Nur einen Tag nachdem er in der AZ signalisiert hatte, den Weg freizumachen,verlässt Geschäftsführer Robert Schäfer die Löwen

München - Das ging schnell! Mit einem Paukenschlag hatte 1860-Geschäftsführer Robert Schäfer in der Freitags-Ausgabe der AZ seine Bereitschaft signalisiert, sich von seinem Amt zurückzuziehen, wenn beide Gesellschafter dies wollten („....dann möchte ich dem nicht im Weg stehen“). Am Freitag dann schon der Vollzug: „Geschäftsführer Robert Schäfer erklärte am Freitag Nachmittag seinen Rücktritt“, bestätigte der Klub um 16.51 Uhr per Pressemitteilung. Beinahe gleichzeitig erklärte auch Präsident Gerhard Mayrhofer am Trainingsgelände: „Robert ist ab sofort beurlaubt, der Vertrag wird aufgelöst“. Und weiter: „Wie kann man dem Wunsch nicht entsprechen, wenn ein Geschäftsführer meint, er will nicht mehr Geschäftsführer sein.“

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Ganz so war es freilich nicht. Schäfer hätte durchaus gerne weitergemacht bei 1860, das Amt habe ihm bis zuletzt viel Spaß gemacht, sagte er.

Doch auch Schäfer hatte natürlich die Signale seiner drohenden Abberufung vernommen. Spätestens als Mayrhofer nach dem 0:0 in Aalen in der AZ das „gesamte System 1860“ in Frage stellte, schwante ihm, was kommen würde. Als Mayrhofer am Mittwoch nachlegte und die Notwendigkeit einer „Professionalisierung“ der Fußballfirma betonte, entschied Schäfer sich zum Gegenschlag. „Wenn die Gesellschafter der Meinung sind, dass es keine weiteren Investitionen geben kann, solange ich im Amt bin, dann möchte ich nicht im Weg stehen“, sagte er in der Freitagsausgabe der AZ. Und verband die Ankündigung mit seiner Hoffnung, dass Ismaik dann auch tatsächlich weiteres Geld geben würde.

Schäfer wollte mit seinem Vorpreschen den Überraschungsmoment auf seiner Seite haben. Selbst entscheiden, nicht weiter machtlos zusehen, wie er demontiert wird. Und er wollte nicht, dass sein Engagement in einer Schlammschlacht endet.

Das gelang dem 37-Jährigen vortrefflich.

Präsident und Investor ahnten nichts von Schäfers Entscheidung. „Wir haben sein Rückzugsangebot heute morgen in dem Interview gelesen, das er der AZ gegeben hat“, sagte Mayrhofer. Der Präsident hatte zwar zuletzt kein wirkliches Geheimnis daraus gemacht, dass er Schäfer – wie es Hasan Ismaik schon seit Monaten fordert – gerne austauschen würde. Doch in einem selbst inszenierten Paukenschlag – und mit einem Nachfolger in der Hinterhand, Den Paukenschlag hat nun Schäfer gesetzt, und einen Nachfolger gibt es noch nicht. „Die Suche nach einem neuem Geschäftsführer beginnt jetzt“, sagte Mayrhofer. Gesucht werde ein „Profi, der Erfahrung hat in dem Bereich“. Kommissarisch wird Sportchef Florian Hinterberger nun die Geschäfte leiten.

Und so hat Schäfer, der die in ärgster Insolvenzgefahr steckenden Löwen am 14. November 2010 übernommen hatte, zwar am Ende die große Schlacht verloren. Ismaik hat seinen Willen durchgesetzt. Aber am Ende hat er nochmal einen einen Punktsieg gelandet. Schäfer verlässt die Grünwalder Straße erhobenen Hauptes, im Gepäck der Dank des Präsidenten – und eine im Detail noch auszuhandelnde Abfindung.

Kurz bevor Schäfer das Trainingsgelände verließ, wiederholte er seine Hoffnung, dass der Verein sich nun ohne ihn mit Ismaik einige und dieser wieder investiere in 1860. „Ich glaube, die Zeit von irgendwelchen Machtkämpfen sollte vorbei sein“, sagte er noch.

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