Geldveruntreuung Erneut Betrug mit Spendengeldern

Links: Heidrun Sch. (75) wurde schon einmal als Betrügerin verurteilt. Rechts: Auch ihr Sohn Carsten stand 2010 vor Gericht. Foto: Torsten Huber

2010 kamen sie mit Bewährungsstrafen davon, jetzt stehen die Schlüsselfiguren eines Vereins wieder im Verdacht, sich an Geldern, die für arme Kinder gedacht waren, bereichert zu haben

MÜNCHEN - Schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre steht eine Münchner Familie im Verdacht, sich mit Spendengeldern ein Leben in Saus und Braus ergaunert zu haben. Bereits 2010 wurden Heidrun Sch. (75) und ihr Sohn Carsten (42) wegen gewerbsmäßiger Untreue von insgesamt 5,3 Millionen Euro verurteilt – allerdings nur zu Bewährungsstrafen. Heidrun S. war Gründerin und zeitweise Vorsitzende der Vereine „Kinder in Not“ mit Sitz in München und „Deutsche Gesellschaft Tier und Natur“ (Hamburg). Die Polizei verdächtigt Heidrun S. und mehrere Familienmitglieder, nun erneut Spendengelder veruntreut zu haben.

Am Nikolaustag durchsuchten Polizei und Staatsanwaltschaft den Münchner Firmensitz von „Kinder in Not“ in der Bodenseestraße sowie die Wohnsitze der Verdächtigen. Gegen die Schwiegertochter erging bereits Haftbefehl. Es gibt ein Foto älteren Datums, das Heidrun Sch. lachend neben einem Bentley zeigt. Die Luxuskarosse war ihr Eigentum und das Foto exemplarisch für ihren Lebensstil: Teure Schlitten, weite Reisen, ein Domizil in der Schweiz, eine Villa in Südamerika – alle mit Swimmingpool.

Heidrun Sch. und ihre Familie lebt auf großem Fuße. In den 80er Jahren hatte die heute 75-Jährige begonnen, ein „Hilfswerk“ aufzubauen. In München gründete sie den Verein „Kinder in Not“. Angebliches Ziel war die „Beratung und Betreuung in Not geratener Kinder und Jugendlicher“. Ein Sohn fungierte als 2. Vorsitzender, Carsten, ihr Sohn aus zweiter Ehe, machte die Buchhaltung. Zeitweise leitete Heidrun S. auch den Verein „Deutsche Gesellschaft Tier und Natur“ (DGTN). Ab etwa 2002 kam die Polizei der Familie drauf, dass ein Großteil der Spendengelder in dubiose Kanäle in die Schweiz und nach Liechtenstein floss. Nur etwa zehn Prozent der Spendengelder wurden tatsächlich für Hilfsprojekte ausgegeben. Misstrauische Spender hatten Anzeige erstattet. Heidrun S., ihre beiden Söhne sowie ein Bankkaufmann und ein Vereinsvorsitzender landeten vor Gericht. Im März 2010 wurden Heidrun S. und Sohn Carsten zu jeweils zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung sowie rund 58000 und 25200 Euro Strafe wegen gewerbsmäßiger Untreue verurteilt.

Den Schaden mussten sie nicht wieder gutmachen. Vor wenigen Wochen fiel einer Bank auf, dass von dem Vereinskonto des Münchner Vereins wieder hohe Geldbeträge ohne erkennbaren Vereinsbezug auf Konten in die Schweiz und nach Liechtenstein transferiert wurden. Die Bank erstattete Anzeige wegen des Verdachts der Geldwäsche. Die Kripo ermittelte, dass die Summen an zwei Firmen flossen, die angeblich Werbung für den Verein machten und neue Mitglieder anwarben. Die Chefin der Firmen ist niemand anderes als Heidrun S. Auch ihr Sohn Carsten ist wieder mit von der Partie: Er bekam vom Vereinskonto hohe Summen für seine freie Mitarbeit, genauso seine Frau. Bei den Hausdurchsuchungen stellte die Polizei kistenweise Unterlagen sicher. Erste Schätzungen gehen von einem Schaden in Höhe von mehreren 100000 Euro aus. Bisher.

 

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