Auf der Wiesn zu kellnern, ist ein Knochenjob. Aber er lohnt sich. Die AZ hat ermittelt, wie viel die guten Geister des Oktoberfests verdienen.

Keiner redet gern drüber, aber jeder will es wissen. Die Frage nach dem Gehalt. Wer ist da schon ehrlich? Am wenigsten gern wird diese Frage am Oktoberfest beantwortet. Davon können Wiesnwirte (und solche, die es nicht mehr sind) ein Lied singen.

Auf der Wiesn redet – eh klar – erstmal keiner. Kaum kommt die Frage nach dem Gehalt, heißt’s sofort: „Des wiss’ ma ja no ned!“ Höflich lächelnd, aber bestimmt, wird abgewunken. Zunächst darf also spekuliert werden. Können Bedienungen in 16 Tagen wirklich 20 000 Euro verdienen? Kaum – aber um die 12 000 Euro seien drin, wird gemunkelt. Nix gwieß woaß ma no ned. . .

Kellner Anderl im Löwenbräuzelt ist bereit, das Schweigen zu brechen. Es ist die achte Wiesn des 32-jährigen. Er überschlägt: Als Kellner wirtschaftet er eigenständig, an einer Maß verdient er etwa 1,10 plus Trinkgeld. In anderen Zelten ist von bis zu 1,70 Euro die Rede. Rechnet man mal großzügig 2 Euro pro Maß, ergibt ein Gang mit 10 Krügen 20 Euro. Freitagabend kann es schon mal vorkommen, dass er 400 Krüge unter die Leute bringt. „An schlechten Tagen können es auch mal nur 100 Maßn sein.“ Hinzu kommt das Essen. Im Schnitt verdient er so etwa 400 Euro am Tag. Sagt er. Macht nach 16 Tagen rund 6500 Euro – und einen Stundenlohn um die 27 Euro inklusive Trinkgeld.

Sicherlich könne man in der ein oder anderen Boxe noch mehr Geld verdienen. „Aber da ist dann einfach nur noch bedienen angesagt“, und es soll ja auch Spaß machen. „Also nur fürs Geld mache ich’s auch wieder nicht.“ Schon während der Unizeit hat Anderl auf der Wiesn gekellnert und sich so einen Teil seines Studiums finanziert. Was übrigbleibt, spart er oder gibt es fürs Reisen aus. Fünf Monate war er letztes Jahr mit dem VW-Bus in Europa unterwegs.

So viel ist sicher: Der Rubel rollt. Heuer aber weniger als 2013. Dieses Jahr sei einfach weniger los. Und, wichtiger noch: Der Bierpreis hat die 10 Euro- Schallmauer durchbrochen. Im Schottenhamel und Löwenbräu müssen Gäste den Höchstpreis von 10,10 Euro berappen. „Viele beschweren sich, halten ihre Zehnerl bereit und geben überhaupt kein Trinkgeld“, sagt Anderl. Als würden die Bedienungen die Preise machen. „Aber es gibt immer noch viele, die einen guten Service zu schätzen wissen und die kapieren, was wir hier leisten.“

Anders im Herzkasperlzelt auf der Oidn Wiesn. Hier sind die Bedienungen angestellt und mit 9 Prozent am Umsatz beteiligt. Trinkgeld gibt’s extra. Studentin Kathi (23) ist heuer zum zweiten Mal dabei. 9,90 Euro kostet die Maß im Steinkrug, zehn Stück kann sie problemlos tragen – die Krüge sind leichter als die aus Glas. Kathi schätzt, dass sie mit 3500, vielleicht 4000 Euro nach Hause gehen wird. Klar, mit dem Bierverkauf in den Partyzelten kann sie nicht mithalten. „Dafür ist’s hier entspannter.“

Zwar gibt’s auch hier immer wieder Spezialisten, die die Maß mit einem Zehner bezahlen. Anders als „drüben“ habe sich jedoch die Trinkgeldmoral im Vergleich zum letzten Jahr verbessert, findet Kathi, die nach der Wiesn nach Japan zum Snowboardfahren fährt.

Bald haben die Bedienungen ihren 14-stündigen 16-Tage-Marathon hinter sich. Chronischer Schlafmangel, Gliederschmerzen und der obligatorische Wiesn-Virus sind dann auch schnell Vergangenheit. „Ingwer mit Honig“, und viel pflanzliche Stärkung fürs Immunsystem, ist das Durchhalte-Elixier von Kathi. Und AnderL? „Keine Pause machen, wenn ich nur einmal ausschlafen könnte, wär’s das – ich würd’ glatt liegen bleiben.“ Tja, wie man die Wiesn überlebt – immerhin daraus macht keiner ein Geheimnis.