Minikameras in Rauchmeldern Trainer filmt heimlich nackte Mädchen: Bewährung für Spanner

Der Angeklagte hält sich am Montag im Münchner Amtsgericht einen Aktenordner vor sein Gesicht. Foto: Aleksandra Bakmaz/dpa

Widerlicher Prozess am Amtsgericht München: Der damalige Jugendtrainer eines Sportvereins aus dem Münchner Umland hat Minikameras in Rauchmeldern, Bewegungsmeldern oder Lufterfrischern versteckt, um die Mädchen seiner Einrad-Mannschaft heimlich nackt zu filmen. Vor Gericht hat er nun ein Geständnis ablegt.

München - Für Eltern ist es ein wahrgewordener Albtraum. Die Sporttrainer, denen sie ihre Sprösslinge anvertrauen, missbrauchen dieses Vertrauen, um sich an den Kindern zu vergehen oder wie in dem Fall der am Montag am Amtsgericht verhandelt wurde, um ohne Wissen der Opfer Nacktaufnahmen von ihnen zu machen.

Einrad-Experte Paul K. (45, Name geändert) war seit 2008 Jugendtrainer des TSV Gilching-Argelsried. Er gibt am Montag zu, dass er Mädchen seiner Einrad-Mannschaft heimlich in intimen Situationen gefilmt hat. Als ihn die Vorsitzende Richterin Ines Tauscher nach den Anklagevorwürfen fragt, sagt er kurz: "Das stimmt."

Der IT-Vertriebler nutzte sein Knowhow, um Minikameras in Rauchmeldern, Bewegungsmeldern oder Lufterfrischern zu installieren und diese dann an geeigneter Stelle zu platzieren. Nach den Aufnahmen baute er die Geräte immer wieder ab, blieb auf diese Weise lange unentdeckt.

Erst seine damalige Lebensgefährtin soll die Polizei 2015 auf die Spur gebracht haben. Die Ermittler durchsuchten am 22. Dezember 2015 die Wohnung des Unterschleißheimers und fanden außer jeder Menge Kinderpornos (mehr als 4.000 Dateien) auch die Nacktaufnahmen von 49 Einrad-Sportlerinnen.

"Ich kann's nicht wieder gut machen."

"Ich habe immer gedacht, ich kann es geheimhalten", sagte der 45-jährige. Und versuchte die anwesenden Opfer und deren Angehörige zu beruhigen. Er habe die Aufnahmen immer nur zu privaten Zwecken genutzt. Kein Bild, kein Video sei je im Internet aufgetaucht.

Er blickt in den voll besetzten Zuschauerraum des Gerichts und entschuldigt sich: "Es sind ja viele da. Ihr habt mir vertraut. Ich kann's nicht wieder gut machen."

Eins verspricht er noch: "Ich habe nicht vor, je wieder als Trainer zu arbeiten." Der TSV Gilching-Argelsried hatte bereits zuvor die Konsequenz gezogen und den Mann seines Amtes enthoben.

Die intimen Aufnahmen, die zwischen 2007 und 2015 entstanden waren, habe er sich angeschaut, um sich sexuell zu befriedigen, wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor. Was er selbst zu seiner Motivation sagt, wird erst besprochen nachdem die Öffentlichkeit von der Verhandlung ausgeschlossen ist.

Der Ex-Trainer des TSV Gilching-Argelsried steht aber auch wegen des Besitzes von kinderpornografischen Schriften vor Gericht. Die Polizei hatte diese auf diversen Datenträgern in der Wohnung entdeckt.

Auch diesen Vorwurf gibt Paul K. zum Prozessauftakt unumwunden zu. Allerdings sei das Herunterladen der Kinderpornos "recht lange her", erklärt der 45-Jährige.

Amtsrichterin Tauscher verurteilte ihn zu zwei Jahren Haft auf Bewährung.

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