In der AZ spricht der Großvater über Götzes Kindheit im Allgäu, das Talent seines Enkels und die „richtige Freundin”

AZ: Herr Götze, ganz Fußball-Deutschland liegt Ihrem Enkel Mario zu Füßen. Wo haben Sie seinen Gala-Auftritt als weißer Brasilianer verfolgt?

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WILLI GÖTZE: Daheim auf dem Sofa, wie die meisten Spiele. Danach habe ich mir noch die Lobeshymnen in „Waldis Club” angeschaut und bin dann ins Bett. Über das Spiel geredet habe ich erst am Morgen danach mit meinen Kumpels vom Frühschoppen. Die waren genauso begeistert wie ich.

AZ: Hatten Sie je erwartet, dass aus Mario so ein großartiger Spieler wird?

Götze: So etwas kann man höchstens hoffen. Ich habe mir aber schon früher immer gedacht: Wenn der so weitermacht, kann das für ihn was werden. Mario hat als F-Jugendlicher in Ronsberg alle schwindelig gespielt, obwohl er mit Abstand der Kleinste auf dem Platz war.

AZ: Verfolgen Sie seine Spiele?

Götze: Alle, natürlich. Und wenn ich mal nicht gucken kann, zeichne ich das Spiel auf. Aber ab und zu fahren wir auch nach Dortmund, obwohl ich um die Karten beim BVB meistens ganz schön betteln muss – und den Mario will ich auch nicht immer damit belästigen. Bei der Meisterfeier waren wir aber im Stadion und haben mitgefeiert. Und Mario hatte sogar ein bisschen Zeit für uns. Die Treffen mit ihm sind immer sehr herzlich. Er kam gleich auf uns zu und hat uns ganz fest umarmt.

AZ: Wie oft sehen Sie ihn?

Götze: Lange nicht mehr so oft wie früher. Meistens an Weihnachten. Das feiert er immer mit seinen Großeltern in Günzach und Ronsberg. Nur in diesem Jahr ist sein Besuch noch nicht mal ganz sicher, er hat ja kaum Zeit. Aber wir telefonieren sehr häufig.

AZ: Wer hat Mario zum Fußball gebracht?

Götze: Das war sein Vater. Der war selbst mal ein ganz guter Spieler beim TSV Günzach. Und Mario war schon als kleiner Junge sehr bewegungsfreudig und ballverliebt. Es gab für ihn keinen Tag ohne Ball. Als die Familie in seiner Kindheit für ein Jahr in Amerika war, hat er auch Baseball und andere Sportarten ausprobiert, Hauptsache mit Ball. Und für ihn und seine Brüder wurde im Haus in Dortmund eigens ein kleiner Fußballplatz eingerichtet. Bei uns hat er immer auf dem Hof und auf der Straße gebolzt. Er war als kleiner Junge manchmal ein Lausbub und hat beim Spielen die Lampen an meiner Garage runtergeschossen.

AZ: Was zeichnet Ihren Enkel auf dem Platz aus?

Götze: Ich würde ihn einen Instinktfußballer nennen. Er macht alles aus dem Gefühl heraus, es sieht bei ihm immer so leicht aus. Ich bezeichne ihn immer als Ameise. Weil er einfach überall ist. Manchmal denke ich: Jetzt steht er da rum – und nun? Dann ist er in der nächsten Sekunde wieder am Ball und macht was Tolles.

AZ: Und Sie sind nun BVB-Fan?

Götze: Nein. Ich halte es mit der Weisheit „Der Bessere soll gewinnen”. Insgeheim hoffe ich aber immer auf einen Sieg für Mario und den BVB.

AZ: Stimmt es, dass Mario insgeheim ein Bayern-Fan ist?

Götze: Ja. Er hat früher in Bayern-Bettwäsche geschlafen. Genau wie seine Brüder Fabian und Felix, der beim BVB in der D-Jugend spielt.

AZ: Meinen Sie, er geht mal zum FC Bayern?

Götze: Es ist meine größte Hoffnung, dass er bloß nicht zu den Bayern geht. Was soll er da? Auf der Bank sitzen? In Dortmund hat er alles, was er braucht: Seine Freunde, eine tolle Mannschaft, seine Familie. Dort stimmt alles. Mehmet Scholl sagte nach dem Länderspiel, dass für Mario das Wichtigste nun eine vernünftige Frau wäre. Also noch hat er keine Freundin, soweit ich weiß. Finden würde er wohl ganz leicht eine, vor allem weibliche Fans belagern häufig das Haus der Familie. Ich vertraue ihm absolut, dass er die Richtige findet, die nicht nur hinter seinem Geld her ist. Er ist ein ganz helles Köpfchen und wird sich da richtig entscheiden.

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