GAZtro - Herzenslokal Gasthof Rabenwirt: Das Isarflimmern grüßt aus dem Tal

Kurzes Handyfoto vor dem Essen: Der AZ-Redakteur Adrian Prechtel im Rabenwirt mit charmanter Pullacher Begleitung, der Modedesignerin Mika Keune und ihrer Tochter. Foto: AZ, lp

Herzenslokal zwischen Wirtshaus und Restaurant: Der Gasthof Rabenwirt in Pullach ist ein bisschen versnobt und nicht ganz billig - aber das Essen ist jeden Cent wert. 

München - Als Münchner kann man jammern: Da ist die Isar so schön renaturiert, aber wo kann man am wilden Flussufer sitzen und Essen gehen? Da fällt einem herzlich wenig ein. Pullach hat es da etwas besser: Der Rabenwirt liegt zwar nicht am Isarstrand, dafür hoch über dem Tal und hat seine große Terrasse wie ein mondänes Nest oben am Isarhang gebaut, wohin das Isarflimmern nach oben schimmert.

Für mich als Sollner ist der Rabenwirt wunderbar per Rad erreichbar. Und dass auch hier viel zu große und vor allem grässlich übermotorisierte Edelkutschen auf dem Dorfplatz herumstehen, ist auch nicht so anders. Aber weil das große gelbe Haus am Platze neben der Kirche nur fünf Minuten vom S-Bahnhof Pullach entfernt ist, kann man den Rabenwirt auch als Münchner Innengroßstädter mit Gentrifizierungserfahrung riskieren. Nur dass das hier in Pullach ein bereits Jahrhundert altes Phänomen ist.

1268 erstmals namentlich erwähnt

Wenn man mich also fragt, was mein "Herzenslokal" ist, fällt mir doch recht schnell dieser Ort ein. Ein bisschen versnobt und verspielt muss man dazu allerdings auch sein. Denn dieser Gasthof ist nicht Edelkitsch-frei. Ob es daran liegt, dass er einmal Ludwig II. gehörte? Nein, denn es war der zweite bayerische Herzog mit Namen Ludwig, und das war 1268, als das Isarleitengelände hier erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Jedenfalls zieren die holzvertäfelten Gasthauszimmer allüberall Hirsche – von der versilberten Statue bis zum Gardinen- und Kissenstickmuster geht’s gehörnt zu. Dabei ist der Rabenwirt streng genommen gar nicht so rustikal. Die Wirtsfamilie heißt hier seit diesem Jahrtausend Abenteuer und hat auch das Gasthaus Iberl’s in Solln unter ihren Fittichen. Das hat Tradition, weil sich hier vor 140 Jahren eine Künstlervereinigung zusammenfand, die sich "Die Raben" nannte.

Essen, das man nicht selber machen kann

Einer der Künstler, aus dem nichts wurde, wurde Wirt und übernahm erfolgreich auch – durch Heirat – den Rabenwirt in Pullach. Ist das hier ein teuerer Laden? Nein, aber bestimmt auch nicht billig, jedenfalls seinen Preis wert. Und weil das Gerücht, dass man Wiener Schnitzel gut auch selber machen kann, nicht stimmt, esse ich hier gerne die österreichische Spezialität, die mit 16,50 Euro sogar um fast zehn Euro billiger ist als auf dem gerade beendeten Oktoberfest im Schottenhamelzelt.

Überhaupt sollte man im Rabenwirt essen, was man in der eigenen Küche nur nach Stunden hinbekäme, wie das Hirschragout mit Heidelbeeren, Milchbrotknödeln und Apfelblaukraut (satte, gut angelegte 21 Euro) oder die Isarforelle mit Petersilienkartoffeln und Salat (19,80 Euro). Und wer durch den Wein nicht arm werden will (6 bis 8 Euro), bleibt halt beim Hellen Hacker-Pschorr für 4,50 Euro.


Gasthof Rabenwirt, Kirchplatz 1, Pullach im Isartal, Tel.: 089/793 01 85, kein Ruhetag, täglich offen von 11 bis 24 Uhr, von 11.30 bis 22 Uhr, warme Küche

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