Beim 1:3 in Frankfurt wird der TSV 1860 vom kämpferischen FSV aus allen Träumen gerissen. Trainer Maurer tobt, Hinterberger trotzig.

Frankfurt - Reiner Maurer fand’s überhaupt nicht witzig. Während man sich um ihn herum vor Lachen auf die Schenkel klopfte, saß der Löwen-Trainer wie versteinert auf dem Podium – finsterer Blick, ernster Ausdruck. Gerade hatte Petra Roth, Oberbürgermeisterin von Frankfurt, nach der 1:3-Pleite der Sechzger beim akut abstiegsbedrohten FSV Frankfurt in der Pressekonferenz das Wort ergriffen und mehrfach betont, dass sie keine Ahnung vom Fußball habe, doch sie bewundere, wie kampfstark die Hessen die überlegenen Löwen niedergekämpft hatten.

Anzeige

Während Frankfurts Trainer Benno Möhlmann den Erfolg des Underdogs schlichtweg auf die höhere Motivation schob, wuchs der Ärger in Maurer – verständlich, denn seine Mannschaft hatte leichtfertig ihre so tolle Erfolgsserie (neun Siege, zwei Remis seit November) verspielt. „Wir haben einen erheblichen Rückschlag erlitten”, beklagte Maurer, „und das auch noch völlig unnötig.”

Gerade hatten sich die Sechzger in Stellung gebracht, wochenlang dauerte ihre Aufholjagd in Richtung Platz drei. Immer größer waren die Hoffnungen geworden, dass der blaue Winterhöhenflug so lange anhalten würde, dass 1860 tatsächlich noch um die schon seit acht Jahren ersehnte Rückkehr in die Bundesliga mitspielen könnte.

„Aber jetzt brauchen wir davon erst mal nicht zu reden. Wer seine eigenen Spiele nicht gewinnt, der braucht nicht auf die Tabelle zu gucken. Und der darf schon mal gar nicht nach oben gucken", meinte 1860-Verteidiger Necat Aygün in Frankfurt. „Das Bittere dabei ist ja, dass wir das Ganze auch noch hergeschenkt haben.” Nach einem frühen Tor von Kai Bülow und guten Chancen hatte 1860 wie der sichere Sieger ausgesehen – doch dann kämpften die spielerisch schwachen Hessen den Tabellensechsten nieder.

Nachdem die Sechzger nun also gerade mal ein Pünktchen aus den letzten beiden Spielen geholt haben, wollen sie die Aufholjagd dennoch nicht für beendet erklären. Sportchef Florian Hinterberger etwa sagte: „Wir haben noch zehn Spiele, da ist noch lange nichts vorbei.” Und der in Frankfurt schwache Kapitän Benny Lauth erklärte: „Die Bayern würden bei sieben Punkten Rückstand drei Spiele vor Schluss auch nicht aufgeben, da sollten wir das jetzt bei noch zehn Spielen auch nicht tun.”

Dennoch kehrte nach der Bruchlandung Ernüchterung ein. „Wir selbst haben nie vom Aufstieg gesprochen", sagte Verteidiger Stefan Buck, „das ist immer von außen reingeredet worden. Trotzdem ist das eine schwere Enttäuschung.” Maurer sagte dazu: „Wir hatten uns die Serie hart erarbeitet, und es war klar, dass wir nicht jeden Gegner an die Wand klatschen würden. Jetzt sind wir ganz weit weg von den ersten Plätzen."

Wieso den Löwen die unerwartete Pleite passiert war? Torwart Gabor Kiraly wusste es: „Vielleicht dachten wir, es geht von alleine. Dabei gab es Zeichen und Warnungen. Aber wir haben es nicht kapiert, so einfach ist das. Unsere Serie bedeutet jetzt gar nichts mehr, die ist vorbei.” Der Ungar deutete die Leichtfertigkeit an, mit der 1860 eigene Chancen vermasselte und den Gegner gewähren ließ. Zuletzt gegen St. Pauli sei man mit einem blauen Auge davongekommen, „jetzt hat es uns erwischt. Die Frage ist doch jetzt, wie lange dauert diese Serie an? Wir müssen diese Phase sofort beenden.”

Am Mittwoch müssen die Löwen zum Nachholspiel nach Aue – auch die Sachsen spielen gegen den Abstieg. Maurer erwartet „nichts als Kampf” im Erzgebirge. Die beste Möglichkeit, sich zu beweisen.