Die alte Bahntrasse am Olympiapark steht unter Ensembleschutz. Die SPD will sie trotzdem abreißen lassen – für einen Radler-Grünzug.

München - An der Westseite des Olympiaparks, entlang der Landshuter Allee, gibt es ein Niemandsland. Da wächst Gestrüpp auf kargem Schotterboden. Da bröselt ein Bahnhofsgebäude vor sich hin, gesprenkelt mit Graffiti. Und dann sind da noch diese alten Bahngleise – ins Nirgendwo.

Um diese Trasse auf städtischem Grund, für die sich seit Ende der 1980er Jahre kaum mehr jemand interessiert hat, entspinnt sich jetzt ein Streit in der Stadtverwaltung. „Denkmalschutz-Posse um Geister-Gleise“, ätzt die Rathaus-SPD. Dass nämlich Denkmalschützer diese Gleise für teuer Geld erhalten wollen und das Kommunalreferat dem auch noch zustimmt, hält SPD-Fraktionschef Alexander Reissl für einen „Treppenwitz“.

Worum geht’s? Das Gleis ist ein Überrest einer S-Bahnlinie, die vor den Olympischen Sommerspielen 1972 neben einem alten Industriegleis gebaut wurde, um die Gäste unkompliziert über die damalige Haltestelle „Olympiastadion“ zum Olympiagelände zu bringen.

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Als die Stadt aber das U-Bahn-Netz ausbaute, wurde der S-Bahn-Halt überflüssig. 1988 legte die Bahn die Anlage still. Der Bahnsteig ist inzwischen komplett überwuchert. Die Gleise sind durchtrennt und teilweise ganz abgebaut. Sie sind in beiden Richtungen nicht mehr mit dem Schienennetz der Deutschen Bahn verbunden. Allerdings: Sowohl das alte Bahnhofsgebäude als auch die verbliebenen Gleisanlagen sind Teil des Ensembles „Olympiapark“ – und stehen damit unter Denkmalschutz.

Nun hat aber der Stadtrat vor zwei Jahren beschlossen, auf dieser ehemaligen S-Bahn-Trasse (die sie inzwischen der Bahn abgekauft hatte) eine neue Nord-Süd-Grünverbindung zu schaffen, damit Radler und Fußgänger vom Biedersteiner Kanal (Sapporobogen) im Süden bis zum Lerchenauer See im Norden durchgängig durch grüne Landschaft radeln und spazieren gehen können.

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Das Problem dabei: Das Areal entlang der Bahntrasse zwischen Georg-Brauchle-Ring und Triebstraße ist kontaminiert. Während des Zweiten Weltkriegs ist hier der damalige Flughafen am Oberwiesenfeld massiv bombardiert worden. Womöglich liegen auch noch Reste von Infanteriemunition aus Bodenkämpfen dort oberflächennah im Boden, wo nach dem Krieg keine Erdhäufen aufgeschüttet wurden.

Und nördlich des Bahnhofshäusls stand ein Mineralöl-Lager. Wie eine Bodenuntersuchung ergab, ist an dieser Stelle das Erdreich 50 Zentimeter tief mit Schadstoffen verseucht. Entlang der Trasse liegen außerdem zehn Zentimeter hoch Bodenschadstoffe in Form von „Roten Sanden“. All das muss nun entsorgt werden – um die Denkmal-Schienen herum und für sehr viel Geld: 1,375 Millionen Euro soll die Sanierung kosten, rechnet ein beauftragtes Ingenieurbüro der Stadt vor – so steht es in einer Beschlussvorlage, die das Kommunalreferat dem Stadtrat vergangene Woche zur Abstimmung vorgelegt hat.

„Absurd“, findet das Alexander Reissl. „Wir fordern die Stadtverwaltung auf, alles daran zu setzen, dass die Gleise komplett entfernt werden können“. Reissl. Das alte Bahnhofshäusl stehen zu lassen, reiche völlig aus, um an den alten S-Bahn-Halt zu erinnern. Der SPD-Fraktionschef: „Die Gleise braucht kein Mensch mehr!“

Jetzt soll das Kommunalreferat ausrechnen, wie viel Geld sich beim Abriss der Schienen einsparen ließe – womöglich überzeugt die neue Rechnung ja die Denkmalschützer. Das Gestrüpp westlich der Landshuter Allee soll trotzdem schon gerodet werden, damit die Bodensanierung starten kann. Die soll nämlich diesen Sommer fertig werden.