Schweinsteiger wehrt sich gegen den Vorwurf, er sei kein Führungsspieler. Dabei wird er unflätig: "Pisser!"

München - Ein Punkt hinter Hannover, und nur noch drei Spiele hat der FC Bayern, um den schlimmsten Fall der Fälle abzuwenden: die Europa-League-Teilnahme, die Champions-League dann nur im TV.

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Es werden Nerven-Spiele, angefangen mit der womöglich vorentscheidenden Partie um Platz 3 am Samstagabend (18.30 Uhr, Liveticker bei abendzeitung.de) gegen den FC Schalke. Da fällt es schwer, cool zu bleiben – besonders, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt. Bastian Schweinsteiger hatte sein Ventil gefunden, er reagierte sich in einer Pressekonferenz am Donnerstag ab, indem er auf einen Reporter losging und ihn übel mit Kraftausdrücken („Lügner! Pisser! Arschloch!“) beleidigte.

"Im Endeffekt bin ich der Idiot, nur weil ich am längsten dabei bin“

Der 26-Jährige echauffierte sich über einen Artikel eines Sportfachmagazins, das in der Ausgabe vor 14 Tagen getitelt hatte: „Chefchen Schweini. Neuer Vertrag, altes Problem. Er taucht zu oft ab“. Darin wurde dem Vize-Kapitän vorgeworfen, die Mannschaft nicht führen zu können, eben kein Chef zu sein.
Dagegen wehrte sich Schweinsteiger energisch: „Ich bin kein Chefchen! Ich bin lange genug dabei und jeder hört in der Kabine auf das, was ich sage. Es wird ganz anders dargestellt als es ist. Ich tue alles für den Verein. Ich spiele mit Schmerzen, versuche jedes Mal, ein gutes Spiel hinzubringen. Und im Endeffekt bin ich der Idiot, nur weil ich am längsten dabei bin.“

Weiter verteidigte er sich und motzte den Reporter an: „Dann frag doch mal in der Kabine rum! Man muss nicht nach außen den großen Macker spielen. Das muss man nicht! Intern muss man da sein, und nicht nach außen.“ Er meinte das ideale Rollenverständnis eines Kapitäns, nicht seinen Auftritt.
Schweinsteiger polterte weiter: „Vor einem halben Jahr war ich noch im ,kicker’ Mann des Jahres und auf einmal soll ich nicht mehr Fußball spielen können? Meinst du, es liegt nur an mir, dass wir um Platz Drei kämpfen?“ Selten gab es so offene Worte, selten offenbarte ein Spieler, wie es wohl um das Binnen-Verhältnis in der Mannschaft steht. Eine Erkenntnis kam ihm: „Auch ich spiele nicht immer auf Topniveau.“

Die Führungsspieler-Debatte, zu der sich auch Kapitän Philipp Lahm (siehe unten) geäußert hatte, wurde am Mittwoch ausgelöst als Arjen Robben am selben runden Konferenztisch gesprochen hatte. Der Holländer gestand, wie sehr er seinem ehemaligen Kapitän, seinem Landsmann Mark van Bommel, nachtrauert. „Wir haben unsere Kapitäne (Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger, d.Red.), aber Mark van Bommel war ein echter Führungsspieler. So einer fehlt jetzt“, hatte Robben gesagt und erklärt: „Wenn es gut läuft, braucht man solche Führungsspieler nicht. Aber wir haben zu viele Spiele weggegeben.“

Gegenüber dem TV-Sender „Sport1“ meinte er noch: „Ich vermisse Mark. Ich glaube nicht, dass es die richtige Entscheidung war, ihn gehen zu lassen. Er ist ein Führungsspieler und wir haben nicht viele davon in unserer Mannschaft. Wir hätten ihn brauchen können diese Saison und ich glaube, wir hätten einige Punkte mehr geholt und auch in der Champions League gegen Inter hätte er eine wichtige Rolle spielen können. Es sind nicht nur seine fußballerischen Qualitäten, sondern er kann auch eine Mannschaft zusammenhalten.“

Bei seiner Schimpftirade verließ Schweinsteiger („Ich habe keine Lust mehr!“) sogar zwischenzeitlich wutentbrannt den Raum, kehrte nach 30 Sekunden – vom Vereinssprecher wieder eingefangen – jedoch zurück. Giovanni Trapattoni hat 13 Jahre später seinen Nachfolger gefunden.

Was beweist: Es herrscht dicke Luft im Kader. Droht der Zoff um den Führungsstil dazu zu führen, dass die Mannschaft ihr letztes Saisonziel aus den Augen verliert? Oder setzen die Profis ihre Wut gegen Schalke in Aggressivität auf dem Platz um?

„Es wird eine sehr enge Angelegenheit. Wir müssen alles in die Waagschale werfen“, nahm Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge im „Bayern Magazin“ das Team in die Pflicht. Schweinsteiger forderte: „Wir müssen von ersten Sekunde vermitteln, dass wir dir drei Punkte wollen. Das muss jeder Fan merken.“

Und miteinander spielen wäre auch nicht schlecht.
 

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