Gerd Müller hat Alzheimer Alkohol beschleunigt eine Demenz

Jeder Vollrausch tötet Zehntausende Gehirnzellen. Foto: dpa

Jeder Vollrausch tötet Zehntausende von Nervenzellen im Gehirn – das ist eine Binsenweisheit, die jeder kennt. Dass exzessiver Alkoholkonsum zu deutlich mehr Demenz-Erkrankungen führen könnte, fanden britische Forscher heraus.

München - Schon vor Jahren schlugen Mediziner aus London Alarm: „Alkohol beschleunigt eine Demenz“. Prominente Demenz-Kranke, wie Harald Juhnke, Rudi Assauer, Peter Falk und Bubi Scholz waren alle alkoholkrank. Verkappte Alkoholiker auf internationalem Parkett, die im Alter von der Demenz getroffen wurden, sind etwa die Politiker Ronald Reagan und Margret Thatcher – und sogar die Hollywood-Schauspielerin Rita Hayworth.

Das Essen brennt an, Koffer packen klappt nicht mehr, dann ein Filmriss oder die Erfahrung sich in der U-Bahn zu verlieren – Hinweise auf ein stark nachlassendes Gedächtnis, bei Alkoholmissbrauch, wie bei Demenz.

Mindestens zehn Prozent der Demenzen seien auf Alkoholkonsum zurückzuführen, durch die Auswirkungen exzessiver Trinkgelage unter Jugendlichen könnte sich der Anteil alkoholbedingter Demenz auf 25 Prozent erhöhen, prognostizierten Mediziner aus London bereits 2008.

Denn: In England ist der Alkoholkonsum drastisch gestiegen. Seit dem Jahr 2000 hat sich der Pro-Kopf-Konsum reinen Alkohols (von sechs Litern) mehr als verdoppelt. Mögliche Gründe. Alkohol ist billig und vielerorts verfügbar. Schon Schüler haben schon vor langem das Komasaufen für sich entdeckt.

Wie sieht aber die Lage in München aus? Demenz-Experte PD Dr. Timo Grimmer (40) vom Klinikum Rechts der Isar sagt: „Alkohol ist ein Gift. Wenn ein Mensch zu lange zu viel trinkt, kann er eine Demenz entwickeln. Ich würde in München aber weniger als fünf Prozent der Demenz-Erkrankungen auf Alkohol zurückführen.“

Dass es nicht mehr sind, liegt vor allem an den vielen Folgeerkrankungen bei Alkoholmissbrauch. „Menschen mit Alkoholabhängigkeit sterben circa 20 bis 30 Jahre früher als der Durchschnitt. Das heißt: Echte Alkoholiker, sie schaffen es meist gar nicht so alt zu werden, dass sie eine Demenz entwickeln“, weiß der Experte.

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Zum Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Demenz gibt es in der deutschen Forschungslandschaft keine wichtige Studie. Doch der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie erklärt: „Je mehr und je länger man Alkohol trinkt, desto schädlicher ist er. Das ist wie bei jedem Gift. Die Dosis macht’s.“

Alkohol ist als legales Suchtmittel gesellschaftlich akzeptiert. Wenn man aber eine lebende Zelle in Alkohol tunkt, stirbt sie ab. Mit über 70 Jahren sind circa zehn bis 20 Prozent der Menschen in der Stadt dement. Für alle, die eine Demenz durch Alkohol vermeiden wollen: Die medizinisch wenig bedenkliche Dosis liegt bei bis zu zwei halbe Bier oder ein Viertel Wein pro Tag. Eigentlich ziemlich viel, oder?

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