Der 18-jährige Simon Aschenbrenner aus Schwabing hat die Sprengung auf Video aufgenommen. Das geht jetzt um die Welt.

München - Dunkle Dächer. Ein Baum. Windrauschen in den Blättern. Grillen zirpen – da geht die Sonne im Schnelldurchlauf auf: Eine Lichtkugel zuckt im Dunkel, wird zum orangen Blitz. Sekunden später folgt das dumpfe Röhren der Explosion. Schreie. Ein Mann johlt, eine Frau lacht hysterisch. Die Flammen steigen hoch und nehmen die Form einer glühenden Badeente an. dann lösen sie sich in Rauch auf.  

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Hunderttausende Menschen haben das gesehen – vielleicht sind es schon Millionen: Der große Knall von Schwabing, auf Film gebannt. Der Mann, der das aufgenommen hat, heißt Simon Aschenbrenner. Er ist 18 Jahre alt und hat gerade Abitur gemacht. Er wohnt in der Germaniastraße – rund 300 Meter von der Feilitzschstraße entfernt. Aschenbrenner filmt gerne. Ein Jahr lang hat er im Supermarkt gearbeitet, um sich seine Panasonic-Fotokamera leisten zu können. Damit nahm der Abiturient das Weihnachtskonzert seiner Schule auf oder die Klassenfahrt nach Griechenland. Er drehte auch einen Film über Sprayer in München. Das alles stellte er auf die Videoplattform „Vimeo“. Schöne Filme, aber eher was für Freunde und Bekannte. Ein paar Klicks nur.

Aschenbrenners neuester Streifen aber ist jetzt weltberühmt. „Ich habe schon über 100000 Plays auf Vimeo“, sagt er. „Das ist überwältigend!“ Das Video steht auf den wichtigen Nachrichten-Webseiten. Microsoft zeigt es, ja sogar die englische BBC. Die Presseagentur „dapd“ kauft ihm Screenshots – Stillbilder – des Films ab. Die gehen wiederum an hunderte Zeitungen. Und überall der Hinweis: Copyright Simon Aschenbrenner.

Er zeigt der Welt, was am Dienstag in Schwabing passierte – mit einer Aufnahme von der Dachluke seiner Wohnung. „Um 20.45 Uhr haben sie gesagt, dass sie sprengen wollen. Da habe ich mich ans Fenster gestellt.“ Eine Stunde wartet er da. Im Wohnzimmer harren seine Mutter und seine Schwester aus. „Dann kamen drei kurze Töne“, sagt Aschenbrenner – und Bumm. Die Wucht der Explosion hat er so aber nicht erwartet: „Wie gewaltig die war!“

Gleich danach setzt er sich an den Rechner, schneidet den Film und lädt ihn hoch. Um 23.07 Uhr ist er online. Nach kurzer Zeit melden sich Sender, Webseiten und Zeitungen. Und bieten Geld, um sein Video zu zeigen. Viel Geld sogar: „Ich bin überrascht, wie viel zusammenkommt“, sagt Simon. Bis sechs Uhr morgens beantwortet er Anfragen.

Dass sein Film so begehrt ist, überrascht ihn weniger: „Die Leute waren froh, das zu sehen. Die großen Sender hatten ja nichts.“ Die ganze Kohle will er jetzt für seine Reise nach Südamerika nutzen. „Ich kann’s gut brauchen – ich suche gerade auch einen Job.“

Wenn Simon Aschenbrenner zurückkommt, will er studieren. Natürlich Film.