Was hindert uns, im Schnitt sechs Jahre länger zu leben?

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Es gibt eine Vorsorge-Untersuchung, die ich für ebenso wichtig halte wie die Krebsprävention: der Test auf Diabetes. „Was hindert uns eigentlich daran, etwas gegen Diabetes Typ 2 zu tun?“, fragte neulich provokativ das „New England Journal of Medicine“ und meinte damit den vernachlässigten Kampf gegen das Vorstadium der Stoffwechselkrankheit.

Eine berechtigte Frage angesichts der rasant wachsenden Zahl der Patienten, die an Diabetes mellitus 2 leidet – dem so genannten Alterszucker, der inzwischen bei immerhin acht Prozent der Deutschen diagnostiziert wird. Die Krankheit tritt vermehrt im mittleren Lebensalter (zwischen 50 und 60) auf, verläuft zuvor aber zehn bis 15 Jahre lang nahezu ohne Symptome. Patienten mit Prä-Diabetes haben nur wenige Beschwerden, ihre grenzwertigen Blutzuckerwerte werden meist nur zufällig entdeckt – dann, wenn sich die ersten Gefäßschäden ankündigen. Verminderte Sehfähigkeit und Niereninsuffizienz sind am häufigsten, Herzinfarkte, Schlaganfälle und die Beeinträchtigung der Gehfähigkeit kommen vor.

Langzeitstudien haben ergeben, dass eine Prophylaxe das Vollbild der Erkrankung zu 80 Prozent verhindert oder zumindest hinausgezögert, und zwar durch einfache Veränderungen im Lebensstil: durch regelmäßige sportliche Betätigung (es reichen 15 Minuten pro Tag) und veränderte Diät (weniger Fett, mehr Ballaststoffe, in der Regel genügt schon eine Gewichtabnahme von nur fünf Prozent). Ab 40 würde ich jedem mit familiärer Vorgeschichte oder Risikofaktoren (Bluthochdruck, Übergewicht) eine Diabetes-Untersuchung empfehlen. Der Arzt macht dabei einfache Tests: Auf nüchternen Magen trinkt der Patient ein Glas Zuckerwasser, dann wird gemessen, wie sehr sich der Zuckergehalt im Blut verändert.

In der Tat: Was hindert uns eigentlich daran, dieses Problem ernsthaft anzugehen? Es geht schließlich darum, besser und im Schnitt sechs Jahre länger zu leben.