Er fühlte sich gemobbt: Ein 45-Jähriger Ex-Polizist ließ deshalb Festplatten mitgehen. Der VGH bestätigt seinen Rauswurf.

MÜNCHEN Gemobbt, gefeuert, bankrott und Schmerzen bis ans Lebensende - der Münchner Ex-Polizist Karl P. (Name geändert) ließ gestern vor dem Disziplinarsenat des Verwaltungsgerichtshofes seiner Verzweiflung freien Lauf. Der 45-Jährige war vom Polizeipräsidium an die Luft gesetzt worden, weil bei der Durchsuchung seiner Wohnung drei Computerfestplatten im Wert von 135 Euro, Dienstausweis-Formulare und Munition gefunden wurde.

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2007 war er daraufhin wegen Diebstahls zu neun Monaten auf Bewährung verurteilt worden. 2010 entschied das Verwaltungsgericht auf Entfernung aus dem Polizeidienst. Gesucht hatten die Fahnder seinerzeit nach ganz etwas anderem: nach Drogen. Seit 1995 steht Karl P. im Verdacht ein regionaler Drogendealer zu sein. Damals arbeitete er als Zivilfahnder am Ostbahnhof, sollte die Szene dort kontrollieren.

Nach den Verdächtigungen, die ihm kein Kollege oder Vorgesetzter offen ins Gesicht sagen wollte, bekam er andere Aufgaben. Es begann eine Odyssee von Dienststelle zu Dienststelle. Überall haftete ihm der Ruch des Dealers und Süchtigen an. Er sei schikaniert worden, sagt Karl P.. So bekam er spät am Abend unangekündigten Besuch von Kollegen, die ihn auf Drogen testen sollten. Er weigerte sich.

„Das war Mobbing.“ Schließlich setzten ihn seine Vorgesetzten im Innendienst ein, wo er Dienstausweise abstempeln sollte. Weit weg von seinem Traumjob als Hauptkommissar. Gegen den Vorwurf des Mobbings verwahrte sich der Vertreter des Polizeipräsidiums: „Wir müssen solchen Verdachtsmomenten nachgehen.“ Der Verdacht auf Drogenhandel oder Drogensucht konnte aber nie erhärtet werden.

Tatsächlich nahm Karl P. nach einem schweren Verkehrsunfall, bei dem er sich unter anderem die Hüfte gebrochen hatte, Schmerzmittel von Codein bis Methadon. Die ständigen Schmerzen bekam er in den Griff. Sie werden ihn aber ein Leben lang begleiten. Auch seine finanzielle Situation hat sich nach der Privatinsolvenz gebessert. Allein die Anwalts- und Gerichtskosten hätten sich im Laufe der Jahre auf über 70000 Euro summiert.

Im Augenblick arbeitet er im Nebenjob als Kassierer für eine Tankstelle. Doch Karl P. ist nicht nur Opfer. Bereits vor den Diebstählen soll er sich mit seiner Position als Polizist Vorteile verschafft haben. Dass er Festplatten und Formulare mitgehen ließ, gibt er zu: „Das war eine dämliche Aktion.“

Die Festplatten seien aber Schrott gewesen, sagt er, bei dem sich auch andere bedienten. Der Verwaltungsgerichtshof hörte sich die Klagen des Ex-Polizisten zwar geduldig an. Im Ergebnis aber stimmten die Richter der Vorinstanz zu: Auf der Grundlage des strafrechtlichen Urteils muss der Mann aus dem Dienst entfernt werden. Als Polizist wird Karl P. nie wieder arbeiten.