Mit Plakaten erhöht die Polizei in Germering den Druck auf einen Hundehasser, der giftige Köder auslegt. Zwölf Tiere wurden vergiftet, eines starb.

Germering - Nach der Serie von Giftköder-Attacken in Germering, Krailling und Gauting hat die Polizei gestern begonnen, an vielen Spazierwegen in Germering Warn-Plakate aufzuhängen. „Wir nehmen diese Anschläge sehr ernst. Wir wollen verhindern, dass noch mehr Hunde vergiftet werden“, sagte Vize-Polizeichef Andreas Ruch. „Wir werden alles tun, dass wir den Hundehasser fassen.“

Zwölf Fälle sind in Germering aktenkundig, Ein Mischling starb, die elf anderen Hunde überlebten nur dank intensiver medizinischer Behandlung. Darunter auch Billy. Die elfjährige Hündin fraß am 2. Februar in Gauting eine etwa golfballgroße Fleischkugel, die im Wohngebiet lag.

„15 Minuten spuckte sie sich die Seele aus dem Leib“, sagt ihre Besitzerin Alexandra H. Die 44-Jährige, die lange als Assistentin in der Starnberger Tierklinik gearbeitet hat, fuhr mit ihrem Liebling sofort in die Klinik. „Es war furchtbar, unterwegs hat sie sogar Magenschleimhaut erbrochen.“ Tagelang schwebte die Hündin in Lebensgefahr. Dank Medizin und Infusionen überlebte sie.
„Für mich ist der Täter krank. Ein normaler Mensch macht so etwas nicht“, sagt Polizeichef Klaus Frank. Die Köder, die in Germering gefunden wurden, bestanden aus Hackfleisch, das mit Schneckenkorn gespickt war.

Auch am Starnberger See gab es 2012 eine Serie mit 13 Fällen. In Pöcking und Feldafing wurden elf Giftköder gefunden, in Starnberg zwei. Doch dabei handelt es sich vermutlich um andere Täter.
„Der Hund gilt als bester Freund des Menschen. Es ist eine tragische Geschichte, wenn man zusehen muss, wie er elendig zugrunde geht“, sagt Andreas Ruch. Er geht davon aus, dass sich der Hundehasser gezielt Wege und Wiesen aussucht, wo viele Hundehalter spazieren gehen.
Möglicherweise gibt es einen Zusammenhang mit mehreren Beißattacken im vergangenen Jahr. Ein so genannter Listenhund (Kampfhund), hatte in Germering mehrere Menschen angefallen. Seine Halterin war mit dem Dogo Canario völlig überfordert. Sie hatte ihn geschenkt bekommen. Als ihr Sohn mit dem Kampfhund Gassi ging, riss er eine 79-jährige Frau um. Der junge Mann flüchtete.

Dieser Hund ist mittlerweile eingeschläfert worden. Schürten diese oder andere Negativbeispiele die Abneigung des Giftköder-Täters gegen andere Hunde?
Bei der Stadt Germering ging 2012 ein Hassbrief ein, in dem ein anonymer Schreiber großes Verständnis für das Vergiften von Hunden äußerte. Ob es einen Zusammenhang mit der Giftköderserie gibt, ist ungewiss.

Einige Zeugen meldeten bereits verdächtige Wahrnehmungen: Ein Mädchen sah im Februar einen älteren Mann, der mit einer Stofftasche durchs Unterholz streifte. In Gauting sah eine Hundebesitzerin ein Pärchen, dass sich immer wieder umsah. Wenig später fand ein Hund auf derselben Route einen Giftköder. „Bislang gibt es keinen konkreten Verdacht. Wichtig ist, dass Spaziergänger, die verdächtige Wahrnehmungen machen, sofort die Polizei rufen und nicht erst abwarten, bis sie wieder zuhause sind“, sagt Andreas Ruch.