Forscher-Treffen in London Haben wir bald Sex mit Robotern?

Sex-Puppen, die äußerst realistisch aussehen, gibt es schon. Aber können diese sich bald bewegen oder gar mit uns kommunizieren? Foto: imago

Wissenschaftler in London wollen jetzt diskutieren, ob sich Menschen in Maschinen verlieben können. Und: Was macht das mit der eigenen Sexualität?

Sex mit einem Roboter? Einer Maschine, die wie eine Frau aussieht, sich bewegen kann und die auch – dank einer Software – mit Menschen rudimentär sprechen und interagieren kann? Das klingt erst einmal befremdlich und auch irgendwie wie aus einem Science-Fiction-Film. Doch genau solche humanoide Geräte werden schon entwickelt. Und jetzt beschäftigt sich auch die Wissenschaft mit dem Thema Sex-Robotern.

Seit Montag findet an der Goldsmiths University London einer der ersten wissenschaftlichen Kongresse dazu statt. Der Titel: „Liebe und Sex mit Robotern“. Die einen finden diesen Blick in die mögliche Zukunft witzig bis skurril, die Gegner sind alarmiert.

Worum es bei dem Kongress geht? Unter anderem um die Frage, welche Bindungen Menschen zu Robotern aufbauen können. Ist eine intime Beziehung zu einer Maschine überhaupt möglich? Und: Kann man sich in eine solche Sex-Maschine verlieben – und der Roboter möglicherweise auch in den Menschen?

Bei dem Forscher-Treffen ist auch Wirtschaftsinformatiker Oliver Bendel dabei. Er sagte im Vorfeld zum SWRinfo: „Man denke nur an das Auto. Manche sprechen mit ihrem Auto, manche geben ihrem Auto einen Namen. “ Verliebt in einen Roboter? Das geht durchaus, glaubt Bendel.

Sextherapeutin: „Es soll immer krasser und extremer sein“

Dennoch ist die Kritik groß. Einige Wissenschaftler haben bereits eine Kampagne gestartet und verlangen ein Verbot einer weiteren Erforschung. Sie kritisieren, dass Frauen dadurch weiter zu Objekten degradiert würden und die Gleichstellung zwischen Mann und Frau geschädigt werde.

Kritisch sehen die Entwicklung auch zwei Münchner Sexualtherapeutinnen. Heike Melzer ist an sich nicht überrascht davon angesichts zunehmender Fälle von Porno- und Sexsucht: „Sex mit Robotern ist im Prinzip nur eine Fortführung dessen, was ohnehin schon im Fluss ist. Es soll immer krasser und immer extremer sein. Dieses Suchtverhalten wird dadurch bedient,“ sagt sie im Gespräch mit der AZ. Melzer schätzt, dass zwischen fünf und zehn Prozent der Deutschen sex- oder pornosüchtig sind.

Ein Roboter bedient sexuelle Bedürfnisse ganz einfach: „Ich muss mich nicht darum kümmern, ob der Partner Lust hat. Ich kann mit dem Roboter machen, was ich will und ich muss auf keine Wünsche eines anderen achten“, schildert es Melzer.

Und wann wird Ihr Job von Robotern erledigt? Testen Sie es!

Eben nicht auf Wünsche eines anderes eingehen wollen, ist auch das, was die Sexualtherapeutin Beatrice Wagner mit Praxen in München und Icking immer häufiger beobachtet: „Die Sexualität hat sich in letzter Zeit wahnsinnig verändert. Es gibt immer mehr beziehungsgestörte Menschen. Man konzentriert sich auf sich selbst, die Partnerin ist sozusagen auch nur ein Objekt. Wir verlernen, uns aufeinander einzustellen“, sagt sie zur AZ.

Diese Entwicklung hat großes Suchtpotenzial

Ein reales Liebesleben kann ein Roboter Wagners Meinung nach nicht ersetzen. „Wenn man Sex mit einem Menschen hat, den man liebt, kommt die gegenseitige Gefühlsdimension hinzu. Diese fehlt beim Sex mit einem Objekt.“ Der Wunsch nach immer mehr Befriedigung wächst dadurch, auch Wagner spricht in diesem Zusammenhang von einem Suchtpotenzial.

Therapeutin Melzer glaubt, dass vor allem Einsame, solche, die sich schwer mit Kontakt zu anderen tun, aber auch Süchtige, die die Abhängigkeit noch gar nicht wahrgenommen haben, für eine solche Roboter-Liebe empfänglich sein könnten. „Es ist eine optimale Bedürfnisbefriedigung für den Moment.“

Doch sie sagt ganz klar: „Am Ende werden diese Menschen noch weniger in der Lage sein, eine Beziehung und Sex mit einem normalen Menschen zu haben.“

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