Für Roman "Die Hauptstadt" Deutscher Buchpreis 2017: Auszeichnung für Robert Menasse

Schaut gerührt in die Runde: der österreichische Autor Robert Menasse nach der Verleihung des Deutschen Buchpreises. Foto: dpa

Der Österreicher Robert Menasse erhält den Deutschen Buchpreis 2017 für den Roman "Die Hauptstadt". Das gab der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Montagabend in Frankfurt bekannt.

Frankfurt/Main - Das ist der Lohn für eine vierjährige Recherche in Brüssel: Der österreichische Autor Robert Menasse hat mit seinem Roman "Die Hauptstadt" den Deutschen Buchpreis gewonnen.

Mit dem Preis des Börsenverein des Deutschen Buchhandels wird am Vorabend der Frankfurter Buchmesse der beste deutschsprachige Roman des Jahres ausgezeichnet. Die Auszeichnung ist mit 25.000 Euro dotiert. Im Finale standen sechs Bücher.

Menasses Roman spielt in Brüssel - und setzt sich mit der Europäischen Union und all ihren Widersprüchen auseinander. Das Buch sei "ein vielschichtiger Text, der auf meisterhafte Weise existenzielle Fragen des Privaten und des Politischen miteinander verwebt und den Leser ins Offene entlässt" begründete die siebenköpfige Jury ihre Wahl. "Dramaturgisch gekonnt gräbt er leichthändig in den Tiefenschichten jener Welt, die wir die unsere nennen", urteilte die Jury weiter. "Und macht unter anderem unmissverständlich klar: Die Ökonomie allein, sie wird uns keine friedliche Zukunft sichern können."

Projekt Europa retten

Der sichtlich überwältigte Autor erinnerte in seiner kurzen Dankesrede daran, wie eminent wichtig das gemeinsame Projekt Europa sei und nahm Bezug auf seinen großen Landsmann Stefan Zweig, der zwei Mal erleben musste, wie die Europäische Kultur unterging. "Wir dürfen das nicht ein drittes Mal zulassen", sagte Menasse.

Menasse setzte sich im Finale gegen Gerhard Falkner ("Romeo oder Julia"), Franzobel ("Das Floß der Medusa"), Thomas Lehr ("Schlafende Sonne"), Marion Poschmann ("Die Kieferninseln") und Sasha Marianna Salzmann ("Außer sich") durch. Im vergangenen Jahr hatte Bodo Kirchhoff für seinen Roman "Widerfahrnis" den Deutschen Buchpreis gewonnen.

Der 63-jährige Menasse versieht viele seiner Romane mit einem zeitgeschichtlich-politischen Hintergrund, seine Essays werden häufig von philosophischen Fragestellungen geleitet. Dieses Gesellschaftspolitische wurde Menasse quasi in die Wiege gelegt. Als Sohn einer jüdischen Familie wurde er 1954 in Wien geboren - sein Vater war 1938 vor den Nationalsozialisten aus Österreich geflohen und erst nach Kriegsende zurückgekehrt.

Als junger Mann studierte Menasse Germanistik, Philosophie und Geschichte. Nach einer Anstellung als Lektor im brasilianischen Sao Paulo arbeitet er seit 1988 als freiberuflicher Schriftsteller. Der Durchbruch gelang ihm 1995 mit dem Roman "Schubumkehr". Darin beschreibt Menasse, wie der Fall des Eisernen Vorhangs 1989 auch in Österreich die bestehenden Verhältnisse durcheinander brachte.

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