Lärmende Renovierungsarbeiten haben ihn genervt: Jetzt steht der 46-Jährige vor dem Münchner Landgericht.

München - Immer noch hat Hausmeister Christos B. (66) Panikattacken, wenn jemand an seiner Wohnungstür klingelt: „Ich leide an Schlaflosigkeit und habe oft Kopfschmerzen.“ Zwei Meter entfernt sitzt der ledige Frührentner Wolfgang H. (46) wegen versuchten Mordes auf der Anklagebank im Münchner Landgerichtssaal 162.

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Nach Erkenntnis der Ermittler habe er den Hausmeister mit einem Teleskopschlagstock niedergestreckt, mit Bioethanol überschütten und anzünden wollen. Durch das Eingreifen eines Nachbarn ist möglicherweise das Schlimmste verhindert worden. Seit fünf Jahren lebt der gelernte Schlosser Wolfgang H. im 4. Stock des Mehrfamilienhauses an der Westendstraße.

Er sagt: „Die ersten drei Jahre habe ich mich gut mit dem Hausmeister verstanden. Aber dann fing der Stress an.“ Angeblich habe Christos B. Wohnungen absichtlich renovieren lassen, um ihn zu nerven. „Die wollten mich da raus haben. Ich konnte kaum noch schlafen, hörte immer Geräusche. Ich war völlig fertig. Ich hatte Depressionen und wollte nicht mehr leben“, sagt der Angeklagte, der aus diesem Grund öfter zur Bierflasche und zu Tabletten gegriffen haben will.

Am 19. Dezember 2011, gegen 16 Uhr, verfasst Wolfgang H. einen Abschiedsbrief. Dann schnappt er sich den 55 Zentimeter langen Vario-Schlagstock und eine offene Literflasche Brandbeschleuniger. In die Jackentasche steckt er ein Messer mit einer knapp sieben Zentimeter langen Klinge. Schlagstock und Flasche hält der Angeklagte hinter seinem Rücken, als er an der Tür des Hausmeisters klingelt.

Christos B. fragt: „Was wollen Sie?“ Ohne ein Wort zu sagen, schlägt der Angeklagte dem Hausmeister den Schlagstock mit voller Wucht auf den Kopf und schüttet das Bioethanol über ihn aus. Es kommt zum Gerangel. Dem Hausmeister gelingt es, bei seinem Nachbarn Walter K. zu klingeln.

Der sagt: „Ich wollte erst gar nicht öffnen. Dann hörte ich aber Schreie. Ich bin sofort raus.“ Der fast 1,90 große Lagerist überwältigt in Sekunden den 1,70 großen Angeklagten, alarmiert die Polizei. Christos B. musste am Kopf genäht werden. Wolfgang H. droht wahrscheinlich die Unterbringung in einer Psychiatrie. Alkohol und Tabletten sollen seine Psyche angegriffen haben. Am 10. August fällt das Urteil.