Familien-Drama in Emmering Erzieherin tötet Kinder: "Glaubte an glückliche Familie"
Nina Job, 20.08.2012 10:35 UhrMit Plastiktüten erstickt die Erzieherin Catrin F. ihre Kinder Hannes († 6) und Moritz († 4). Dann begeht sie Selbstmord. Der Ort ist erschüttert
Emmering - Am Zaun blühen meterhohe Sonnenblumen, im Gemüsebeet stecken bunte Holzfiguren. Unter dem Gartentisch liegt der Ball, mit dem die beiden Buben immer gespielt haben. Das helle Holzhaus in Emmering bei Fürstenfeldbruck wirkt, als sei die Familie verreist. Doch die Familie wird nicht zurückkommen. Am Freitag ereignete sich hinter den verschlossenen Rollläden eine entsetzliche Familientragödie. Erzieherin Catrin F. (†38) erstickte ihre Söhne Hannes († 6) und Moritz († 4) und beging Selbstmord. Ihr 45-jähriger Ehemann, Vater der Kinder, fand die Leichen, als er spät abends nach Hause kam.
In der Neubausiedlung am Leitenfeld/Schwabenberg, am Ortsrand von Emmering (6300 Einwohner), haben sich junge Familien ihre Träume verwirklicht. Jedes der modernen Einfamilienhäuser hat individuelle Besonderheiten, viele haben Solaranlagen auf dem Dach. Die Rasenflächen sind gepflegt, in den Gärten stehen Riesen-Trampoline, Fußballtore und Plantschbecken. Hier kennt jeder jeden, die Kinder spielen zusammen in den Gärten und auf den Straßen der 30er-Zone.
Auch Catrin und Karl F. verwirklichten hier vor drei Jahren ihren Traum vom eigenen Heim. Im Herbst hätte das Paar seinen achten Hochzeitstag gefeiert. Ihr Grundstück grenzt an ein offenes Feld in Sichtweite zur S-Bahntrasse. Auf der Stirnseite befindet sich ein neu angelegter Spielplatz der Gemeinde. „Eine perfekte, glückliche Familie, dachte ich“, sagt ein Nachbar. „Für sein Traumhaus in Holz hat er viel Anerkennung bekommen, es ist hervorragend gemacht“, sagt ein Stadtrat.
Catrin F. half zeitweise bei den „Tigerenten“ im Kindergarten „Sausebraus“ der Gemeinde als Erzieherin aus. Morgens brachte sie ihre beiden Buben in den katholischen Kindergarten St. Benno. „Sie waren ganz angenehme Leute. Freundlich und kontaktfreudig. Die Buben haben immer höflich gegrüßt“, erinnert sich ein Rentner. Hannes, der Ältere, sollte im September eingeschult werden.
Die Idylle ist am Freitag zerbrochen. Es war gegen 23 Uhr, als Karl F. nach Hause kam. In seinem Haus herrschte Totenstille. Zuerst fand er seine Frau. Sie hatte sich im Erdgeschoss erhängt. Dann entdeckte er seine beiden Söhne: Sie lagen im Kinderzimmer. Die Mutter hatte ihnen Plastiktüten über den Kopf gestülpt. Die Obduktion ergab am Samstag, dass sie erstickt sind. Ob Catrin F. ihre Kinder vorher betäubt hatte, ist nicht klar. Feingewebliche Untersuchungen sollen Gewissheit bringen.
Auch über das Motiv, das Catrin F. dazu brachte, ihre Kinder umzubringen und sich anschließend selbst zu töten, herrscht Unklarheit. Einen Abschiedsbrief hat die Erzieherin nicht hinterlassen, allerdings wurden im Haus zahlreiche Zettel gefunden. Karl F. ist von der Polizei noch nicht ausführlich befragt worden. Nachdem er seine tote Familie gefunden und die Polizei verständigt hatte, wurde er von einem Kriseninterventionsteam betreut. Er ist jetzt bei Verwandten.
Catrin F. hatte sich erst vor Kurzem eine „Auszeit“ genommen, in der sie nicht arbeitete. Der Grund dafür sollen Depressionen gewesen sein. „Sie war deswegen auch in Behandlung“, sagt eine Mutter zur AZ. Im Ort ist auch von einer bevorstehenden Trennung und angeblich auch finanziellen Problemen die Rede. Catrin F. soll Angst gehabt haben, ihr Zuhause zu verlieren. Ein Polizeisprecher konnte das gestern nicht bestätigen.
Der Schock in Emmering sitzt tief: „ Man kann sich einfach nicht vorstellen, dass so etwas passieren kann“, sagt ein Nachbar. „Auch der Pater hat in seiner Sonntagspredigt darüber gesprochen, wie unbegreiflich das ist. Wir haben für die Familie gebetet.“




Erzieherin tötet Kinder...
Sehr geehrtes Redationsteam, Ihre Zeitungsdarstellung des Vorfalls und die Bilderserie auf dieser Web-Seite empfinde ich als traurigen und schmerzerzeugenden Bildzeitungsstil. Daran merkt man, Ihnen geht es nur um die Nachricht aber nicht um die Hinterbliebenen. Hier wäre, wie auch schon öfters, etwas Zurückhaltung angebracht. Die die gegangen sind merken nichts mehr, aber die die bleiben weinen. Also...? Mit freundlichen Grüßen ES
wie geht man mit sowas um?
es gibt und gab zwar in den letzten Jahren immer wieder solche Vorfälle, aber dieser hier beschäftigt mich aussergewöhnlich stark. Als Vater einer kleinen Tochter könnte ich sofort zum Weinen anfangen, wenn ich diesen Berichte aus Emmering lese. Auch wenn ich mich Depressionen auskenne, was einen Selbstmord zumindest plausibler macht, ist diese Tat unvorstellbar schlimm. Das man sich selbst umbringt kann man ja evtl. noch nachvollziehen, wenn jemand schwere Depressionen hat; aber wenn ich an die Kinder denke, die kleinen unschuldigen lieben Kinder, denen das ganze schöne Leben genommen wurde, macht mich das wirklich fertig.
kompliziertes Thema
Die Frau, die den Kindern erst das Leben geschenkt hat, hat es ihnen jetzt wieder genommen. Keine Mutter tötet die eigenen Kinder leichtsinnig, die hat sich das sicher lange überlegt und hatte schwerwiegende Problem. Aus ihrer (kranken) Sicht, hat sie geglaubt, sie würde den Kindern sogar einen Dienst erweisen und wollte sie nicht 'alleine zurücklassen' - das hatte für die Täter oft eine innere Logik.Offenbar war sie auch gläubig und hat gemeint, sie würde im Jenseit wieder mit ihren Kindern unbeschwert zusammenkommen. Das können wir natürlich nicht nachvollziehen, aber aus der Sicht psychisch kranker Menschen haben diese Handlungen tatsächlich eine kranke Logik, die wir als Außenstehender nicht begreifen können.