Die Firma Congstar vergibt die Nummer einer Münchnerin einfach an jemand anderen. „Die machen, was sie wollen!”

MÜNCHEN - Auf einmal war die Leitung tot. Telefonieren? Fehlanzeige. Dann berichteten Bekannte: Als sie die altbekannte Nummer wählten, habe sich ein Fremder gemeldet. Das sei jetzt sein Anschluss, sagte der. Helena von Gundlach kontaktierte sofort ihren Telefon-Anbieter „Congstar”. Der versprach Abhilfe. Aber nichts passierte.

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Das alles war gegen Ende des vorigen Jahres. Seither hat die Kunstmalerin das blanke Chaos erlebt. Dabei lautet der Slogan von Congstar: „Du willst es. Du kriegst es.”
Von wegen.

Die Telefon-Leitung blieb stumm. Obwohl der Anbieter schriftlich versprochen hatte, die Kundin könne ihre Nummer bald wieder nutzen. Nur die monatlichen Rechnungen, die trudelten weiter ein. „Auf Mails kam keine Reaktion”, sagt Helena von Gundlach. „Es war so, als wenn man auf eine Gummiwand schießt.”

Im Februar wurde es der Münchnerin zu bunt. Sie kündigte – nachdem sie schon zwei Monate lang zwangsweise auf den Anschluss verzichtet hatte. Trotzdem waren für Januar 26,58 Euro und im Monat darauf 30,78 Euro von ihrem Konto abgebucht worden. Die Kündigung wurde von Congstar auch schriftlich bestätigt. „Sie können Ihren Anschluss letztmalig am 29.02.2012 nutzen”, stand in der Mail. „Die spinnen”, dachte Helena von Gundlach bloß noch.

Kündigung hin oder her – die Firma buchte unbeirrt weiter Geld vom Konto ihrer Ex-Kundin ab. Die ahnte nichts Böses. Schließlich hatte sie bei der schriftlichen Kündigung Anfang Februar ja auch ihre Einzugsermächtigung zurückgezogen. Erst im Mai stellte sie auf ihren Kontoauszügen fest, dass Congstar immer noch die Monatspauschale von 24,99 kassierte. Sofort ließ sie ihre Bank das Geld zurückholen. Aber: Für den März-Betrag war’s schon zu spät. „Die machen, was sie wollen”, ärgerte sich die Münchnerin.

Als danach auch noch eine „Zahlungserinnerung” bei ihr eintrudelte, schrieb sie der Firma eine wütende Mail. „Ich will mein Geld zurück”, stand darin. „Ich finde das Ganze bodenlos.” Congstar verlangte sogar noch eine „Rücklastschriftgebühr” von 14,99 Euro – und das gleich zwei Mal, weil die Bank zwei Abbuchungen zurückgerufen hatte.

Alle Proteste nützten nichts. Im nächsten Monat, inzwischen war Juni, landete wieder eine Congstar-Rechnung im Postfach. „Sie sind wieder total daneben! Es hört ja gar nicht auf!”, wütete Helena von Gundlach in einer weiteren Mail an die Firma. Die zeigte erst jetzt, nach einem halben Jahr, ein Einsehen – sie nahm die unberechtigten Forderungen zurück und versprach, zumindest die Grundgebühr für den März zurück zu bezahlen.

Helena von Gundlach hat allerdings längst den guten Glauben an den Anbieter – übrigens eine Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom – verloren. Sie wandte sich an die AZ, damit das monatelange Chaos auch wirklich aufhört. „Das Ganze hat mich viel Zeit gekostet, viele Nerven – und viele Handy-Telefonate.”

Auf AZ-Anfrage räumt ein Congstar-Sprecher die Fehler sofort ein: „Wir bedauern die Unannehmlichkeiten, die Frau von Gundlach entstanden sind.” Der Grund dafür „war ein Systemfehler, der auf unseren technischen Vordienstleister zurückzuführen ist”. Der habe die Rufnummer zum 30. November an einen anderen Kunden vergeben.

Warum danach noch monatelang Geld von der Münchnerin verlangt worden ist? „Im System wurde die Nummer noch Frau von Gundlach zugeordnet.” Daher seien ihr Kosten berechnet worden, obwohl die Nummer schon einem neuen Kunden gehörte. „Bei der Kündigung gab es dann leider einen weiteren Bearbeitungsfehler, der dazu geführt hat, dass die Grundgebühr des Vertrags weiterberechnet wurde”, heißt es bei Congstar.

Der Prozess, bis dieser Fehler gefunden worden sei, „hat aus unserer Sicht deutlich zu lange gedauert”. Die Firma entschuldigt sich und verspricht, dass Helena von Gundlach zu viel bezahltes Geld zurückbekommt. Die wiederum hofft, dass sie nun endlich das von Congstar kriegt, was sie will: ihre Ruhe. 

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