Fröhlich soll's richten Krug weg - und jetzt? Videobeweis muss funktionieren

DFB-Schiedsrichterchef Lutz-Michael Fröhlich (links) ersetzt Hellmut Krug als Projektleiter Video-Assistent. Foto: dpa

Die Diskussion über den Videobeweis ruht am Wochenende wohl nur wegen der Länderspielpause. Dem DFB kann das nach dem Hin und Her der vergangenen Tage nur recht sein.

Frankfurt/Main - Die Reizfigur ist weg, die Leitlinie vorgegeben - doch die Diskussion um den Videobeweis noch lange nicht vorbei. Nach der Absetzung von Videochef Hellmut Krug muss sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wieder auf die eigentliche Umsetzung konzentrieren.

Bislang verhinderten zu viele Unklarheiten den Erfolg des Pilotprojekts, das eigentlich von (fast) allen befürwortet wird. "Ich glaube, es ist bis heute auf allen Seiten immer noch nicht genau klar, wann der Videoschiedsrichter eingreifen soll", sagte Schalkes Sportvorstand Christian Heidel bei Sky90: "Wir müssen das korrigieren. Doch ich tue mich schwer, den Videoschiedsrichter an sich infrage zu stellen."

Augsburgs Manager Stefan Reuter fehlt die Souveränität der Unparteiischen: "Dabei muss der Schiedsrichter der starke Mann auf dem Platz bleiben!" Umso dringender scheint das klärende Gespräch, zu dem Schiedsrichter-Boss Lutz Michael Fröhlich am Montag eingeladen hatte.

"Unter Einbeziehung aller Beteiligten soll klar herausgestellt werden, unter welchen Umständen der Video-Assistent eingreifen soll und wann nicht", teilte der DFB in der Presseerklärung zu Krugs Degradierung mit, die das Chaos auf die Spitze getrieben hatte. Der umstrittene 61-Jährige war am vergangenen Freitag zunächst auf Anraten der Ethikkommission nur aus der Schiedsrichterkommission geworfen worden, er sollte aber Leiter des Videoprojektes bleiben.

Keine Reaktion auf Manipulationsvorwürfe gegen Krug

Drei Tage später inklusive schwerwiegender Vorwürfe in der Bild war aber auch das hinfällig und Fröhlich übernahm Krugs Job - laut DFB aber eben nicht wegen der negativen Berichterstattung. "Die Entscheidung, Lutz Michael Fröhlich ab sofort mit der Projektleitung Video-Assistent zu beauftragen, ist keine Reaktion auf die in den Medien erhobenen Manipulationsvorwürfe gegen Hellmut Krug", sagte der zuständige DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann.

Die Entscheidung sei "vor allem zum Schutz des Schiedsrichterwesens, des wichtigen Projekts Video-Assistent und nicht zuletzt zum Schutz der Person Hellmut Krug getroffen" worden. Quasi abgeschafft wurde die Position des Supervisors, in der Krug angeblich unerlaubten Einfluss genommen haben soll und die vom IFAB gar nicht zwingend vorgegeben ist, trotzdem.

Die "Aufseher" in Köln sollen "künftig" während der Spiele keinen direkten Kontakt mehr zu den Video-Assistenten haben. Dieser soll, das betonte der DFB nach den völlig misslungenen Kommunikationsversuchen mit den Bundesliga-Vereinen in der vergangenen Woche, nur dann eingeschaltet werden, "wenn in entscheidenden Szenen ein Wahrnehmungsfehler vorliegt".

Nur bei "glasklaren Fehlentscheidungen", forderte Heidel: "Ebenso noch bei einer Roten Karte, die nicht ins Blickfeld des Schiedsrichters gefallen ist - ansonsten soll er sich nicht melden. Das war der Ansatz, aber in der Praxis sieht es leider anders aus." Dass der Videobeweis in Deutschland funktioniert, ist auch wichtig für die Regelhüter des Weltverbandes FIFA.

Schließlich will das zuständige International Football Association Board (IFAB) bei der WM 2018 in Russland eine dann fehlerfreie Technik einsetzen. "Die Erfahrungen, größtenteils positiv, helfen uns, die Aufgabe des Videoassistenten für die Zukunft, also nach Abschluss des Experiments, zu definieren beziehungsweise zu optimieren", sagte IFAB-Geschäftsführer Lukas Brud: "Man darf nicht vergessen, dass gewisse Schwierigkeiten bei dem Experiment vorkommen können - das gehört dazu."

Lesen Sie hier: Trauer um Weltmeister von 1954 - Hans Schäfer ist tot

JETZT LESEN

0 Kommentare

Kommentieren

  1. null