Freistaat lässt Areal verrotten Hans Albers: Millionen-Streit um seine Villa

Hans-Albers-Villa: Luftaufnahme von Google Earth Foto: Google Earth

Eigentlich sollte das Edel-Areal längst ein öffentliches Erholungsgelände sein. Doch der Freistaat lässt es seit 40 Jahren verrotten und will es jetzt für 10 Millionen Euro verkaufen. Einen Käufer gibt es nicht – bis auf einen Verein. Der will nur den symbolischen Preis von 1 Euro zahlen.

MÜNCHEN/FELDAFING - Es ist eines der schönsten und berühmtesten Grundstücke am Starnberger See: 27.160 Quadratmeter Ufer zwischen dem Schloss von Fürstin Gloria und dem öffentlichen Freibad in Garatshausen. Vor 40 Jahren hatte es der Freistaat von der Witwe des berühmten Schauspielers Hans Albers gekauft. „Für öffentliche Erholungszwecke“. Erholen aber durfte sich dort niemand.

Der Freistaat machte es zur Sperrzone, ließ Villa und Grundstück verrotten und versucht nun, es für 10 Millionen Euro an Superreiche zu versilbern. Dagegen laufen Bürger und Gemeinde Sturm. Der Kulturverein Garatshausen will das Traumgrundstück für einen symbolischen Euro kaufen. Heute muss sich der Landtag damit beschäftigen.

Einen „freien Zugang“ zu den Seen verspricht die Bayerische Verfassung. Dort heißt es in Artikel 141, Absatz 3: „Staat und Gemeinde sind berechtigt und verpflichtet, der Allgemeinheit die Zugänge zu Bergen, Seen, Flüssen und sonstigen landschaftlichen Schönheiten freizuhalten und allenfalls durch Einschränkungen des Eigentumsrechtes freizumachen.“ Sich selber aber mag der Freistaat am allerwenigsten einschränken.

Am 20. April 1971 hatte er das Traumareal von Albers’ Witwe, der Schriftstellerin Hansi Burg gekauft. Und sich sogar von der Grunderwerbssteuer befreien lassen, „nachdem der Erwerb für öffentliche Erholungszwecke erfolgt“. So jedenfalls steht’s im Kaufvertrag, der der AZ vorliegt.

1934 war der gefeierte Star Hans Albers von Hamburg an den Starnberger See gezogen. Wenn ein Dampfer vorbeischipperte und über den Bordlautsprecher schallte: „Hier wohnt der berühmte Schauspieler Hans Albers“, holte der zum Gegenschlag aus: Von einem Plattenspieler aus ließ er seinen größten Hit „La Paloma“ erklingen. Dann warf er den Bademantel ab und sprang vor seinem mit Reet gedeckten Badehaus splitterfasernackt in den See.

Vielleicht hatte das die prüde CSU-Regierung so erzürnt, dass sie sich an ihm rächte. Trotz der schriftlichen Abmachung sperrte sie die Öffentlichkeit aus dem Grundstück aus. Seine Villa überließ sie Souvenirjägern – bis die letzte Autogramm-Karte aus dem leerstehenden Haus verschwunden war und sogar die schweren Bauernmöbel. 1978 zog dann die Bayerische Landesanstalt für Fischerei ein. Seit 2003 steht die Villa wieder leer. Das Grundstück ist zum Biotop verwildert.

Seit acht Jahren sucht der Freistaat einen Käufer. Doch die Gemeinde Feldafing legt sich quer. Das Albers-Haus hat Bestandsschutz. Wenn es abgerissen wird, erlischt das Baurecht. Wer legt dafür schon zehn Millionen Euro auf den Tisch? Die Gemeinde hat’s also in der Hand: Bürgermeister Bernhard Sontheim zur AZ: „Wir wollen nicht, dass das Grundstück an einen Privaten veräußert wird, der es dann zum Hochsicherheitstrakt macht. Wir wollen, dass das Grundstück für alle erlebbar bleibt.“

Im vergangenen Herbst hat der Kulturverein Garatshausen eine Petition in den Landtag eingebracht. Er soll dem Freistaat jetzt den Verkauf untersagen und die Immobilie endgültig der Öffentlichkeit zugänglich machen. Die Villa soll für Veranstaltungen aller Art, der Erinnerung an Hans Albers und der Dokumentation der Orts-Chronik dienen.

Unterstützung bekommen die engagierten Bürger von den Grünen. Sie stellten den Antrag, eine „Nutzung zum Wohle der Allgemeinheit“ zu finden.

 

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