FC Bayern-Serie Teil 3: Sammy Kuffour im Interview "Effenberg war einfach unglaublich"

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Sammy Kuffour 2003 im Heimtrikot der Bayern. Foto: dpa

AZ: Herr Kuffour, müssen Sie noch oft an das Finale von Mailand denken?

SAMMY KUFFOUR: Ja, wir lagen früh zurück, durch einen Elfmeter. Dann gab es kurz darauf ein Foul, ich glaube von Angloma, und Elfmeter für uns. Normal schießt der Scholli den rein, aber er hat irgendwie in den Boden getreten und verschossen. Da hab’ ich gedacht: Oh mein Gott! Nicht schon wieder das Finale verlieren! Aber Gott sei Dank hatten wir mit Oli Kahn einen Super-Torwart!

Wie lief es dann weiter?

Wir hatten Glück, dass Carboni nach der Pause Hand gespielt hat, nach einem Kopfball von Carsten Jancker – wir bekamen wieder Elfmeter. Effe hat den reingemacht. Danach hatten wir auch noch ein paar Chancen, aber der liebe Gott weiß das besser als wir.

Wie wichtig war Stefan Effenberg in diesem Spiel?

Oh! Ich habe mit vielen Spielern gespielt, aber ich habe noch nie einen Spieler mit so viel Persönlichkeit gesehen wie Effenberg, ehrlich. Er war einfach unglaublich. Er ging auch vor dem Spiel zu einigen Spielern. Zu mir kam er ins Zimmer und sagte: „Sammy, heute müssen wir gewinnen – nicht wie vor zwei Jahren gegen Manchester.” Und wir wollten gewinnen! Die Champions League ist für mich wichtiger als eine WM.

Wie nervös war das Team vor dem Finale, nachdem das Endspiel zwei Jahre zuvor so unglücklich gegen Manchester verloren worden war?

Ich glaube, dass die Spieler von Manchester und auch ihr Trainer Alex Ferguson wussten, dass wir die bessere Mannschaft waren. Wir hatten einen Pfosten- und einen Lattentreffer und viele Chancen. Aber es sollte halt nicht sein. Zwei Jahre später haben wir Manchester im Viertelfinale rausgeschmissen – so ist der Fußball.

Am Elfmeterschießen waren Sie in Mailand nicht beteiligt. Haben Sie nie Strafstöße geschossen?

Doch, doch! Bei den Amateuren habe ich viele geschossen, immer rein, kein Thema! Gegen Valencia war dann die Frage: Schießt Thomas Linke oder schieße ich? Thomas hat dann geschossen, der Ball ist rein, und ich war glücklich, denn ich wollte, dass meine Mannschaft gewinnt, ganz egal, wer die Elfer schießt.

Dafür haben Sie dann beim Sieg im Weltpokalfinale das einzige Tor gemacht.

Alle Fans des FC Bayern werden sich immer an dieses Tor erinnern, weil wir diesen Pokal 26 Jahre lang nicht mehr gewonnen hatten. Das war eines der wichtigsten Tore in meiner Karriere.

Verfolgen Sie denn in Ghana die Spiele Ihres alten Klubs?

Klar, ich sitze bei jedem Spiel vorm Fernseher, habe mir einen Decoder für die Bundesliga besorgt. Der FC Bayern ist immer in meinem Herzen.

Spielen Sie noch selbst?

Ab und zu kicken wir mit Freunden, Yeboah, Akonnor – alle sind in Accra. Nächsten Mittwoch haben wir ein Benefizspiel für die Vereinten Nationen: Westafrika gegen eine Weltauswahl, Figo, Nedved, alle sind dabei.


Sind Sie manchmal noch in München?

In zwei Monaten besuche ich meine Mama.

Ihre Mama?

Ja, meine Mama: Karin Potthof (die Sekretärin von Uli Hoeneß, Anm. d. Redaktion).

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