Ex-Wiesn-Wirt rechnet ab Sepp Krätz: "Ich wurde wie ein Hund verjagt!"

Als er alles verloren hatte, widmete er sich der Wagyu-Rinderzucht: Sepp Krätz mit Stier Haruki vorm Hippodrom im Postpalast. Foto: Wackerbauer

Vom Society-Liebling zum Steuersünder. Exklusiv in der AZ die Abrechnung des ehemaligen Wiesn-Wirts Sepp Krätz – mit sich und dem Oktoberfest.

München - "Ja, Burli", sagt er. "Alles gut, Burli, brav, Burli." Der Burli heißt eigentlich Haruki, ist ein leibhaftiger Stier aus der Wagyu-Rinderzucht von Sepp Krätz (61), Münchens schillerndem Wirt, der an Höhen und Tiefen so ziemlich alles erlebt hat.

Im März 2014 wurde der Society-Liebling wegen Steuerhinterziehung (1,1 Millionen Euro) in seinem Wiesnzelt Hippodrom und dem Andechser am Dom zu einer Bewährungsstrafe (ein Jahr und zehn Monate) und einer Geldstrafe (570.000 Euro) verurteilt. Jetzt steht Sepp also mit Burli, der an der Tierschau des Zentrallandwirtschaftsfestes teilnimmt, vor seinem neuen Hippodrom – das während der Wiesn wie schon im vergangenen Jahr wieder im Postpalast an der Hackerbrücke zum Schunkeln einlädt (Tipp: Unter der Woche gibt’s noch Plätze!). Gut schaut er aus, der Sepp, nicht mehr so müde und abgekämpft wie zu Prozess-Zeiten.

Mit der AZ redet Krätz zum ersten Mal Klartext – er rechnet mit sich und der Wiesn ab.

AZ: Herr Krätz, Ihr Rind schafft es heuer auf die Wiesn. Wie schaut’s mit Ihnen aus?
SEPP KRÄTZ: Der Kas ist bissn.

Aber Anfang Juli teilte Ihnen der neue KVR-Chef mit, dass die Stadt Sie wieder für vertrauenswürdig hält. Sie dürfen wieder arbeiten.
Darauf freue ich mich auch wahnsinnig. Das ist ein wichtiger Schritt für mich.

Und auf die Konzession, die im Herbst folgen soll.
Hoffentlich, ja. Die letzte Zeit war furchtbar. Ich war im Andechser – und doch war ich nicht richtig da. Mir waren im wahrsten Sinne die Hände gebunden. Nicht mal einen Teller durfte ich abräumen. Das war für mich, aber auch für die Gäste und Mitarbeiter, schwierig. Eine harte Zeit, die nun glücklicherweise vorbei ist.

Lesen Sie hier: Sepp Krätz - Der Steuersünder darf wieder Gäste bedienen

Sie starten wieder voll durch?
Ja, klar! Ich kann wieder mit anpacken, Gäste bedienen, nicht nur reden, das ist toll. Nur vom Büro und der Kasse halte ich mich fern. (lacht) Wenn es denn mit der Konzession klappt, hätte ich schon gerne ein neues Lokal.

Auf der Wiesn?
Sag niemals nie. Aber daran glaube ich gerade nicht.

Die Gerüchteküche brodelt: Sie sollen das Tambosi am Hofgarten übernehmen.
Ach ja?

Ja.
Ich hab gehört, Ugo Crocamo macht das, weil der sich mit dem Inselkammer gut versteht.

Nach unseren Informationen macht er’s nicht. Die Stelle wäre also noch frei für Sie.
Die Lage ist schon hervorragend. Aber bei mir hat sich niemand gemeldet.

Vielleicht sollten Sie mal das Telefon in die Hand nehmen.
Ich dachte, da sind schon 100 Bewerber. Aber es stimmt: Reizen würde mich das Tambosi auf jeden Fall. Ich hätte auch Lust, das Maredo zu übernehmen, ein tolles Steakhouse zu machen.

Einmal Wirt, immer Wirt?
Klar, das ist meine Leidenschaft. Ich glaube auch, dass ich es so schlecht nicht mache. Nie gemacht habe. Ich war jüngster Metzgermeister, Gastronom des Jahres, habe der Wiesn auch viel Gutes getan mit dem Hippodrom. Haben mir zumindest viele Menschen gesagt.

Wie viele Tränen haben Sie vergossen, als Sie alles verloren haben?
Keine einzige Träne.

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War es eine Schockstarre?
Es war schon ein tiefer Schlag. So etwas kratzt am Selbstbewusstsein. Ich war traurig, verletzt, habe mich zurückgezogen und viel nachgedacht. Meine Familie war mein Halt.

Waren Sie mehr sauer auf sich – oder die Stadt?
Natürlich habe ich mich über mich selbst geärgert. Aber vor allem über die Stadt. Ich wurde von der Wiesn verjagt wie ein Hund. Ohne Respekt. Ich wurde nicht verabschiedet, sondern vertrieben. Nach all den Jahren, das schmerzte sehr. Da gab es keine Dankbarkeit. Weder von Ude noch vom neuen Wirt ...

... Siegfried Able, der an alter Hippodrom-Stelle das Marstall betreibt.
Er hat nicht mal überlegt, mir mein Zelt abzukaufen, sich unfair verhalten. So was macht man nicht und so was vergisst niemand.

Was ist mit dem Hippodrom?
Das wird noch eingelagert. Vielleicht verschenke ich es.

Waren Sie mal im Marstall?
Nein. Da zieht’s mich nicht hin.

Und auf die Wiesn?
Seit der Geschichte war ich nicht mehr da. Wenn mein sechsjähriger Sohn Arthur auf die Wiesn will, geht meine Frau Tina mit ihm raus. Ich kann da nicht sein, nach allem, was passiert ist. Noch nicht.

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