FC Bayern: Lahm und Schweinsteiger wehren sich Die Wutrede: "Ich bin kein Chefchen!"
Patrick Strasser, 28.04.2011 16:33 Uhr
Arjen Robben mit Philipp Lahm (l.) und Bastian Schweinsteiger, die er indirekt kritisiert hat.Foto: dapd
Schweinsteiger wehrt sich gegen den Vorwurf, er sei kein Führungsspieler. Dabei wird er unflätig: "Pisser!"
München - Ein Punkt hinter Hannover, und nur noch drei Spiele hat der FC Bayern, um den schlimmsten Fall der Fälle abzuwenden: die Europa-League-Teilnahme, die Champions-League dann nur im TV.
Es werden Nerven-Spiele, angefangen mit der womöglich vorentscheidenden Partie um Platz 3 am Samstagabend (18.30 Uhr, Liveticker bei abendzeitung.de) gegen den FC Schalke. Da fällt es schwer, cool zu bleiben – besonders, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt. Bastian Schweinsteiger hatte sein Ventil gefunden, er reagierte sich in einer Pressekonferenz am Donnerstag ab, indem er auf einen Reporter losging und ihn übel mit Kraftausdrücken („Lügner! Pisser! Arschloch!“) beleidigte.
"Im Endeffekt bin ich der Idiot, nur weil ich am längsten dabei bin“
Der 26-Jährige echauffierte sich über einen Artikel eines Sportfachmagazins, das in der Ausgabe vor 14 Tagen getitelt hatte: „Chefchen Schweini. Neuer Vertrag, altes Problem. Er taucht zu oft ab“. Darin wurde dem Vize-Kapitän vorgeworfen, die Mannschaft nicht führen zu können, eben kein Chef zu sein.
Dagegen wehrte sich Schweinsteiger energisch: „Ich bin kein Chefchen! Ich bin lange genug dabei und jeder hört in der Kabine auf das, was ich sage. Es wird ganz anders dargestellt als es ist. Ich tue alles für den Verein. Ich spiele mit Schmerzen, versuche jedes Mal, ein gutes Spiel hinzubringen. Und im Endeffekt bin ich der Idiot, nur weil ich am längsten dabei bin.“
Weiter verteidigte er sich und motzte den Reporter an: „Dann frag doch mal in der Kabine rum! Man muss nicht nach außen den großen Macker spielen. Das muss man nicht! Intern muss man da sein, und nicht nach außen.“ Er meinte das ideale Rollenverständnis eines Kapitäns, nicht seinen Auftritt.
Schweinsteiger polterte weiter: „Vor einem halben Jahr war ich noch im ,kicker’ Mann des Jahres und auf einmal soll ich nicht mehr Fußball spielen können? Meinst du, es liegt nur an mir, dass wir um Platz Drei kämpfen?“ Selten gab es so offene Worte, selten offenbarte ein Spieler, wie es wohl um das Binnen-Verhältnis in der Mannschaft steht. Eine Erkenntnis kam ihm: „Auch ich spiele nicht immer auf Topniveau.“
Die Führungsspieler-Debatte, zu der sich auch Kapitän Philipp Lahm (siehe unten) geäußert hatte, wurde am Mittwoch ausgelöst als Arjen Robben am selben runden Konferenztisch gesprochen hatte. Der Holländer gestand, wie sehr er seinem ehemaligen Kapitän, seinem Landsmann Mark van Bommel, nachtrauert. „Wir haben unsere Kapitäne (Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger, d.Red.), aber Mark van Bommel war ein echter Führungsspieler. So einer fehlt jetzt“, hatte Robben gesagt und erklärt: „Wenn es gut läuft, braucht man solche Führungsspieler nicht. Aber wir haben zu viele Spiele weggegeben.“
Gegenüber dem TV-Sender „Sport1“ meinte er noch: „Ich vermisse Mark. Ich glaube nicht, dass es die richtige Entscheidung war, ihn gehen zu lassen. Er ist ein Führungsspieler und wir haben nicht viele davon in unserer Mannschaft. Wir hätten ihn brauchen können diese Saison und ich glaube, wir hätten einige Punkte mehr geholt und auch in der Champions League gegen Inter hätte er eine wichtige Rolle spielen können. Es sind nicht nur seine fußballerischen Qualitäten, sondern er kann auch eine Mannschaft zusammenhalten.“
Bei seiner Schimpftirade verließ Schweinsteiger („Ich habe keine Lust mehr!“) sogar zwischenzeitlich wutentbrannt den Raum, kehrte nach 30 Sekunden – vom Vereinssprecher wieder eingefangen – jedoch zurück. Giovanni Trapattoni hat 13 Jahre später seinen Nachfolger gefunden.
Was beweist: Es herrscht dicke Luft im Kader. Droht der Zoff um den Führungsstil dazu zu führen, dass die Mannschaft ihr letztes Saisonziel aus den Augen verliert? Oder setzen die Profis ihre Wut gegen Schalke in Aggressivität auf dem Platz um?
„Es wird eine sehr enge Angelegenheit. Wir müssen alles in die Waagschale werfen“, nahm Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge im „Bayern Magazin“ das Team in die Pflicht. Schweinsteiger forderte: „Wir müssen von ersten Sekunde vermitteln, dass wir dir drei Punkte wollen. Das muss jeder Fan merken.“
Und miteinander spielen wäre auch nicht schlecht.


schweinsteiger hat recht und darf dass...
...dann auch in der schärfe sagen. ok: a-loch gehört jetzt sicher nicht zur feinen sprachauswahl. aber in der presse gehen sie ja auch nicht gerade zimperlich mit ihm um - einige ungeduldige, nimmersatte eigene fans im ürbigen auch nicht. jetzt ist ihm halt mal die hutschnur hochgegangen, na und? er ist führungsspieler, der sich nicht versteckt. nur er haut halt nach außen nicht so auf den putz, was ich gut und auch für das team gesund finde. er stellt sich nicht nach vorne, das passt mir bei robben derzeit nicht. der jammert immer nach nach angeblich nicht mehr vorhandenen führungsspielern und was ist dann er bzw. warum übernimmt er nicht mehr verantwortung, mit 27 jahren auch eher einer von den älteren und fussballerisch ohnehin unantastbar. aber genau das stört. deshalb gefällt mir schweinsteigers reaktion jetzt sogar. es war mal zeit, auch in dieser bayerischen derbheit auf den tisch zu hauen. immerhin ist der schweinsteiger wer und hat sich das auch in den letzten für ihn nicht einfachen jahren nicht nur verdient, er hat es sich hart erarbeitet und musste stets immer wieder auch viel kritik einstecken. schweinstieger ist zur rechten zeit am rechnten ort. also keine strafen bitte für einen, der den mund aufmacht, kritisch denkt, teamorientiert und ehrgeizig ist, und als kapitän (egal ob vize oder nicht) sogar die pfllicht hat, auch mal dampf zu machen.
Robben auf der Suche nach Schuldigen?
Eine eigenartige Diskussion, losgetreten durch einen überaus ehrgeizigen Spieler, der endlich seinen Platz in der Ruhmeshalle des Fußballs einzunehmen trachtet. Robben, unverletzt wahrscheinlich einer der besten Offensivspieler Europas, immer wieder durch Verletzungen aus dem Geschehen gekegelt, kann sich nur schwer mit dem fehlenden Erfolg dieser Saison abfinden. Nach dem verlorenen Finale bei der WM 6 Monate auf Reha, zurückgekehrt in eine Mannschaft für die der Zug schon fast abgefahren war, und der die Ordnung fehlte. Für diese schwierige Situation vor allem die fehlende Führungsstärke einiger Spieler verantwortlich zu machen, scheint mir um so fragwürdiger, als Robben selbst, unbenommen seiner sportlichen Klasse, immer wieder seiner Verantwortung nicht gerecht wird. Allzu oft fehlt bei dem Versuch, sich selbst in Szene zu setzen der Blick aufs Team. Und das nicht nur auf dem Spielfeld, wo es schon mal seine eigenen Mitspieler abkriegen, wenn in ihm der Frust aufsteigt, oder wahlweise der Schiedsrichter (gerne auch nach dem Spiel). Seine vagen Äusserungen zum Verbleib beim FC Bayern, seine Kritik an Mitspielern, seine Forderung nach mehr Qualität im Kader tragen ebenfalls nur wenig zum Erfolg bei. Mit etwas mehr Selbstkritik, Disziplin und Teamgeist wäre der Erfolg, und damit der Weg in den Kreis der wirklich großen Spieler sicher leichter zu erreichen.
Nationalspieler?
An einen deutschen Nationalspieler sollte man andere Maßstäbe anlegen als an bekannte Liga-Rüpel wie z.b. Maik Franz oder van Bommel. Normalerweise gehört Schweini vereinsintern bestraft - aber angesichts der prekären Lage in der Liga traut sich das natürlich keiner. Wird Zeit adss Heynckes kommt!