Gärtnerplatzchef Josef E. Köpplinger über Umbau-Sorgen und Stephen Sondheims „Das Lächeln einer Sommernacht“

Es ist ein wenig, als hätten August Strindberg und Anton Tschechow den „Sommernachtstraum“ von William Shakespeare noch einmal geschrieben. Ab Donnerstag zeigt das Gärtnerplatztheater Stephen Sondheims „Das Lächeln einer Sommernacht“ im Cuvilliéstheater. Der bis auf weiteres heimatlose Hausherr Josef E. Köpplinger inszeniert.

AZ: Herr Köpplinger, ich habe mich bei diesem Musical einmal furchtbar gelangweilt. Können Sie das verstehen?

JOSEF E. KÖPPLINGER: Wenn man dieses Stück nicht gut macht, kann das passieren. Es ist nicht einfach, die Handlung zum Fließen zu bringen. Und es hängt viel davon ab, wer es spielt. Sondheim hat mir einen Brief geschrieben, in dem er mir viel Glück wünscht. Wenn es sein Gesundheitszustand zulässt, will er auch kommen.

Sie haben Sie das „Lächeln“ gewiss öfter gesehen als ich.

Zum ersten Mal als Kind im Theater an der Wien – mit Zarah Leander als Madame Armfeldt. Sie fiel mit dem Rollstuhl um. Ich dachte, sie wäre krank oder das müsse so sein. Aber das hatte andere Ursachen.

Was reizt Sie am „Lächeln einer Sommernacht“?

Ich halte es für eines der wichtigsten Musicals der siebziger Jahre. Es ist kein Zufall, dass wir gleich danach „Hair“ spielen. Beide Stücke haben versucht, die Genres aufzubrechen. „Hair“ brachte mit starken Songs die Underground-Revolution auf die Bühne. Das „Lächeln“ ist eine gesellschaftskritische Komödie, die mit Basis-Geschichten des Theaters arbeitet. Es werden Klischees zur Schau gestellt und gleich wieder gebrochen.

Die Vorlage ist ein Film von Ingmar Bergman.

Dass es ein Film ist, merkt man der Geschichte nicht an. Es ist wie ein Bühnenstück über Eros und Thanatos, unterlegt mit einer leichtfüßigen Musik im Dreivierteltakt.

Warum lächelt die Sommernacht überhaupt?

Das ist ein schwedisches Sprichwort, das die Großmutter zitiert. Die Sommernacht lächelt dreimal: den Jungen, die noch zu wenig wissen, den Narren, die nichts wissen, und den Alten, die zu viel wissen.

Ist die Großmutter für die Geschichte wichtig?

Sie war eine Kurtisane. Sie wirft ihrer Tochter Desirée – einer Provinzdiva – vor, dass sie mit ihren Affären kein Geld gemacht hat. Sie war mal zusammen mit einem Rechtsanwalt namens Egermann, aus dieser Ehe entstammt wahrscheinlich Fredrika. Man weiß das nicht genau. Dieser Egerman ist jetzt mit einer 18-Jährigen verheiratet, die nach elf Monaten Ehe noch Jungfrau ist.

Und was passiert dann?

Egerman sieht Desirée in einer Vorstellung und trifft sie, um sein Herz zu erleichtern. In diesem Moment begreifen sie, dass sie eine Chance vertan haben. In dem ganzen Stück geht es um die Frage „Was wäre, wenn?“.

Wann spielt das?

Anfangs in einer Zeit und Gesellschaft mit Ständeschranken. Aber im Verlauf der Handlung stellt es sich heraus, dass das nicht so wichtig ist.

Wer sind denn die fünf Liebesliedersänger?

Eine epische Fünfer-Gruppe. Sie kommentieren die Handlung. In der üblichen deutschen Fassung werden sie als Gnome oder Trolle bezeichnet. Das ist falsch und hat nichts mit dem Stück zu tun.

Richtig populär ist keines der Sondheim-Musicals geworden.

Das gilt nur für den zentraleuropäischen Raum. Das Wort-Ton-Verhältnis ist sehr ausgetüftelt, und es hat lange gebraucht, bis eine gute Übersetzung zustande gekommen ist. Seine Bedeutung wurde erst spät erkannt. Heute spielt seine Musicals jedes Stadttheater.

Woran liegt das?

Früher wurde das Genre als reiner Kassenfüller verstanden. Aber hier fließen alle Kunstformen des Theaters ineinander. Im „Lächeln einer Sommernacht“ wird allerdings nur sehr versteckt getanzt, und das ist noch schwieriger als ein richtiger Tanz.

Die für November geplante Wiedereröffnung des Gärtnerplatztheaters wird nun fast um ein Jahr auf Oktober 2017 verschoben. Wird diese Ungewissheit nicht langsam ein Problem für Ihre Planung?

Wir sind es schon seit längerer Zeit gewohnt, mehrgleisig zu planen. Das werden wir auch weiter tun. Entscheidend ist: Wir haben es nicht zu verantworten. Wir haben es nur zu meistern.

Wissen Sie schon, mit welchem Stück Sie eröffnen – falls Ihr Theater jemals wieder aufmacht?

Ja. Aber das verrate ich noch nicht.

Premiere am 4. Februar, 19.30 Uhr im Cuvilliéstheater. Weitere Aufführungen bis 14. Februar