Nach der Valencia-Partie mahnt Rummenigge: „Die letzten beiden Spiele haben mir nicht gefallen.” Die Angst der Bayern: Ein Absturz wie 2011

Valencia - Als sich es die Bayern-Bosse im Flieger bequem gemacht hatten, studierten sie erstmal die Tabellensituation aller Champions-League-Gruppen. „Schau mal”, sagte Karl-Heinz Rummenigge zu Jupp Heynckes, „es werden einige Große Probleme haben, weiterzukommen.” Die Pott-Diebe vom FC Chelsea etwa. Sie hatten im Mai das „Finale dahoam” zum Albtraum werden lassen. Nun wurde eine Revanche in den K.o.-Runden durch deren 0:3 bei Juventus Turin unwahrscheinlicher.

Dies rückte das eigene 1:1 beim FC Valencia trotz der 60 Minuten Überzahlspiel in ein positiveres Licht. Können sich die Bayern momentan auf dem Platz nur mit Mühe selbst helfen, so helfen andere. Am Samstag Leverkusen, das Verfolger Schalke besiegte. Aus einem schwachen 1:1-Auftritt in Nürnberg wurde sogar ein Punktgewinn. Am Dienstag verhalfen die Franzosen aus Lille durch ihr 2:0 in Borissow zum Weiterkommen. Und wer zweifelt an einem Heimsieg gegen die Weißrussen am 5. Dezember?

Läuft es nicht, hilft ein Blick auf die Tabelle. National und international. Die Beipackzettel der Saison versprechen etwas Linderung. Doch hat man das Rezept gegen die Nebenwirkungen des souveränen Einteilens der Konkurrenz noch nicht gefunden: Übermut und Selbstzufriedenheit sind gefährliche Symptome.

Bei seiner Rede auf dem Bankett im Mannschaftshotel in Valencia sagte Karl-Heinz Rummenigge: „Die letzten beiden Spiele haben mir nicht gefallen. Wir müssen aufwachen. Wir müssen den Schalter wieder umlegen. Wir müssen wieder die Gangart hinkriegen, die uns so stark gemacht hat, die uns weit, weit in der Bundesliga-Tabelle nach oben gebracht hat.”

Der Vorstandsboss sprach, als wolle er der Belegschaft zur kollektiven Grippeschutzimpfung raten – wie dies in vielen Betrieben in dieser Jahreszeit gehandhabt wird. Nicht jeder Angestellte nimmt die Warnung ernst. Und die Bayern? Nun komme „eine Woche, die ganz wichtig ist für die Zukunft”, mahnte Rummenigge. Die Bayern empfangen am Samstag Hannover 96, Mittwoch geht es gegen Freiburg, am 1. Dezember gegen Dortmund. „Wir müssen in dieser Woche alles in die Waagschale legen, alles”, forderte Rummenigge, „damit wir das verhindern, was uns im letzten Jahr passiert ist.”

Es geht die Angst um, dass sich das Szenario des letzten Herbstes wiederholen könnte. Acht Punkte – weg. Wird Dortmund wieder (Aufhol-)Meister? Es ist ja so: Wer (zu) viel Vorsprung scheffelt, hat viel zu verlieren. Beim Verlassen des Banketts hatten die Bosse wieder bessere Laune. Es wurde geflachst – auf Kosten des Präsidenten. Basketball-Fan Uli Hoeneß hatte bei einem Schulbesuch in Valencia bei drei Freiwürfen versagt. Gibt aber keinen Punktabzug in der Liga. 

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