Europas Fußballer des Jahres Die Krönung: Franck Ribery am Ziel seiner Träume

Franck Ribery küsst die Trophäe: Der Bayern-Star ist Europas Fußballer 2013. Foto: dpa

Der Bayern-Star freute sich wie ein kleiner Junge: Um exakt 18.57 Uhr am Donnerstagabend war Franck Ribéry am Ziel seiner Träume und der neue Fußball-König Europas.

Monaco - Als UEFA-Präsident Michel Platini bei der Bekanntgabe des "UEFA Best Player in Europe" der Saison 2012/13 seinen Name verkündete und sich die Gäste im Grimaldi Forum in Monte Carlo von den Plätzen erhoben, um dem kleinen Franzosen zu huldigen, war der 30-Jährige im feinen grauen Zwirn sichtlich gerührt und dankte zunächst mal seinen Teamkollegen von Bayern München und seiner Familie "Das ist ein sehr spezieller Moment. Dies Auszeichnung krönt ein ganz besonderes Jahr", sagte Ribery.

Die minutenlangen Standing Ovations genoss der Offensivspieler von Triplegewinner Bayern München in vollen Zügen, schließlich hatte sich Ribery gegen den viermaligen Weltfußballer Lionel Messi vom FC Barcelona und Cristiano Ronaldo von Real Madrid, der erst gar nicht ins Fürstentum angereist war, durchgesetzt. Messi, schon zweimal die Nummer eins in Europa, klatschte bei der Bekanntgabe lautstark und war einer der ersten Gratulanten.

Ribery, der am Donnerstagvormittag gemeinsam mit Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge mit einem Privatjet an die Mittelmeerküste gereist war. umarmte seine Nebenleute und freute sich wie eine kleiner Junge unter dem Weihnachtsbaum, während seine Vereinskollegen in ihrem Teamhotel in Prag am Fernseher mitfieberten und nach der Entscheidung lautstark jubelten. Ribéry wurde nach seinem Triumph noch Donnerstagnacht in der tschechischen Hauptstadt erwartet, wo für die Bayern am Freitagabend (20.45 Uhr/ZDF und Sky) der europäische Supercup gegen den FC Chelsea auf dem Programm steht.

Für seinen Teamkollegen Bastian Schweinsteiger und Rummenigge war die Sache vor der Zeremonie in Monacos Stadtteil Larvotto klar, dass Ribery die Nase vorne hat. Auch FIFA-Boss Joseph. S. Blatter hatte sich auf den Franzosen festgelegt. "Er ist hoch verdient Europas Fußballer des Jahres geworden. Franck stellt Extraklasse dar und es ist schön, das dies auch europaweit so gesehen wurde und nicht nur in Deutschland", kommentierte Rummenigge das Abstimmungsergebnis durch 53 europäische Fußball-Journalisten.

Bayerns Sport-Vorstand Matthias Sammer, vor Ribery 1996 letzter Titelträger aus der Bundesliga, lobte Ribery in den höchsten Tönen. "Ich freue mich sehr für Franck, das ist super. Es ist die logische Konsequenz der wunderbaren Entwicklung von Bayern München und des deutschen Fußballs", sagte Sammer dem Sport-Informations-Dienst und fügte an: "Es gibt in Deutschland viele gute, junge Spieler, da war es nur eine Frage der Zeit, bis diese Ehre wieder einmal einem Deutschen zuteil wird. Aber Franck ist schon so lange hier, er ist ja ein halber Deutscher."

Sky-Experte Stefan Effenberg lobte seinen Nachfolger im Bayern-Mittelfeld über den grünen Klee. "Franck Ribéry ist ein Spieler, für den die Zuschauer gerne Eintritt zahlen. Er ist mit dem Ball schneller als viele Bundesligaspieler ohne Ball. Das ist ein Faustpfand. Die technischen Fertigkeiten, sein Instinkt und die Freude am Fußball zeichnen ihn aus. Ich würde gerne Geld bezahlen, um ihn mir anzuschauen", sagte der Tiger.

Die Befürchtung, dass Bundesliga-Profi Ribery im Gegensatz zu Messi und Ronaldo in Europa weniger Strahlkraft und dementsprechend keine große Lobby hat, erfüllte sich glücklicherweise nicht, was auch Bayern-Präsident Uli Hoeneß erfreute. "Es ist überhaupt keine Frage, dass Franck das dieses Jahr verdient hat. Es kann nur ihn als Sieger geben", hatte Hoeneß vor der Gala gesagt. Der Zuspruch für den französischen Nationalspieler kam aber nicht nur aus den eigenen Reihen. Ribéry habe in der Triple-Saison "den Idealzustand oft erreicht", lobte Bundestrainer Joachim Löw: "Er ist ein Spieler, für den man gerne ins Stadion kommt, weil er uns alle zu verblüffen vermag."

FIFA-Boss Blatter meinte: "Er ist fußballerisch eine Kanone." Und Frankreichs Fußballlegende Zinedine Zidane, immerhin Co-Trainer bei Ronaldo-Klub Real, würdigte die "überragende Saison" seines Landsmanns. Vor allem das Triple sprach wohl für den 30-Jährigen. "Ich habe alles getan, individuell und mit der Mannschaft", sagte Ribéry vor wenigen Tagen über seine Aussichten. Sein Weg aus dem "Nirgendwo", wie er selbst das "schwierige Viertel" in seiner nordfranzösischen Heimatstadt Boulogne-sur-Mer nennt, kommt Ribéry dabei selbst wie ein Märchen vor. "Unglaublich" nannte er ihn im Fachblatt kicker. Viele Höhen, aber auch viele Tiefen hat er dabei durchlebt. Erst mit 21 unterschrieb er seinen ersten Profivertrag (beim FC Metz). Zuvor verdingte er sich nebenbei auch als Bauarbeiter, weil er vom Fußball nicht leben konnte. Ribéry kickte in nur drei Jahren bei drei Klubs, ehe er 2007 in München landete. "Franck ist ein Nomade, der in München sesshaft geworden ist", sagte Hoeneß jetzt.

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