Die städtischen Kliniken? Sind ein Sanierungsfall. Unter den Folgen leiden jetzt die Angestellten – die sogar schon von Patienten bemitleidet werden. Sie fühlen sich als Spielball der Politik

MÜNCHEN Diese Situation ist beschämend: Mitarbeiter des Städtischen Klinikums müssen sich mittlerweile am Arbeitsplatz und sogar im Privatleben bemitleiden lassen – wegen ihres Arbeitgebers. „Ihr seid zum Spielball der Politik geworden“ – diesen bedauernden Satz kennt etwa die Neuperlacher Krankenschwester Gabriele Vogler nur zu gut. Sie sagt dazu: „So geht das nicht weiter.“

Seit letztes Jahr der Klinik-Skandal hochgekocht ist und seit die Öffentlichkeit in regelmäßigen Abständen mit neuen Informationen zur früherer Misswirtschaft und zu riesigen Deckungslücken bei der städtischen Gesellschaft versorgt wird, fühlt sich das Personal – immerhin 8700 Beschäftigte – einem Spießrutenlaufen ausgesetzt.

Den Personalvertretern wie Gabriele Vogler oder Gesamtbetriebsratschef Erhard Reinfrank oder Aufsichtsrats-Mitglied Gerhard Schwarzkopf missfällt das gewaltig. „Wir haben beim Städtischen Klinikum ein tolles Team“, sagt Reinfrank. „Management und Beschäftigte, die für die Situation gar nichts können, werden durch die täglichen Berichte total verunsichert.“

Ihr Appell, der gestern von der Gewerkschaft Verdi unterstützt und verstärkt wurde: „Die Städtischen Kliniken dürfen nicht zum Spielball kommunal- und landespolitischer Auseinandersetzungen werden.“ Verdi-Bezirkschef Heinrich Birner betonte: „Uns treibt die Sorge um, dass das Vorwahlkampf-Getöse und die Versuche, alles, was mit dem Klinikum zusammen hängt, zu skandalisieren, Patienten und Beschäftigte verunsichert.“

Verdi-Landesfachbereichsleiter Dominik Schirmer beklagte, die Geschäftsführung komme vor lauter Stadtrats-Anfragen kaum zum wichtigsten Aspekt ihrer Arbeit: nämlich die Sanierung voran zu bringen.

Dass da was geht, dass die Geschäftsführung auf einem guten Weg ist, wenn man sie machen ließe – davon sind die Arbeitnehmervertreter und die Gewerkschaft überzeugt.
„Wir begleiten das Sanierungskonzept kritisch, aber konstruktiv“, so Krankenschwester und Vertrauensfrau Gabriele Vogler.

Extrem kontraproduktiv seien die permanent eintrudelnden Stadtratsanfragen, deren Zielsetzung jeweils recht leicht zu erkennen ist: Wahlweise sollen, je nach Absender, dem früheren Team der 2005 gegründeten GmbH oder dem bis dahin zuständigen Gesundheitsreferat Fehler und Versäumnisse nachgewiesen werden. Reinfrank: „Eine Mitarbeiterin war gerade zwei Tage mit der letzten Anfrage beschäftigt. Das lähmt beim Weg nach vorne.“

„Das Konzept ist erfolgversprechend“, so Cäcilie Weis, Aufsichtsrätin und Betriebsrätin in Bogenhausen. „Auch die Beschäftigten wollen, dass der Sanierungsprozess startet.“ Zehn Maßnahmenpakete sind schon geschnürt. Weis: „Wir beteiligen uns alle aktiv, weil wir die Zukunft der Gesellschaft sichern wollen. Und wir glauben, dass wir das auch schaffen.“

Zuversichtlich macht die Beschäftigten auch das neue Führungsteam, das die Probleme „ohne Tunnelblick“ angehe. „Effektiv und wirtschaftlich“ solle das Unternehmen handeln, fordert Aufsichtsrat Schwarzkopf, das vorhandene Optimierungspotenzial müsse ausgeschöpft werden. Dann gehe es auch erfolgreich weiter.