Mit einer aufwendigen Show feiert BMW sein 100-jähriges Bestehen – und zeigt, wie es sich das nächste Jahrhundert in einem Auto vorstellt.

München - Das Weißwurstfrühstück mit seinen Kollegen an jedem Freitagvormittag, sagt der Azubi aus China, ja das mag er. Kurz darauf legt der Konzernchef seine Hand auf die des Weißwurstliebhabers, zu fünft stehen sie jetzt da, die Hände über eine Kugel gelegt. Dann batschen sie drauf und der Boss sagt: „The next onehundred years start now.“ Und was dann in der Münchner Olympiahalle passiert, das ist schon eine recht süffige Show.

Eine gute Stunde zuvor ist noch Smalltalk-Wetter. Das Licht ist wenig, kühl und blau, die Lüftung bläst kräftig, Ledersohlen tapsen über Kopfsteinpflaster, Anzüge fallen elegant aus und Kleider sitzen gut. Der größte Konzern der Stadt, die umsatzstärkste Firma im Freistaat, sie hat zur Feierei geladen. BMW begeht sein 100-Jähriges. Vor einen Jahrhundert wurde das Unternehmen ins Handelsregister eingetragen und startete kaum einen Kilometer vom Ort der Feier entfernt am Oberwiesenfeld mit der Motorenproduktion. Darum gibt’s jetzt eine Party.

Wobei: Offiziell stößt man auf die nächsten 100 Jahre an. Bloß nicht rückwärtsgewandt wirken, sondern wie schon der Lehrer in der Schule sagte: Nach vorn schauma!

Diese Vorschau macht BMW zum Spektakel. Am Grund der Olympiahalle ist der Quere nach eine Bühnenlandschaft aufgebaut, auf der sich Robbie Williams verlaufen würde. 2000 Menschen sind hier eingeladen, darunter Bosse, Politiker, Promis, Medien und 300 Mitarbeiter, die bei ihrer Erwähnung später alle fleißig winken werden. Weil die Veranstaltung aber jeder, der bei BMW arbeitet, sehen soll, wird sie live übertragen – in die Allianz Arena und in alle BMW-Standorte weltweit.

Dort sehen die Mitarbeiter erst einmal, wie sie gelobt werden, vom Aufsichtsratschef Norbert Reithofer („großartige Leute, die Unvergleichliches leisten“), vom Ministerpräsidenten Horst Seehofer („Liebe BMWler in aller Welt, Ihr Unternehmen ist typisch bayerisch: viel beneidet, nie erreicht“) und eben auch von vier Auszubildenden, die BMW beispielhaft auf der Bühne aufreiht und auswendig von ihrer Begeisterung erzählen lässt. Dann der Knopfdruck der Azubis zusammen mit Chef Harald Krüger auf das „Symbol der Zunkunft“ – und die Vorstellung beginnt.

BMW zeigt, dass es an Phantasie für die Zukunft nicht fehlt

Was in der nächsten guten halben Stunde folgt, muss jeden, der ein wenig begeisterungsfähig ist, beeindrucken. Die Geschichte und die Zukunft des Konzerns werden emotional inszeniert. Die Bühne reicht dabei vom Boden bis zur Decke und durch die Luft dazwischen, Videoelemte sind perfekt auf Tänzer, Sänger und Sprecher abgestimmt, der Klang ist bestechend, die Choreographie akribisch. Immer wieder fahren BMW-Modelle über die verschiedenen Bühnenebenen, auch Rolls Royce und Minis sowie Motorräder. Der Geruch der Abgase benebelt zusätzlich, als würde die Wucht der Eindrücke noch nicht langen. Unterhaltung, das kann der Autobauer also auch.

Am Ende der Show steht das, was BMW sich unter dem Auto der Zukunft vorstellt: der BMW Vision Next 100. Ein Mobil, das so vernetzt sein soll, dass es „jeden Fahrer zu einem besseren Fahrer macht“, ja gar zum „ultimativen Fahrer“, wie Boss Harald Krüger sagt.

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Die Karosserie des Next 100 verformt sich mit den Reifenbewegungen, drinnen gibt es außer einem Lenkrad nichts mehr an Bedienelementen, das Auto lebt durch bewegliche geometrische Elemente, und wenn’s wär, dann tät es freilich auch eigenständig fahren.

Nach der Show geht’s für die Gäste zurück nach oben aufs Kopfsteinpflaster. Aus den Würstlbuden wird Buntes in Cocktailgläsern gereicht, viele schauen noch ein bisserl geföhnt von dem Spektakel. Ganz schön viel. Aber gewiss weiß man nach dieser Feier: Phantasie hat man bei den Bayerischen Motorenwerken. Und das ist in einer Branche, in der es um Innovationen geht, ja schon mal gar nicht nicht so schlecht.