Brandon Thomas, Basketballer beim FC Bayern, feiert sein erstes Weihnachtsfest in München. In seiner amerikanisch-skandinavischen Familie gibt es zwei Mal Geschenke – und kein Fleisch

MÜNCHEN Glühwein? Brandon Thomas schaut skeptisch. „Ich habe mich doch erst vor Kurzem damit angefreundet, ab und zu mit meiner Frau ein Gläschen Wein zu trinken – aber doch nicht heißen Wein!”

Thomas, US-Profi und bei den Basketballern des FC Bayern für die spektakulären Flugeinlagen zuständig, lacht. Seine Frau Rebecca nickt dem 28-Jährigen aufmunternd zu. „An einem trainigsfreien Tag ist das schon okay”, sagt Thomas und genehmigt sich einen Schluck: „Gar nicht schlecht”, sagt er. Der alkoholfreie Kinderpunsch von Töchterchen Camryn sagt ihm dennoch mehr zu, die Zweijährige schlummert derweil dick eingepackt im Kinderwagen.

Seit vier Monaten steht der Sohn eines US-Soldaten beim FC Bayern unter Vertrag, für ihn und seine kleine Familie ist es das erste Weihnachtsfest in Bayern. Viel Zeit für Besinnlichkeit bleibt allerdings nicht: Nach dem 123:97-Sieg am Samstag in Hagen spielt die Mannschaft schon am zweiten Feiertag daheim gegen Bremerhaven (17 Uhr, Audi Dome).

„Natürlich wäre es schön, wenn wir an den Festtagen bei unseren Lieben in den USA sein könnten, aber wir pflegen auch so einen engen Kontakt”, sagt Thomas. Internet und Skype machen’s möglich. „Unsere Eltern sind ganz vernarrt in die Kleine, sie haben uns schon Pakete mit Geschenken geschickt.” Cookies und Bücher sind dabeigewesen, aus Florida kam für Camryn ein Spielzeug-Handy.

Rebecca Thomas kommt ursprünglich aus Skandinavien, deshalb besteht sie auch darauf, dass es an Weihnachten eine doppelte Bescherung gibt. „In den USA ist es ja üblich, dass die Geschenke am Morgen des 25. ausgepackt werden”, sagt Brandon Thomas, „aber meine Frau will auch an Heiligabend feiern.”

Auch beim Weihnachtsbaum, der schon seit zwei Wochen geschmückt im Wohnzimmer der Familie Thomas steht, hat Gattin Rebecca ihren eigenen Willen. „Zuhause in den USA hatte meine Familie immer denselben Plastikbaum, den wir jedes Jahr rausgeholt haben”, sagt der Basketballer und lacht. „Aber das kommt für Rebecca nicht infrage, sie besteht auf einem echten Baum. Doch in einem Punkt ist sie dann doch typisch amerikanisch: Wenn es nach ihr ginge, wäre unser ganzes Haus mit Lichterketten und Figuren geschmückt – am liebsten das ganze Jahr über!”

Auf das Weihnachtsessen freut freut er sich schon. „Amerikanische Feiertage drehen sich eigentlich hauptsächlich ums Essen”, sagt Thomas. Weihnachtsgans steht aber nicht auf der Karte, Thomas lebt seit einem Jahr vegetarisch. „Das tut mir richtig gut”, sagt er, „an Weihnachten fällt es mir aber schon schwer. Vor allem, wenn es überall so lecker nach gebratenem Fleisch duftet.” Er dreht sich in Richtung Bratwürstlstand und hebt die Nase in den Wind.

Töchterchen Camryn ist derweil aufgewacht und will auf Daddys Arm. Zeit für eine Thomas-Tradition: „Jetzt suchen wir uns einen Weihnachtsbaum-Schmuck aus, jedes Jahr kommt ein Teilchen hinzu”, erklärt Rebecca. Camryn zeigt schließlich auf ein bemaltes Holz-Häuschen, die Verkäuferin packt es in Zeitungspapier. Das kleine Mädchen schaut enttäuscht zu ihrer Mutter und quengelt: „Aber Mommy, ich will es doch gleich essen!”