Diesel-Aggregate überbrücken den Ausfall in Münchner Kliniken. Ansonsten sind es kalte, dunkle Duschen und versperrte Garagentore, die den Münchnern Blackout-Gesprächsstoff liefern.

München - Es gibt Orte, an denen ist Strom lebensnotwendig. In den Münchner Krankenhäusern zum Beispiel. Sie haben für den Fall eines Blackouts vorgesorgt. Als am Donnerstag in der halben Stadt der Strom ausfiel, schalteten sich dieselbetriebene Notstromaggregate ein. So auch im Großhadern. Es dauerte nur 15 Sekunden, bis die Versorgung wieder stand. OP-Säle, die intensivmedizinischen Bereiche und der Schockraum können im Notfall mit Akkus betrieben werden.

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Und lebenswichtige Geräte, wie etwa Beatmungsmaschinen, haben für den Notfall einen Batterie-Antrieb. „Es gab zu dieser Zeit keine lebenswichtigen OPs“, sagt Klinikumssprecher Philipp Kreßirer. Alle Eingriffe wurden also einfach um eine Stunde nach hinten verlegt. Auch in vier der fünf städtischen Krankenhäuser, Schwabing, Bogenhausen, Neuperlach und Harlaching sprang die Notstromversorgung an – genau wie im TU-Klinikum rechts der Isar. „Es gab zu keinem Zeitpunkt eine Patientengefährdung“, hieß es beim Stadtklinikum.

Große Aufregung, keine Gefahr, aber jede Menge kleine Geschichten: Das ist der Stromausfall für die Münchner gewesen. Die AZ sammelt Vorkommnisse und kleine Anekdoten von Mitarbeitern.

Theresienstraße. 7.40 Uhr. Der Lichtschalter versagt den Dienst. Im Haus gegenüber brennt Licht. Im Hausflur geht nix. Auch nicht beim Nachbarn. Mist, ein Bad ohne Fenster war noch nie das Wahre, stellen die Bewohner erneut fest. Teelichter sorgen für Candlelight-Stimmung. Wasser marsch. Frisch ist's. Raus aus der Dusche. Erst dann flackert die Glühbirne wieder.

In einem Mietshaus an der Leopoldstraße treffen sich verschlafene Nachbarn auf dem Hausflur und rätseln über den Grund für den Blackout – ohne Ergebnis. Es bleibt der Erkenntnisgewinn: Auch andere Menschen haben schöne Schlafanzüge.

Es war zwar schon fast hell um sieben Uhr, manche saßen trotzdem im Dunkeln: die elektrischen Jalousien haben sich in betroffenen Vierteln nicht hochziehen lassen.

In der Parkstadt Bogenhausen mussten Hausmeister die elektrischen Rolltoren der Tiefgaragen mit Muskelkraft aufstemmen. Die geparkten Autos kamen zu spät in den Stau.

Für einige Bewohner in Untergiesing war der Stromausfall ein Déjà-Vu. Vor zwei Wochen fiel hier zum ersten Mal der Strom aus. Es war Abend, die Gefriertruhe piepte ihr Alarmsignal. Sie piepte fast die ganze Nacht durch, denn so lange dauerte es, bis der Schaden behoben war. Ein paar Tage später ein Blatt mit dem Briefkopf der Stadtwerke an der Haustür: Dringende Wartungsarbeiten, der Strom müsse deswegen für drei Stunden abgeschaltet werden. Am Donnerstag die vertraute Abfolge: Erst flackern die Glühbirnen, dann wird's dunkel, das Piepen des Kühlschranks. Der Strom, soso, ist's mal wieder so weit.

Dass man ohne Computer und Telefon praktisch gar nicht mehr arbeiten kann, erlebten am Donnerstag einige Mitarbeiter der Hypo-Bank am Tivoli-Park. Hatten es die meisten noch bis in die Büros geschafft, starrten sie danach bis 10.15 Uhr in schwarze Schirme und lauschten in tote Telefonhörer.

In Harlaching und anderen Vierteln ging auch kein Telekom-Handynetz mehr – der Blackout hatte wohl auch die Sendemasten matt gesetzt. Eine Notrufnummer bei den Stadtwerken war nicht zu erreichen. Lediglich über Vodafone ging die Notruf-Nummer 110: „Beruhigen Sie sich, die halbe Stadt ist ohne Strom“.

Positiv sah es der Schwabinger, der „endlich mal bis um acht ausschlafen konnte“. Das elektrisch betriebene Garagentor im Nachbarhaus war außer Betrieb. „Es konnte also auch nicht quietschen.“

Verschont blieb das BMW-Werk in Milbertshofen, sowie die Großmarkthalle und der Schlachthof. Sie waren von dem Ausfall nicht betroffen. „Wir haben Glück gehabt, sagt ein BMW-Sprecher“: Und beim Schlachthof heißt es, für den entsprechenden Fall gebe es Notfallpläne. Die mussten in 33 Jahren noch nie eingesetzt werden, sagt ein Sprecher.