Evangelischer Priester Ernst Cran: Vom Pfarrhaus auf die Pegida-Bühne

Hier spricht der mittlerweile konfessionslose Theologe Ernst Cran in Dresden. Foto: Screenshot youtube

Und jetzt steht Ernst Cran sogar vor Gericht. Dem ehemaligen Rockmusiker und evangelischen Priester wird Volksverhetzung vorgeworfen. Ob er zum Prozess erscheint, ist unklar.

Bayern - Er eckt gerne und oft an: Ernst Cran, der als rockender Bass-Gitarrist der Band "Die groben Popen" und durch seinen Ausstieg aus der Landeskirche einen gewissen Bekanntheitsgrad erreichte, hat Ärger mit der Justiz. Die Staatsanwaltschaft hat ihn wegen Volksverhetzung angeklagt.

Ob der Ex-Pfarrer am heutigen Freitag vor dem Fürther Amtsgericht erscheinen wird, ist ungewiss. Auf seiner Homepage verkündet der gebürtige Franke, dass er auf unabsehbare Zeit krank sei und deshalb keine Reden bei Beerdigungen oder anderen familiären Ereignissen halten könne. Doch von solchen Reden lebt er, nachdem er den Kirchendienst quittiert hat.

Es geht um seinen Auftritt in Dresden im November 2016

Die öffentliche Verhandlung vor dem Amtsgericht hat er selbst in Gang gesetzt. Er wollte einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft nicht akzeptieren und hat dagegen Beschwerde eingelegt. Der Sprecher der Fürther Justiz bestätigte, dass ihm Volksverhetzung vorgeworfen wird. Ernst Cran ist ein umjubelter Redner bei Pegida-Veranstaltungen. Beim Nürnberg-Ableger Nügida ist er schon mehrfach auf der Bühne gestanden.

In Dresden hat ihn "Pegida"-Initiator Lutz Bachmann sogar höchstpersönlich als Redner willkommen geheißen. Dieser Auftritt von Ernst Cran im November vergangenen Jahres ist jetzt auch Gegenstand des Strafverfahrens. Dort soll er alle Muslime als potenzielle Terroristen bezeichnet haben. Seine Hetzreden richten sich vorwiegend gegen Muslime.

Anhänger von Pegida sind dagegen über den Umgang mit Cran empört. "Zur Zeit wird in Nürnberg eine Art öffentliche Hinrichtung zelebriert", schreibt ein Nutzer auf einer rechtspopulistischen Internetseite. Cran, heißt es weiter, müsse "für seinen Mut und Einsatz" nun teuer bezahlen.

Auch Reden auf Trauerfeiern hat der 60-Jährige gehalten

Seine Mitwirkung bei Pegida hat ihn bereits aus der Rednerliste der Stadt katapultiert und ihn sein Amt im Vorstand der "Bundesarbeitsgemeinschaft Trauerfeier", dem Berufsverband der Trauerredner, gekostet.

Steinig war der Weg des 60-Jährigen bisher ohnehin schon. Ende der 1990er Jahre eckte er mit der Band "Die groben Popen" bei der Kirchenleitung an, kurz darauf wollte er mit der Landeskirche nichts mehr zu tun haben und kehrte ihr den Rücken.

Seine ideologische Zuwendung zur rechten Szene kritisierte im vergangenen Jahr der fränkische Kabarettist Bernd Regenauer. Er hatte Cran für die Beerdigung seines Bruders engagiert und fühlte sich nach Bekanntwerden von dessen Pegida-Nähe getäuscht. "Das hätte mein Bruder niemals gewollt", sagte Regenauer damals lokalen Medien.

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