Forschung als Vorwand Mit fieser Masche: Sanitäter vergewaltigt mehr als 20 Frauen

Ein Sanitäter aus Nürnberg hat unter dem Vorwand, in der Forschung zu arbeiten, zahlreiche Frauen vergewaltigt. (Symbolfoto) Foto: dpa

Er behauptet, in der Krebsforschung an der Uni zu arbeiten, schafft so Vertrauen zu seinen Opfern. Dann macht er sie gefügig und vergeht sich an ihnen. Jetzt steht der Nürnberger vor Gericht.

Nürnberg - Er schaffte es immer wieder, jahrelang, keiner bemerkte es. Mit der frei erfundenen Geschichte, wissenschaftlicher Mitarbeiter eines Arztes an der Uni zu sein und an Forschungsprojekten mitzuwirken, lockte ein Rettungssanitäter (41) aus Nürnberg zahlreiche Frauen in eine hinterhältige Sex-Falle.

In der kommenden Woche steht er in Nürnberg vor Gericht, angeklagt wegen Körperverletzung, Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs widerstandsunfähiger Personen.

Was wird dem Sanitäter vorgeworfen? Mehr als 20 Frauen soll er den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufolge vergewaltigt oder sexuell missbraucht haben – viele davon in bewusst- oder willenlosem Zustand.

Wie hat er die Frauen in diesen Zustand versetzt? Mit Medikamenten. An dafür geeignete Mittel, die er seinen Opfern gab, kam er als Rettungssanitäter leicht heran. Unter anderem verwendete er Diazepam, ein starkes Beruhigungsmittel, das Gedächtnislücken auslöst. 

Vorwand: Arbeit in der Krebs- und Sexualforschung

Wer sind seine Opfer? Die Frauen suchte er sich den Ermittlungen zufolge im Bekanntenkreis, sprach sie in Schwimmbädern an oder wenn er als Türsteher für eine Disko arbeitete. Seine Masche, mit der er die Frauen dazu brachte, sich mit ihm näher einzulassen: Der heute 41-Jährige behauptete, in der Krebs- und Sexualforschung zu arbeiten. Um es glaubwürdiger zu machen, hatte deswegen auch einen fingierten Mailaccount eingerichtet und Fragebogen angefertigt.

Wie lange funktionierte diese krude Masche? Dieses skrupellose "Spiel" funktionierte über Jahre hinweg, seit etwa 2010. Der falsche "Wissenschaftler" flog erst im vergangenen Jahr auf, als eine Frau misstrauisch geworden war und die Polizei einschaltete.

Gibt der Mann die Taten zu? Ja. Nach seiner Festnahme legte der Rettungssanitäter ein umfassendes Geständnis ab, das im Prozess zu seinen Gunsten gewertet werden kann und möglicherweise einigen Opfern die Aussage erspart. Aber die Beweislage ist auch so erdrückend. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung wurden auch Datenträger sichergestellt, auf denen er seine Taten aufgezeichnet hatte.

Wenn Ärzte missbrauchen: Ähnliche Fälle

  • Juli 2017: Das Landgericht Köln verurteilt einen Gynäkologen wegen sexuellen Missbrauchs von drei Patientinnen. Er habe die Behandlungen der Frauen genutzt, um sich selbst sexuell zu stimulieren. Der 63-Jährige habe den Patientinnen ohne medizinische Gründe mit Cremes oder Ölen den Intimbereich massiert.
  • Oktober 2016: Ein Bamberger Chefarzt wird wegen schwerer Vergewaltigung, schwerer sexueller Nötigung, schweren sexuellen Missbrauchs und gefährlicher Körperverletzung sowie Verletzung der Intimsphäre verurteilt. Der 51-Jährige soll zwölf Frauen statt eines Kontrast- ein Betäubungsmittel verabreicht haben, um dann Gegenstände oder einen Finger in sie einzuführen. Dabei fotografierte er ihren Intimbereich.
  • März 2016: Wegen des sexuellen Missbrauchs von 21 Buben verurteilt das Landgericht Augsburg einen Kinderarzt (41). Eines seiner Opfer war Jayden (5). Er lockte das Kind in sein Auto, betäubte es mit einem Medikament und verging sich an dem Bub. Später setzte er das benommene Opfer an anderer Stelle wieder aus.

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