4:0! Spanien demütigt Italien und verteidigt in einem grandiosen Finale seinen Europameister-Titel. Torres wird EM-Torschützenkönig.

KIEW - Es ist vollbracht: Das Triple ist geschafft. Nach dem EM-Titel 2008 und dem WM-Erfolg 2010 hat Spaniens Nationalmannschaft auch den EM-Titel 2012 gewonnen und ist nun erste Mannschaft, die drei große Titel in Serie geholt hat. Durch Treffer von David Silva (14.) und Jordi Alba (41.) gewannen die Iberer im Duell der beiden letzten Weltmeister 2:0 gegen Deutschland-Bezwinger Italien. Und so stemmte am Ende mal wieder Kapitän Iker Casillas nach seinem 100. Länderspielsieg seit seinem Debüt vor zwölf Jahren den 30.000 Euro teuren Coup Henri Delauney in die Höhe.

Schon bevor der portugiesische Schiedsrichter das Finale vor 64 000 Zuschauern im Olympiastadion von Kiew angepfiffen hatte, stand ein neuer Rekord fest: ein Zuschauerrekord. In den 31 Spielen strömten 1.442.083 Fans in die acht Stadien in Polen und der Ukraine, womit die Bestmarke von 1996 in England (1.269.894) deutlich übertroffen wurde. Laut Uefa-Präsident Michel Platini lag die Auslastung bei 98 Prozent. Bevor die Spanier ihre Tiki-Taka-Tanz-Show auf den Rasen zauberten, durften nochmal 600 Kinder und Jugendliche in grellgrünen und orangefarbenen Anzügen aufs Feld, um eine zwölfminütige Schlussfeier zu inszenieren.

Sängerin Oceana aus Hamburg trällerte nochmal ihren Kick-Hit „Endless summer“, und dann ging es endlich los, das letzte Spiel dieser EM. Beide Teams hatte sich bei dieser EM schon mal gegenübergestanden, drei Wochen zuvor im Gruppenspiel in Danzig. Es war das vierte Mal, dass Gruppengegner später Finalgegner wurden. Damals kassierte Spanien das einzige Gegentor im Turnier, durch den eingewechselten di Natale. Doch diesmal sah es selten so aus, als würde ein weiteres Gegentor dazu kommen. Im Gegensatz zu Deutschland im Halbfinale zeigten sich die Spanier von Italiens Mittelfeld-Ass Andrea Pirlo (drei Mal „Man of the match“) unbeeindruckt - sie vertrauten auf ihre Stärken und waren auf ein schnelles Tor aus. Die Italiener sahen sich außerstande, die Spanier früh zu stören, wie sie es im Gruppenspiel so geschickt getan hatten.

Das sollte sich rächen. In Minute 10 schoss Tiki-Taka-Spezialist Xavi aus 16 Metern knapp drüber, vier Minuten später war es soweit: Andres Iniesta, der andere Tiki-Taka-Spezialist, passte im perfekten Moment auf den in den freien Raum gestarteten Cesc Fabregas, der auf den Kopf von David Silva flankte: 1:0, Silvas zweites Tor. Zum ersten Mal bei dieser EM lag Italien zurück. 20 Minuten dauerte es, bis die Azzurri es schafften, kurzzeitig so etwas wie Torgefählichkeit auszustrahlen: Als Cassanos Knaller auf Casillas’ Fäusten landete.

Später lieferten sich Montolivo und Casillas ein ähnliches Duel - mit dem gleichen Sieger. Schöner anzusehen: die 41. Minute. Spaniens Linksverteidiger Jordi Alba spurtet über das halbe Feld, exakt im richtigen Moment geschickt von Xavi, ein Linksschuss, 2:0, erstes Tor im elften Länderspiel. Die zweite Demonstration spanischer Fußballkunst. Wie meinte ZDF-Fußballexperte Oliver Kahn in der Halbzeit: „Die Italiener spielen voll mit, und das macht den Spaniern natürlich auch Spaß.“ Das änderte sich auch in Halbzeit zwei nicht. Das „magische Dreieck“ vom FC Barcelona aus Xavi, Iniesta und Fabregas funktionierte prima.

Italien schwächte sich derweil selbst, als Thiago Motta verletzt raus musste, das Wechselkontingent aber erschöpft war: eine halbe Stunde in Unterzahl, gegen Spanier, bei denen man sich sowieso ständig in Unterzahl wähnt. Nach 84 Minuten setzte der eingewechselte Fernando Torres mit dem 3:0 noch einen drauf (er ist nun auch mit drei Treffern Torschützenkönig, weil er dafür weniger Spiel inuten brauchte als der ebenfalls dreimalige Torschütze Mario Gomez), bevor der ebenfalls eingewechselte Juan Mata zwei Minuten vor dem Abpfiff mit dem 4:0 den umjubelten Schlusspunkt setzte. Der höchste Finalsieg aller Zeiten - 1972 hatte die DFB-Elf 3:0 gegen die Sowjetunion gewonne. Auch diesen Rekord ist man nun los. Egal. Vorbei. auf ein Neues!