Neuer Banner Kunstjournal

Fotografien von Geflüchteten Eine Herausforderung für Europa

Sizilien, Italien. Foto: Herlinde Koelbl

Die international renommierte Fotografin Herlinde Koelbl ist eine Chronistin unserer Zeit.

Ihre neue Ausstellung im Literaturhaus München zeigt, wie sich das Leben von Geflüchteten nach ihrer Ankunft in Deutschland, Italien oder Griechenland gestaltet. Sie präsentiert Aufnahmen des Wartens, des Sich-Einrichtens in einer unbestimmt langen Zwischenzeit, in der das tägliche Leben dennoch nicht stillsteht - neue Räume von provisorischer Intimität entstehen. Die Ausstellung versteht sich als Beitrag zu einem der drängendsten Themen unserer Zeit, auf das die Politik bis heute keine schlüssige und dauerhafte Antwort gefunden hat.

Ihr Anliegen bei diesem Fotoprojekt war es, herauszufinden, wie es weitergeht nach der Ankunft der Geflüchteten, wenn das alltägliche Leben beginnt und das Drama des Ankommens beendet ist. Anfangs sind alle voller Hoffnung auf einen neuen Start, auch wenn sie in Camps hausen, manche am Boden, manche in festen Zelten und Häusern.

Trotz der Widrigkeiten der Unterbringung versuchen sie den Alltag zu meistern. Manche resignieren und ergeben sich der Langeweile. Andere versuchen sich in den großen Unterkunftshallen eine kleine Privatheit zu schaffen und sich nicht gehen zu lassen. Das Leben nimmt weiter seinen Lauf: Frauen werden schwanger, Kinder werden geboren, doch die Zukunft ist ungewiss.

Herlinde Koelbl: "Unter diesen Umständen lernen die Kinder früh den Darwinismus des Lebens kennen. Deshalb ist es wichtig, wenn sie bleiben, ihnen Bildung und Sprache und somit Verständigung zu ermöglichen. Denn ihre Zukunft ist auch Teil unserer Zukunft." Die eindrucksvollen Fotos entstanden in Deutschland in der Münchner Bayernkaserne, in Donauwörth, in Berlin im ICC und am Airport Tempelhof, in Fallingbostel und Hamburg, in Griechenland in Athen, am Flughafen Hellenikon und in Idomeni auf der Insel Lesbos und schließlich im italienischen Catania/Messina. Ihre zahlreichen Fotografien werden ergänzt um Videos und Interviews. Zur Ausstellung gibt es außerdem ein umfangreiches Begleitprogramm mit 16 Veranstaltungen.

Herlinde Koelbl zählt zu den renommiertesten deutschen Fotokünstlern. Ihr besonderes Interesse gilt dem Menschen, in seinem kulturellen Umfeld, in seinem Alltag, seiner Körperlichkeit, seiner Individualität. Mit ihren fotografischen Langzeitstudien dokumentiert sie verschiedene Aspekte der Gegenwart.

Bekannt wurde sie in den Achtzigerjahren mit der Fotoserie "Das deutsche Wohnzimmer", später folgte ihre berühmte Langzeitstudie "Spuren der Macht". Koelbl wurde für ihr Schaffen vielfach ausgezeichnet, darunter mit dem Kulturellen Ehrenpreis der Landeshauptstadt München 2015. Ihre Fotografien sind in internationalen Ausstellungen zu sehen und in vielen wichtigen Sammlungen vertreten.


Bis 7. Mai im Literaturhaus München: Herlinde Koelbls Fotografien von Geflüchteten.

Die Ausstellung wird im Oktober 2017 bei den Vereinten Nationen in New York gezeigt.

JETZT LESEN

0 Kommentare