Das „Edelheiss“ in der Pestalozzistraße ist ein Ort für haarige Männer – die sich hier nach Feierabend mit Bier und Bowle zuprosten

Nur eines trügt den Eindruck einer urigen Boazn: Die Teddybären, die auf dem Sims an der Wand aufgereiht sitzen. Plüschtiere sind ein doch eher ungewohntes Dekorationselement in bayerischen Kneipen, wie auch die Tatsache, dass auf der kleinen Tafel an der Wand nicht für ein Tagesgericht, sondern für den „Bartabend“ am Donnerstag geworben wird.

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Aber der kleine Laden in der Pestalozzistraße an der Ecke zur Müllerstraße ist eine besondere Boazn, kein Edelweiss, ein „Edelheiss“. Eine Gruppe Männer sitzt vor Weißbier und Bowle um den runden Tresen versammelt, Engelbert Gillitschka, der Freund des Wirts, zapft frisches Bier.

Hier trifft sich die „Bärenszene“, womit auch die Teddys erklärt wären. „Ich hatte eine Vereinsgaststätte, habe aber immer in der Szene gekellnert und wollte eine Gay-Bar“, sagt Wolfgang Neuherz. „Eine Feierabendbar für Schwule.“ Die femininen Typen, die es auch gibt – die sind nicht so seine Welt, „ich wollte nicht die Queens, sondern die Bären und Bärenliebhaber.“ Vom Look her mehr Al aus „Tool Time“ als David Beckham – gestandene, behaarte Männer, was das Donnerstags-Special erklärt. Da geht für alle Gäste mit Bart das zweite Bier aufs Haus, was Neuherz vor 16 Jahren sehr geholfen hat, das Edelheiss zum Laufen zu bringen.

Schon am Nachmittag sperrt er die Kneipe auf, das Edelheiss hat eine kleine Terrasse zur Pestalozzistraße hin. Da serviert der Österreicher zum Beispiel Eiscafé (3,50 Euro). Kuchen hat er auch im Angebot, „ich kauf’ zwei Stück immer frisch, aber die will eh keiner, also essen sie der Engelbert und ich nach Feierabend selbst und werden immer dicker. Kuchen haben wir nimmer lang.“

Dafür aber Wiener oder Schinkenkäsetoast (3,10), das ist eher was für Bären. Dazu Neuherz’ hausgemachte Bowle, momentan mit Erdbeeren. Ansonsten halten sich seine Gäste gern an Herrnbräu als Weißbier (3,30) oder Helles (0,5 Liter, 3,30).

Das richtige Geschäft startet am Abend. Ein eigener Mikrokosmos, zu 80 Prozent sind es Stammgäste, die das Edelheiss bevölkern, sich gegenseitig mit ihren Spitznamen rufen: Wie der IT-Spezialist „Heidi Kabel“ oder der Halbitaliener „Cicciolina“, der meint: „Wenn man hier eine Kamera aufhängen würde, das wäre lustiger als jede Soap.“

Meist sind die Männer unter sich, den ein oder anderen weiblichen Stammgast gibt es auch, toleriert und integriert. „Aber wenn zu viele Frauen da wären, würden sich meine Gäste nicht mehr so wohl fühlen – das ist dann ein verkrampfteres Miteinander.“ Deswegen sind vor allem die vollen Wochenenden „Men Only“, die Bären sollen sich austauschen und austoben können.

Allerdings nicht in einem Darkroom, das Edelheiss ist kein Laden für Sex. Sondern eine Feierabendbar für Schwule. 


Pestalozzistraße 6, täglich 15 – 1 Uhr, We. bis 3 Uhr, www.edelheiss.de, Tel.: 26 54 53