Familie muss live zusehen Frau von Ehemann und Schwager vor laufender Kamera misshandelt

Gagandeep S. und Daljeet K. auf dem Oktoberfest. Foto: privat

Streit um eine Mitgift: Eine 28-Jährige wird von ihrem Ehemann schwer misshandelt. Ihre Eltern in Indien erleben das Martyrium live via Internet mit.

Ismaning - "Liebe heißt für immer", schreibt Daljeet K. auf ihrem Facebookprofil. Ihre große Liebe heißt Gagandeep S. (30). Die Ehe mit dem Sicherheitsexperten wird für die 28-jährige Inderin zum Horror.

Der Bräutigam hat mit den Schwiegereltern, wie in seiner Heimat üblich, vor der Hochzeit im November letzten Jahres eine Mitgift vereinbart. Rund 3,7 Millionen Rupien, umgerechnet 50.000 Euro, sollte die Familie der Braut bezahlen. Tut sie aber nicht.

Gagandeep S. bleibt hartnäckig. Immer wieder fordert er Geld. Seinen Frust über die fehlende Mitgift reagiert er an seiner hübschen, jungen Frau ab. Im Oktober schlägt er sie auf offener Straße. Passanten greifen ein, informieren die Polizei. Gagandeep S. arbeitet für eine Sicherheitsfirma. Seit zehn Jahren lebt er in München. Er hat ein gutes Einkommen. Doch auf Mitgift will der 30-Jährige nicht verzichten.

Die Eltern erleben mit, wie ihre Tochter brutal verprügelt wird

Um seine Schwiegereltern, die in der Nähe von Neu Delhi leben, unter Druck zu setzen, fasste er einen Plan. Sie sollen sehen, wie es ihrer Tochter ergeht, wenn sie nicht zahlen. Am Freitagabend gegen 23 Uhr nimmt er per Videotelefonie via Internet Kontakt zu ihnen auf, in Indien ist es bereits kurz vor vier Uhr morgens.

Was die Eltern auf dem Monitor sehen, erschüttert sie zutiefst. Sie erleben mit, wie der Schwiegersohn auf ihre Tochter einprügelt. "Es waren massive Misshandlungen", sagt Josef Wimmer, Chef der Münchner Mordkommission. Gagandeep S. tobt und schreit. Er droht angeblich sogar, seine Frau zu töten.

Sein jüngerer Bruder ist in der Wohnung anwesend. Doch der 21-Jährige, der in München als Küchenhilfe arbeitet, fällt ihm nicht in den Arm. Statt seine Schwägerin zu schützen, beteiligt er sich an deren Misshandlung.

Die Eltern müssen hilfloszusehen wie ihrer Tochter immer wieder ins Gesicht geschlagen wird. Doch sie können Daljeet nicht helfen, sie sind fast 6.000 Kilometer entfernt.

Der Hilferuf geht um die halbe Welt und kommt doch noch rechtzeitig

Die Eltern finden doch noch eine Lösung, wie sie Daljeet helfen können. Sie rufen einen Freund an, der in Köln lebt. Der wiederum verständigt die Polizei in München. Eine Streife der PI 26 (Ismaning) fährt zum Tatort in die Konradstraße. Die Beamten klingeln.

Gagandeep S. öffnet, auch sein Bruder ist noch da. Doch keine Spur von Daljeet K. Die Beamten rechnen bereits mit dem Schlimmsten.

Doch die 28-Jährige hat es selbst geschafft, ihren Peinigern zu entkommen. Sie hat seit kurzem einen Job in der Küche eines Restaurants. "Ich muss zur Arbeit", behauptet sie. Doch ihr Mann ist misstrauisch. Er nimmt ihr Pass und Handy weg, damit sie kein Kontakt zu Eltern oder Freunden aufnehmen kann.

Daljeet K. irrt am Samstagmorgen ziellos durch Unterföhring. Ihr Gesicht ist geschwollen – Blutergüsse, Prellungen, ein blaues Auge. Doch sie ist noch am Leben. Schließlich vertraut sie sich Menschen auf der Straße an, die ihr sofort helfen. Die Inderin wird inzwischen psychologisch betreut und von Expertinnen für Opferschutz im Polizeipräsidium beraten.

Gagandeep S. und sein Bruder sitzen in U-Haft. Ein Ermittlungsrichter erließ Haftbefehl gegen beide wegen gefährlicher Körperverletzung.

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