Graffiti (gesprüht), Sticker (geklebt) oder Stencils (Schablonen). Es gibt gewaltige Werke mit fulminanter Wirkung genauso wie filigrane Miniaturen. Es gibt Gerahmtes, Geklebtes, Gespraytes, Gepinseltes. Die Gemeinsamkeit: Alles ist gratis, jeder kann’s anschauen.

Die Münchner Reinhild Freitag und Martin Arz haben dieser Kunstform im öffentlichen Raum jetzt ein gedrucktes Denkmal gesetzt: Mit ihrem Buch „Street Art München“ (Hirschkäfer Verlag, 19,90 Euro). Keine Sammlung von Kunst für die Ewigkeit wie ein Museumsführer. Sondern, dem Genre entsprechend, eine Momentaufnahme: Straßenkunst aus dem Zeitraum 2010 bis 2012. Festgehalten zuerst mit der Digitalkamera, dann fixiert auf Papier. Nur so können viele der abgebildeten Kunstwerke überleben. Denn ein wichtiges Kriterium der Street Art ist ihre Vergänglichkeit. Heute gesprayt, morgen entfernt. Heute geklebt, morgen abgerissen, überpinselt.

Wer genau hinschaut, wird die Straßenkunst an allen Ecken und Enden entdecken. Auch so ungewöhnliche Werke wie etwa die Schriftzüge „UNTERGANG“ an beiden Seiten der Radlunterführung unter der Reichenbachbrücke. Das Werk eines unbekannten Künstlers schaut aus, als hätte es eine städtische Behörde angebracht. Oder der modifizierte Zusatz zu einem Fußgängerweg-Schild am Gasteig mit dem Bertrand Russell-Ausspruch „Manche Menschen würden eher sterben als nachzudenken“. Beiden gemeinsam: Sie sind langlebig, weil sie so offiziell wirken.

Extrem spannend ist auch das Schaffen des anonymen „Peintre X“. Er klebt seit Jahren kleine Aquarelle samt Rahmen an Hauswände oder Brücken. Manche davon bleiben monatelang hängen, manche werden innerhalb kürzester Zeit entfernt/entsorgt/eingesammelt.

Umstrickte Rohre und Hydranten, Hauswände und Stromkästen mit aufgeklebten „Cut outs“ oder Stickern, politische Manifeste in Graffiti-Form, Spaß, Comics, große Gefühle in bunten Farben – bei der Street Art gibt’s nichts, was es nicht gibt. „Worum es sich handelt, liegt immer auch im Auge des Betrachters“, so Reinhild Freitag. „In manchen Fällen ist Street Art lediglich ein Spektakel.“


Das neue Street-Art-Buch (Hirschkäfer Verlag, 204 Seiten, 19,90 Euro, www.hirschkaefer-verlag.de).

Wilden Sprühern drohen bis zu zwei Jahre Haft

Natürlich ist es grundsätzlich verboten, Häuser, öffentliche Einrichtungen, Infrastrukturbauten oder etwa auch S-Bahnen zu besprühen und zu bemalen. Wer erwischt wird, muss für den Schaden aufkommen und dazu noch eine saftige (Geld-)Strafe berappen. In krassen Fällen drohen bis zu zwei Jahre Haft. Die rechtliche Grundlage steht in §303 Abs. 2 StGB: „Verändern des Erscheinungsbildes einer Sache.“

Ein paar legale Sprühmöglichkeiten gibt es aber doch in München. Etwa an der Donnersbergerbrücke, an der Muffathalle, in der Tumblingerstraße, an einigen Trafohäuschen und an der Kultfabrik.

JETZT LESEN

2 Kommentare