Seit Tagen bewegt dieser Fall München: Drei junge Männer aus Afghanistan randalieren und pöbeln in der U-Bahn, attackieren Fahrgäste, ein Zeuge hält das Geschehen auf Video fest. Zwei der Tatverdächtigen sitzen bereits in Haft. Jetzt schnappte die Polizei auch den dritten.

München - Pöbeleien, lautes Schreien, Übergriffe auf Fahrgäste. Drei junge Männer aus Afghanistan hatten am vorvergangenen Wochenende in den Münchner U-Bahn-Linien U1 und U5 randaliert. Wenige Tage nach den aufsehenerregenden Zwischenfällen waren sie untergetaucht.

Am Freitag hat ein aufmerksamer Polizeibeamter einen der mutmaßlichen Täter wiedererkannt. Der 20-Jährige und sein 19 Jahre alter Komplize wurden schließlich festgenommen. Nachdem der letzte Tatverdächtige am Sonntagnachmittag gefasst wurde, sitzen alle drei nun in Untersuchungshaft.

 

Der Fall

 

 

Am vorvergangenen Samstag, dem 30. Januar, fiel eine Gruppe von Personen in der U1 durch Pöbeleien und aggressives Verhalten auf. Dabei saß einer der Männer einer älteren Dame und ihrem Ehemann gegenüber. Ohne ersichtlichen Grund spuckte der Mann plötzlich der Münchnerin vor die Füße. Als sich die Frau und ihr Begleiter einen anderen Sitzplatz suchen wollten, fasste der Täter der Frau an den Hintern und versuchte ihr noch ein Bein zu stellen. Daraufhin setzte sich das Ehepaar in ein anderes Abteil. Am nächsten Tag erstatten die Eheleute Anzeige bei der Polizeiinspektion 32 in Grünwald.

Der Täter nahm zu einer weiteren im Waggon sitzenden Frau Kontakt auf, sprach sie an und griff ihr ins Haar. Nachdem die junge Frau ihm zu verstehen gab, dass sie keinen Kontakt wünscht, schlug er gegen eine Seitenscheibe des U-Bahnwaggons. Durch den Schlag aufgeschreckt ermahnten mehrere Fahrgäste die Gruppierung sich zu mäßigen. Darüber war eine weitere Person aus der Gruppe erbost, sprang über eine Sitzbank und ging auf einen Fahrgast los. Er griff nach dem Mann und versuchte ihn zu schlagen bzw. zu würgen. Nur aufgrund couragierten Eingreifens weiterer Fahrgäste konnte die angespannte Situation entschärft werden.

Lesen Sie hier: U-Bahn-Attacke - das geschah davor, so ging es weiter

Am Hauptbahnhof stieg die Gruppe von der U1 in die U5 in Richtung Neuperlach um. Auch in der U5 verhielt sich die Gruppe weiterhin äußerst aggressiv, schreckte durch lautes Schreien und Pöbeleien Fahrgäste auf. Eine Streife der U-Bahnwache forderte die Randalierer zur Ruhe auf. Dieser Anordnung kam die Gruppe ebenso wenig nach wie der Aufforderung, ihre Fahrkarten vorzuzeigen. Da sich die Randalierer zudem weigerten, in der Station Lehel den Zug zu verlassen, rief die U-Bahnwache drei Polizeistreifen zu Hilfe. Und auch gegen die Polizisten setzten sich die jungen Männer heftig zur Wehr. Da zu diesem Zeitpunkt der Vorfall in der U1 noch nicht bekannt war, wurden die drei Tatverdächtigen nach den polizeilichen Maßnahmen entlassen.

 

Das Video

 

Ein Zeuge nahm Teile der Auseinandersetzung in der U1 mit seiner Handykamera auf und stellte das Video in die sozialen Medien ein. Später meldete sich der Zeuge bei der Münchner Polizei.

 

 

Die Festnahmen

 

Am Freitag erkannte ein Polizeibeamter in seiner Freizeit am Karlsplatz einen der gesuchten Täter wieder und verständigte den Polizeinotruf. Zwei Polizeibeamte der Polizeiinspektion 14 (Westend) fuhren daraufhin zum Karlsplatz. Gemeinsam gelang es den drei Beamten den Beschuldigten, einen 20-jährigen Afghanen, im Untergeschoss der S-Bahn einer Kontrolle zu unterziehen. Bei der anschließenden Überprüfung konnte festgestellt werden, dass es sich bei der kontrollierten Person um einen der gesuchten Täter von der Auseinandersetzung in der U-Bahn handelt. Da für den 20-jährigen Afghanen ein Untersuchungshaftbefehl vorlag, wurde ihm die vorläufige Festnahme erklärt. Der 20 Jahre alte Beschuldigte wurde in die Haftanstalt des Polizeipräsidiums München überstellt.

Am Samtstagnachmittag ergaben schließlich die Ermittlungen, dass sich ein weiterer Gesuchter der U-Bahn-Auseinandersetzung am Wiener Platz aufhalten soll. Der 19-jährige Afghane wurde am Johannisplatz von Polizeibeamten widerstandslos festgenommen. Auch er wurde in die Haftanstalt des Polizeipräsidiums München überstellt.

Der dritte Tatverdächtige lieferte sich quasi selbst aus: Sonntagnachmittag begleitete der 25-Jährige einen Bekannten zur Polizeiinspektion 11 in der Münchener Altstadt. Die Beamten erkannten den Mann und nahmen ihn umgehend fest. Mehr zur dritten Festnahme lesen Sie hier.