Erst die Saison ohne Titel, danach der EM-Flop – viele Stars des FC Bayern haben Frust im Gepäck. Hier erklären Robben und Tymoshchuk, wie sie ihr Selbstvertrauen und den Spaß wiederfinden.

ARCO Irgendwann nach der dritten oder vierten Nachfrage gab Arjen Robben dann doch zu, dass er nicht alles einfach so weggesteckt hat. „Ich bin nicht dumm und bin keiner, der bestimmte Sachen schnell vergessen kann”, sagte er schließlich.

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Am Mittwoch in Riva del Garda hat man also einen jener seltenen Momente erlebt, in denen ein enttäuschter und emotional verletzter Fußballer eben nicht nur sagt: „Alles ist abgehakt. Was passiert ist, ist passiert. Jetzt fangen wir wieder bei Null an.” Diese Sätze hat Robben am Mittwoch freilich auch gesagt, und wahrscheinlich passen beide Aussagen besser zusammen, als es auf den ersten Blick scheint.

Sportler propagieren seit jeher eine ganz spezielle Art der Trauma-Bewältigung. Das Oliver Kahn'sche Theorem des „weiter, immer weiter” mag für Psychologen vielleicht seltsam klingen, ist für Sportler aber normal. Wer ständig im Wettbewerb steht, muss sowohl aus positiven wie aus negativen Erlebnissen neue Motivation schöpfen. „Es geht jede Saison wieder von vorne los”, sagte auch Anatoliy Tymoshchuk.

Wunden lecken? Aktive Problembewältigung? Ach, was! Urlaub machen! Weitermachen! Aufstehen! So lautet die Devise.

Das gilt für den EM-Frustrierten Tymoshchuk, das gilt für den vorbelasteten Robben. Das wird aber auch für die acht deutschen Nationalspieler der Bayern gelten, wenn sie am Samstag zur Mannschaft stoßen werden.

Am Gardasee erlebt Robben gerade, dass auch die Fans nicht nachtragend sind. Der Niederländer, der als größter Sündenbock ausgemacht worden war nach dem Verpassen der drei Titel. Er, der ausgepfiffen worden war in der Allianz Arena vom eigenen Publikum beim Freundschaftsspiel der Bayern gegen die Elftal. Er, der schließlich bei der EM in der Vorrunde ausschied, wird in Riva und Arco gefeiert wie kein anderer Spieler. Bei jedem Training wird er mit viel Beifall bedacht, braucht am längsten, um alle Autogramm- und Fotowünsche zu erfüllen. Und Robben ist gut drauf. Er lacht viel, albert rum. Am Dienstag zwickte er Masseur Gianni Bianchi in die Brustwarzen. „Ich mache kein Theater. Ich bin, wie ich bin. Ich habe einen sehr schönen Urlaub gehabt, fühle mich wohl, freue mich auf die neue Saison”, sagte Robben.

Beim Testspiel gegen die Trentino-Auswahl war er in der ersten Halbzeit bester Spieler auf dem Platz, erzielte drei Tore. Trainer Jupp Heynckes bescheinigte ihm eine große Spielfreude. „Ich bin richtig fit, habe keine Schmerzen, und das soll so bleiben”, sagte Robben, „ich werde alles geben für den FC Bayern.” Ein Wechsel, wie nach den Pfiffen von Ex-Bayer Mark van Bommel empfohlen, stand für ihn nicht zur Debatte. Ebenso wenig wie für Tymoshchuk, der sich im Champions-League-Finale geweigert hatte, einen Elfmeter zu schießen.
Robben hat mit großer Genugtuung registriert, dass der neue Sportvorstand Matthias Sammer sich hinter ihn gestellt hat, dass er angekündigt hat, ihn mehr schützen zu wollen. Mit den anderen Nationalspielern wird Sammer nicht anders umgehen.

„Es kann nur besser werden”, sagte Robben nun zu den vergebenen Titelchancen – und versprach den Fans indirekt schon mal die Meisterschaft. „Eins ist klar: Meister werden in der nächsten Saison wir”, hatte er bereits am Dienstagabend bei einem Fanfest im benachbarten Torbole gesagt. Mit Robben als Flügelflitzer, aber auch mit Robben als Führungsspieler. „In jeder Mannschaft muss es Spieler geben, die vorneweg gehen. Ich werde vor dieser Verantwortung nicht davonlaufen”, sagte Robben noch.

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