Gedenktag in Dachau Neues KZ-Tor wird eingesetzt - altes bleibt verschwunden

Am Mittwoch wurd eine Replika der gestohlenen KZ-Tür eingesetzt. Foto: dpa

Der Diebstahl der Dachauer KZ-Tür mit der zynischen Parole "Arbeit macht frei" sorgte für Entsetzen. Zum 70. Jahrestag der KZ-Befreiung werden die Gäste aber ebenso wie früher die Häftlinge durch eine Türe mit dieser Inschrift gehen - die Nachbildung ist fertig.

Dachau -  Ein halbes Jahr nach dem Diebstahl der historischen Tür mit der zynischen Inschrift "Arbeit macht frei" aus der KZ-Gedenkstätte Dachau fehlt von den Tätern weiter jede Spur. Die Polizei tappe im Dunkeln, sagte Stiftungsdirektor Karl Freller am Mittwoch. "Wir vermuten schwer, dass es einen rechtsradikalen Hintergrund hat. Aber es gibt keinerlei Hinweise." Genau vor 70 Jahren wurde das Konzentrationslager Dachau von der US-Armee befreit.

Am Mittwochnachmittag sollte ein Duplikat für die gestohlene Türe eingesetzt werden. Neben Freller wurden der Stiftungsratsvorsitzende und Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) sowie der Präsident des Comité International de Dachau (CID), Pieter Dietz de Loos, erwartet. Vor allem den Überlebenden war es ein Anliegen, dass das Tor zum 70. Jahrestag und zu den Gedenkfeierlichkeiten am Sonntag mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) komplett ist.

"Den Überlebenden kommt es darauf an, dass die menschenverachtende Formulierung gleich am Eingang zu lesen ist - so wie sie selbst sie vor 70, 80 Jahren lesen mussten", sagte Freller. Die KZ-Gedenkstätte wird neben dem neuen Tor auch eine Tafel mit einem historischen Bild, Erklärungen des Symbolgehalts und der Beschreibung des Diebstahls anbringen.

Sollte die originale Tür wieder auftauchen, sei unklar, ob sie wieder eingesetzt werde - oder in die Ausstellung komme, sagte Freller. So sei in Auschwitz verfahren worden. Auch dort war die Tür mit der "Arbeit macht frei"-Parole gestohlen worden. Die rechtsextremen Täter wurden aber rasch gefasst und die Tür sichergestellt.

Nach dem Diebstahl in Dachau hatte der Stiftungsrat der Bayerischen Gedenkstätten schärfere Sicherheitsmaßnahmen beschlossen. Auch Videokameras sollen demnach für mehr Sicherheit sorgen - allerdings behutsam, um die Besucher bei Trauer und Gedenken nicht zu stören. Derzeit liefen Gespräche zur konkreten Umsetzung, sagte Freller. Schon jetzt werde das 250 000 Quadratmeter große Gelände engmaschiger von der Polizei überwacht.

 

 

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